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FC Bayern vs BVB:Heulsusen und Kung-Fu-Kahn

Bei Dortmund gegen Bayern geht es nicht nur um Punkte und Pokale - sondern auch um Demütigungen, Reibereien und goldene Streichler. Der große Rückblick zum Bundesliga-Kracher.

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Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Quelle: Federico Gambarini/Pool via Getty

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Saison 2019/20: Bayern gegen Dortmund, das waren große Spiele in den vergangenen Jahren - zuletzt hab es für die Dortmunder aber nicht viel zu holen. Drei Ligaspiele in Serie hat der BVB verloren, zwei in München, eins in eigener Arena, letzteres im Frühjahr 2020 durch einen wirklich kunstvollen Lupfer (im Bild reckt sich BVB-Keeper Roman Bürki vergeblich) von Joshua Kimmich, der den Münchner Siegtreffer in Dortmund bedeutete. Der letzte Dortmunder Sieg datiert vom 10. November 2018, da gab es im Westfalenstadion einen schwer umjubelten 3:2-Erfolg.

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Quelle: AFP

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Saison 2017/18: "Wir sind nicht perfekt, bei weitem nicht", sagte der damalige Bayern-Innenverteidiger Mats Hummels nach diesem Spiel im März 2018, in dem seine Mannschaft ein halbes Dutzend Tore schoss gegen die Dortmunder. Es war die einzige Saison in den vergangenen Jahren, in denen der sogenannte deutsche Clásico kein Clásico war, sondern eine Demontage, Dortmund qualifizierte sich am Ende der Saison mit Ach und Krach für die Champions League - und verlor in München eben mit null zu sechs Toren. Bereits zur Halbzeit stand es 5:0. Vor allem der Kolumbianer James Rodríguez sorgte mit seinen brillanten Vorlagen für schnelle Klarheit. Mit dem späten 6:0 vom Ex-Dortmunder Robert Lewandowski schaffte der FCB seinen höchsten Sieg gegen den BVB seit 1971, damals ging es gar 11:1 aus. Und der BVB stieg am Ende ab.

Bayern München - Borussia Dortmund

Quelle: dpa

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Saison 2014/15: Wusch! Der saß. BVB-Torwart Mitch Langerak knockte im letzten FCB-BVB-Duell unter Dortmunds Trainer Jürgen Klopp mit seinem Ellenbogen Bayern-Stürmer Robert Lewandowski aus. Es war eine nachhaltige Schwächung für die Münchner in ihrer Arena. Denn der sonst so sichere Schütze fehlte nun im Elfmeterschießen des Pokal-Halbfinales. Das wurde zur denkwürdigen Angelegenheit: Alle Bayern-Schützen verschossen, Philipp Lahm und Xabi Alonso rutschten dabei formvollendet und, natürlich zeitversetzt, synchron aus - als hätte Raubein Langerak vor ihren Schüssen auch noch Spülmittel um den Elfmeterpunkt verteilt. Das Elfmeterschießen endet 0:2. "Die Spieler hatten keine Badelatschen an, sondern Stollenschuhe", sagte Thomas Müller. Und Lahm entschuldigte sich: "Mehr als Stollenschuhe anziehen kann ich ja nicht." Lewandowskis Berater Cezary Kucherski twitterte später, sein Schützling könne sich "nicht an die letzten Minuten erinnern". Vielleicht ganz gut so.

Borussia Dortmund - FC Bayern München

Quelle: dpa

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Saison 2013/14: "Berlin, Berlin, zwei große Rivalen treffen sich immer in Berlin." Auch 2014 spielten die beiden Teams das DFB-Pokalfinale aus. Pep Guardiola trifft dabei im Pokal zum ersten Mal auf Jürgen Klopp. Am Ende lächelt der Katalane ohne Haare auf dem Kopf gegen den Trainer mit transplantierten Haaren. Die Entscheidung fällt erst in der Verlängerung nach Treffern vom 2013er CL-Finalheld Arjen Robben (Er hat es wieder gemacht) und Thomas Müller, der dabei ein "Schneckenrennen" (Müller) gegen Marcel Schmelzer gewinnt. Für Klopp und seine Dortmunder zum Haareraufen: Eigentlich hätten sie das 1:0 erzielt. Bayern-Verteidiger Dante kratzte in der 64. Minute einen Kopfball von Mats Hummels erst hinter der Linie "von der Linie". Der Treffer wird nicht gegeben, bald darauf wird daher die Torlinientechnologie eingeführt.

Borussia Dortmund vs Bayern Munich

Quelle: dpa

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Saison 2012/13: Im Mutterland des Fußballs spielten die beiden deutschen Klubs ihr Finale um Europas Krone aus: Bayern gegen Dortmund. Im Wembley-Stadion in London am 25. Mai 2013. Dortmund hatte sich gewappnet gegen den Favoriten, traf selbst nach der Münchner Führung durch Mario Mandzukic noch zum 1:1 per Elfmeter von Ilkay Gündogan. Der BVB verteidigte zudem auch sämtliche Robben-Tricks hervorragend. Von rechts mit dem Ball nach innen ziehen? Das war an diesem Abend nicht drin für den Niederländer. Daher änderte der kurz vor Schluss seinen Reiseplan. Ohne Ball am Fuß rannte er nun nach innen, nahm einen Hackenpass von Franck Ribéry auf und streichelte den Ball an Roman Weidenfeller vorbei zum goldenen 2:1. 89. Minute, riesiger Jubel. "Der Arjen hat's gemacht", singen die Fans seither. Die Bayern holten den großen, dicken Pokal, den Ribéry mit aufs Zimmer nahm. Damit war auch der BVB-Fluch dieser Jahre besiegt.

DFB-Pokal - Borussia Dortmund - Bayern München

Quelle: dpa

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Saison 2011/12: Besonders verheerend dagegen muss den Bayern auch diese Niederlage im Pokalfinale in Berlin gegen Dortmund vorgekommen sein. Beim 2:5 standen am Ende die Spieler der Borussia Spalier und trösteten den Verlierer. Jérôme Boateng war vom Platz geflogen und der damals noch schwarz-gelbe Robert Lewandowski hatte drei Mal getroffen - der Rest war purer Bayern-Frust, jedes Gegentor sei eine "Watschn" gewesen, sagte Karl-Heinz Rummenigge. Es war einer der Tiefpunkte in einer verwirrenden Saison für die Münchner. In der Meisterschaft mussten sie ebenfalls dem BVB den Vortritt lassen und in der Champion League sollte nach dieser Partie in Berlin noch die schlimme Heimpleite im Endspiel gegen Chelsea folgen.

Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen  - Bundesliga

Quelle: Martin Rose/Getty Images

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Dass es mit dem Titel in der Liga erneut nicht klappte, lag unter anderem an diesem verschossenen Elfmeter von Arjen Robben, damals noch das Gegenteil vom BVB-Schreck. Der Niederländer scheiterte kurz vor Schluss an BVB-Keeper Roman Weidenfeller. Nach dem 1:0 durch Lewandowski in der 77. Minute hatten die Bayern noch einige weitere Chancen auf den Ausgleich, doch kein Münchner traf an diesem Tag ins Tor. Robbens Fehlschuss kostete letztlich wohl die Meisterschaft. Die Borussia siegte und war quasi schon Meister.

Fussball 1. BL   FC Bayern Muenchen - Borussia Dortmund

Quelle: Schatz

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Saison 2006/2007: Hier empfing der FC Bayern die Borussia gleich zum Eröffnungsspiel. Die Münchner gewannen mit 2:0 und freuten sich über einen gelungenen Saisonstart - Dortmund ärgerte sich nicht nur über die Niederlage, sondern auch über den Ausfall von Sebastian Kehl. In diesem Zweikampf mit Hasan Salihamidzic zog sich der Mittelfeldspieler eine tiefe Risswunde im linken Knie zu. Heute arbeiten beide im Management der Klubs.

Kehl ist aber noch an einer weiteren unvergessenen Geschichte rund um das Duell der beiden Mannschaften beteiligt: 2001 spielte der heutige BVB-Kapitän beim SC Freiburg. Die Bayern mühten sich, das Talent nach München zu lotsen - Kehl entschied sich aber für Dortmund. Uli Hoeneß hegte im Anschluss moralische Bedenken wegen des vielen Geldes, das die Borussia Kehl geboten haben soll. Gerd Niebaum, der damalige Präsident des Ruhrpottklubs, stellte fest: "Herr Hoeneß sitzt im Glashaus und schmeißt mit Felsbrocken um sich."

Jan Koller im Tor von Borussia Dortmund

Quelle: SZ

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Saison 2002/2003: In der 66. Minute des Spiels erzielte Claudio Pizarro das 2:1 für den FC Bayern. Jetzt reichte es dem BVB-Torwart Jens Lehmann: Er hatte eine Abseitsposition des Peruaners gesehen und versuchte das dem Schiedsrichter Weiner wortstark klar zu machen. Der zeigte wenig Verständnis und stellte den Torwart vom Platz. Das war nicht nur ärgerlich für die Borussia, weil sie nach einer weiteren roten Karte für Frings nur noch zu neunt spielte - der BVB hatte auch schon drei Mal gewechselt.

So kam der ungeheuer große, aber nicht unbedingt bewegliche Stürmer Jan Koller zu seinem großen Auftritt. Der Tscheche zog sich für den Rest des Spiels das Torwarttrikot über. Mit Erfolg: Dortmund kassierte die verbleibenden Minuten kein Gegentor mehr - und Koller wurde vom kicker in die Elf des Spieltages gewählt. Als Torwart!

dortmund

Quelle: SZ

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Saison 2000/01: Es ging häufig wüst zur Sache, wenn die Bayern auf Dortmund trafen. Rudelbildung mit Schubsen gehörten fast schon zur Folklore dieses Spiels. Bis heute jedoch streiten sich Fußballhistoriker darüber, was denn nun das unfairste Match dieser beiden Mannschaften war. Das Spiel mit dem beißenden Kung Fu-Fighter Oliver Kahn? Oder doch die Fußballschlacht zwei Jahre später?

Am 28. Spieltag der Saison 2000/01 wurde jedenfalls nur zwischendurch Fußball gespielt. Immer dann, wenn die Spieler nicht gerade damit beschäftigt waren, sich gegenseitig weh zu tun. 13 gelbe Karten zählten die Statistiker nach dem Spiel, Lizarazu, Evanilson und Effenberg wurden vom Platz gestellt. Effenberg mit glatt Rot, weil er Dede einen Ellenbogencheck verpasst hatte. Als er das Spielfeld verließ, verabschiedete er sich mit Luftküssen vom Dortmunder Publikum. Effenberg wusste eben schon immer, wie man eine Situation gründlich beruhigt.

BORUSSIA DORTMUND - FC BAYERN MUENCHEN 2:2

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Saison 1998/99: Es war vielleicht die legendärste Aktion des Oliver Kahn. Dass sein Strafraum Sperrgebiet ist, hätte man eigentlich wissen können. Heiko Herrlich wusste es offenbar nicht. Am 3. April 1999 waren die Bayern in Dortmund zu Gast und nach seinem Eindringen in feindliches Territorium kam Herrlich Kahn deutlich näher, als er sich vermutlich vorher hätte träumen lassen. Eine Bogenlampe segelte vor Kahns Tor, der griff natürlich beherzt zu. Herrlich besaß allerdings die Frechheit, Kahn in dessen Hoheitsgebiet etwas zu sehr auf die Pelle zu rücken, was dem gar nicht passte. Der "Titan" biss daraufhin den Dortmunder irgendwo zwischen Hals und linkem Ohr. Vielleicht wollte er aber auch nur Herrlichs Fährte aufnehmen.

Oliver Kahn attackiert Stephane Chapuisat

Quelle: SZ

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Einmal in Fahrt, war Kahn bekanntlich nur selten zu bremsen. Nachdem er in besagter Partie Heiko Herrlich bereits angeknabbert hatte, sollte auch BVB-Stürmer Stéphane Chapuisat noch seinen ganz persönlichen "Kahn-Moment" erleben. Chapuisat spurtete, wie man das als Stürmer eben so macht, einem langen Pass in Richtung Bayern-Tor hinterher - der Schweizer stand allerdings im Abseits, was vom Referee entsprechend moniert wurde.

Damit war die Situation eigentlich gegessen - nicht für Oliver Kahn. Der war schon auf dem Weg in Richtung des Schweizers, fing erst den Pass ab und flog dann mit gestrecktem Bein in bester Bruce-Lee-Manier auf Chapuisat zu. Der Dortmunder wich aus, kam glücklicherweise mit Leib und Leben davon und der Bayern-Keeper wurde für sehr lange Zeit den Titel "Kung-Fu-Kahn" nicht mehr los.

Lothar Matthäus und Andreas Möller

Quelle: imago sportfotodienst

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Saison 1996/97: Kann sich eigentlich noch jemand an die fußballerischen Fähigkeiten von Andreas Möller erinnern? Bestenfalls vage wohl, was aber bleibt, ist seine legendäre Schwalbe gegen den Karlsruher SC ("Das war eine Schutzschwalbe. Ich dachte, dass Dirk Schuster mich voll umhauen würde") und die gefühlten 38 Beschwerden beim Schiedsrichter - pro Spiel. Lothar Matthäus wurden diese Mätzchen am 19. April 1997 zu bunt. Nachdem Möller sich mal wieder mokiert hatte, ging Matthäus zum Dortmunder, nannte Möller eine "Heulsuse" und wischte sich dabei ein paar imaginäre Tränen weg. Möller ließ das nicht auf sich sitzen und platzierte seine Hand in Matthäus' Gesicht - eine Freundschaft fürs Leben war damit begründet.

Frank Mill, vergebene Chance, Bayern München

Quelle: SZ

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Saison 1986/87: Zum Saisonauftakt bestritt Frank Mill sein erstes Spiel für Borussia Dortmund, ausgerechnet gegen den FC Bayern. Mill war hochmotiviert, natürlich. Es stand 1:1, als die Bayern auf Abseits spielten, doch Mill war zu schnell für diese plumpe Falle. Nach einem langen Pass hatte er nur noch Bayern Torhüter Jean-Marie Pfaff vor sich. Mill übersprang Pfaff locker, samt Ball, rannte auf das leere Tor zu. Hochmotiviert. Er hatte Zeit, viel Zeit. Ein Triumphlauf hätte es werden können - doch er endete im Desaster. Denn ein paar Meter vor dem leeren Tor überholte Mill, hochmotiviert, plötzlich den Ball. Ein kurzer Stolperer, Pfaff zischte heran und Mill setzte das Leder aus zwei Metern: an den rechten Pfosten: Die Mutter aller vergebenen Großchancen sorgt bis heute für großes Gelächer.

© SZ.de/jbe/jki
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