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Champions League:Bayern kalkuliert schon mit Leipzig

FC Bayern: Pressekonferenz mit Chefcoach Hansi Flick

Bayern-Trainer Hansi Flick.

(Foto: dpa)

Dass die Münchner ohne Neuer, Goretzka und Lewandowski gegen Atlético antreten, verdeutlicht die Prioritäten von Trainer Flick in anstrengenden Wochen. In Madrid können nun Spieler aus der zweiten Reihe für sich werben.

Von Christopher Gerards

Es lohnt sich, noch einmal auf die Aufstellung des FC Bayern vom 21. Oktober zu schauen. Die Münchner spielten zu Hause gegen Atlético Madrid, erstes Gruppenspiel der Champions League, ein relativ wichtiges Duell zwischen den beiden stärksten Teams der Gruppe. Im Münchner Tor stand Manuel Neuer, im Mittelfeld begannen Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Corentin Tolisso, vorne drin stand natürlich Robert Lewandowski. Goretzka und Tolisso trafen beim 4:0 - Lewandowski erstaunlicherweise nicht.

An diesem Dienstag (21 Uhr) spielt der FC Bayern wieder gegen Atlético, und es ist immer noch das Champions-League-Duell der beiden Stärksten der Gruppe. Die Sache ist, dass inzwischen ein paar Spiele ins Land gezogen sind, die Bayern haben in dieser Zeit Verletzungen hinnehmen müssen, sich aber auch frühzeitig für das Achtelfinale qualifiziert. So kommt es, dass die Aufstellung diesmal anders aussehen wird als im Oktober. Neuer, Kimmich, Goretzka, Tolisso und Lewandowski werden in Spanien fehlen. Kimmich ist verletzt, Tolisso nach kleinerer Verletzung noch nicht ganz fit; drei werden mehr oder weniger geschont.

Trainer Hansi Flick wollte seine Umbauten aber keineswegs als Abschenken verstanden wissen: "Es ist so, dass Leon Goretzka angeschlagen ist, und auch Robert Lewandowski ist angeschlagen", sagte er in der virtuellen Pressekonferenz am Montag: "Wenn jemand nicht bei 100 Prozent ist, bringt er der Mannschaft nicht so viel." Er vertraue dem ganzen Kader, sagte Flick - und ging schnell dazu über, seine Vorfreude aufs Spiel herauszuheben, das eine "wahnsinnige Herausforderung" werde.

Am Samstag steht das Topspiel in der Bundesliga an

Dennoch darf man leise mutmaßen, dass sowohl Neuer als auch Lewandowski als auch Goretzka gespielt hätten, wenn dieses Duell in Madrid etwa im April stattgefunden und "Halbfinal-Rückspiel" drüber gestanden hätte. Daher verrät Flicks Personalpolitik auch etwas über seine Prioritäten dieser Saison, in der alle paar Tage ein Spiel ansteht. Hatte er beim 3:1 in Stuttgart noch seine besten verfügbaren Spieler dabei, verzichtet er nun, nicht zur Freude von Atléticos Konkurrenten im Kampf um Platz zwei, auf drei von ihnen - sodass er sie am Samstag wohl wieder ausgeruht bringen kann. Der Gegner ist dann RB Leipzig, Tabellenzweiter, nur zwei Punkte hinter den Bayern. Anders ausgedrückt: Gäbe es auch in der Bundesliga ein Achtelfinale - die Bayern wären noch nicht qualifiziert, sondern sie sind im Topspiel gefordert.

Manuel Neuer kann mit seinem spielfreien Dienstag offenbar gut leben. "Wichtig ist, dass man runterfahren kann. Gerade bei dem Mammut-Programm der letzten Wochen und Monate fällt auf, dass es schwierig ist, sich Pausen zu nehmen", wurde er auf der Klub-Homepage zitiert. Flick wiederholte seine Haltung, nicht groß zu klagen über die Belastung, sondern die Sache anzunehmen, wie sie ist: "Die Mannschaft, die mit den Bedingungen am besten zurecht kommt, die wird Erfolg haben." Er wies darauf hin, dass seine Elf derzeit keine Preise für schönen Fußball gewinne. Aber er lobte, wie sie "in der Lage ist, 90 Minuten zu fighten".

Die Abwesenheit prominenter Namen bedeutet auch, dass nun einige Spieler für sich werben können. Im Tor gilt das für Zugang Alexander Nübel, der im Pokal gegen Düren sein bislang einziges Saisonspiel machte. Flick findet, dass Nübel einen guten Eindruck hinterlasse und im Training seine Qualität zeige. In der Abwehr sind Jérôme Boateng und Lucas Hernández, beide gegen Stuttgart angeschlagen ausgewechselt, zumindest wieder im Kader.

Vor allem auf der Sechser-Position sieht es aber wegen der Verletzungen, wegen Goretzkas Daheimbleiben und Marc Rocas Sperre "nicht ganz so rosig" aus, wie Flick sagte. Ein Einsatz-Kandidat wäre Javi Martínez, der in den vergangenen Spielen immer mindestens eingewechselt wurde. Ihn plagten seit dem Stuttgart-Spiel Hüftschmerzen. Er fühle sich jedoch "sehr gut" und hoffe, in Madrid bei hundert Prozent zu sein, sagte er. Theoretisch könnten auch zwei Reserve-Spieler ihr Debüt geben: Maximilian Zaiser und Angelo Stiller reisten mit nach Madrid - sie sind zentrale Mittelfeldspieler.

© SZ vom 01.12.2020/schm
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