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Bayern im DFB-Pokal:"Egal - wir sind weiter"

VfL Bochum v Bayern Muenchen - DFB Cup

Torschütze in der 89. Minute: Thomas Müller.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Im hohen Bogen flog der Ball durch die Bochumer Herbstnacht, getreten von Philippe Coutinho, diesem feinfühligen Brasilianer, der erkannt hatte, dass auch in dieser Phase die Leichtigkeit im Fuß das beste Mittel war. Kingsley Coman nahm den Ball im Strafraum erst gar nicht an, er legte ihn direkt quer, zu Thomas Müller. Und Müller lief, vielleicht fiel er auch schon, seine Beine bewegten sich wie unsortiert über den Rasen, und vermutlich war das die einzig angemessene Art der Fortbewegung in dieser Phase des Spiels. Thomas Müller stocherte den Ball ins Tor, aber gleichzeitig mit so viel Eleganz, wie nur er es beherrscht.

Müllers Tor in der 89. Minute war das zum 2:1 (0:1) des FC Bayern München in der zweiten Pokalrunde beim VfL Bochum, es war das Tor zu einem späten, äußerst mühsamen Sieg. Die Bayern spielten über lange Zeit fahrig, sie setzten der Bochumer Leidenschaft wenig entgegen; fast eine Stunde lang rannte der Favorit einem Rückstand hinterher. "Wie man so schön sagt: Heute ist das egal - wir sind weiter", sagte Serge Gnabry, der Torschütze zum Ausgleich, und etwas Schöneres konnte ein Münchner wirklich nicht über diesen Abend sagen.

DFB-Pokal Müller stochert Müller-like Bilder
Bayern in der Einzelkritik

Müller stochert Müller-like

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Hasan Salihamidzic, der Sportdirektor, versuchte daher auch erst gar nicht, etwas zu beschönigen: "Wir haben die Mannschaft hergespielt. Das war gut." Dann löste er schnell auf: "Ohne Ironie geht es heute nicht. Das heute Abend kann man nicht analysieren. Werden wir auch nicht."

Auf die Schicksalsfrage Coutinho oder Müller hatte Niko Kovac vor dem Anpfiff eine salomonische Antwort gegeben: weder noch. Die beiden saßen ebenso auf der Ersatzbank wie Robert Lewandowski und David Alaba. Dass die Bayern mit einem B-Team angetreten wären, würde trotzdem niemand behaupten wollen.

DFB POKAL VFL BOCHUM - FC BAYERN MUENCHEN

Am Ende gab ein typischer Müller-Treffer – in der 89. Minute, mit dem Rücken zum Tor.

(Foto: Team2)

Auch ohne die genannten Größen standen zehn Nationalspieler (und Boateng) auf dem Platz. Dort trug sich bereits im ersten Angriff der Hausherren Erstaunliches zu. Ein Vorstoß über Chung Yong Lee und Danny Blum mit unfreiwilliger Beihilfe von Benjamin Pavard brachte VfL-Stürmer Simon Zoller in eine peinliche Lage. Mitten im Strafraum lag der Ball für ihn zum Einschuss bereit, doch Zoller verstolperte die Fünf-Sterne-Chance, weder traf er das Tor noch den Ball. Dieser aufregende Moment wirkte sich zwar nicht auf den Spielstand, aber immerhin positiv auf die Moral des VfL aus, die vom Geschehen im Punktspielbetrieb zuletzt nicht verwöhnt wurde. Die Bochumer zeigten keinen falschen Respekt und griffen gleich wieder an. Blum verpasste das Abspiel auf den durchgestarteten Mittelstürmer Ganvoula, den führenden Schützen der Liga, setzte aber immerhin noch einen respektablen Torschuss ab.

Den Bayern war sicherlich bekannt, dass sie es mit einem Tabellendrittletzten zu tun hatten, sie wussten aber offenbar auch, dass dieser Tabellendrittletzte eine Menge Angriffslust entwickeln kann, nur der HSV und Arminia Bielefeld unterhalten produktivere Torfabriken in der zweiten Liga. Entsprechend seriös widmeten sich die Münchner der Deckungsarbeit, von Hochmut oder Leichtfertigkeit konnte keine Rede sein. Auch die Offensive schien allmählich in Schwung zu kommen. Nach einer Viertelstunde setzte Coman zum ersten Mal in gewohnter Manier zum Kurvenlauf an, inklusive ebenso typischem Schlenzer Richtung Torwinkel, knapp verpasste er das Ziel.

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Müllers Tor sorgt dafür, dass der FC Bayern nicht lang über das Eigentor von Alphonso Davies und die Leistung der ersten Halbzeit grübeln muss.

(Foto: Team2)

Gleich darauf lenkte VfL-Schlussmann Manuel Riemann einen Schuss von Corentin Tolisso über die Latte, und die meisten Betrachter dachten wohl, dass nun die Dinge unvermeidlich ihren Lauf nehmen würden. Sie täuschten sich. Die Bayern kontrollierten das Spiel, doch der VfL musste sich nicht verausgaben, um sie von seinem Tor fernzuhalten. Stattdessen beschäftigten die Bochumer ihren Gegner mit sehenswerten Gegenangriffen, und als Blum auf dem linken Flügel mit ein bisschen Nachdruck an Joshua Kimmich vorbeizog, passierte es: Alphonso Davies verlängerte die scharfe Hereingabe geradewegs ins Netz (36.). "Es waren zu viele, die zu viele Fehlpässe gespielt haben", fasste Niko Kovac die ersten 45 Minuten seiner Spieler zusammen, er befand sogar: "Die erste Halbzeit war ein Fehlpassfestival. So kommst du in keinen Spielfluss."

Der Trainer gab auf den unangenehmen Sachverhalt eine klare Antwort. Er wechselte Lewandowski für den allenfalls peripher beteiligten Ivan Perisic ein. Zehn Minuten später, nachdem weiterhin nichts Nennenswertes in der Bochumer Hälfte geschehen war, griff der Trainer zum zweiten Mal in den Waffenschrank. Coutinho kam und beendete damit das unscheinbare Heimspiel-Comeback von Leon Goretzka, wenig später folgte Thomas Müller, der Tolisso ersetzte. Die hohe Wechsel-Frequenz zeigte den steigenden Nervositätspegel auf der Bank an, während in der Mannschaft mit der Anspannung die internen Gereiztheiten zunahmen.

Die Bochumer Fans erfreuten sich am Anblick schimpfender Bayern-Stars von Boateng bis Lewandowski. Doch erst durch die Einwechslungen von Coutinho und Müller, sagte Kovac, "haben wir in die Spur gefunden". Die Bayern spielten sich nun am Bochumer Strafraum fest, zu guten Gelegenheiten kombinierten sie sich aber lange nicht. In der 83. Minute flankte dann Joshua Kimmich den Ball in den Strafraum, wo Gnabry relativ verlassen stand - er traf zum Ausgleich.

Die Bayern erspielten sich wie so oft in den vergangenen Wochen die besten Chancen zum Ende der Partie. "Die zweite Halbzeit war in Ordnung", sagte Müller, "die zweite Halbzeit brauchen wir nicht kleiner reden als sie war." Bei den Bochumern zeigten sich Ermüdungserscheinungen, nach mehr als einer Stunde der wehrhaften Verteidigung. Zu sehen war das in der 88. Minute, als Armel Bella-Kotchap erst am Ball vorbei trat und dann diesen mit der Hand sicherte. Die folgerichtige rote Karte raubte dem Gastgeber die letzte Energie.

Nur eine Minute später schickte Coutinho den Ball in einem hohen Bogen in den Strafraum, eine kluge, kurze Berührung von Coman, und dann stocherte in der Mitte Müller den Ball so elegant ins Tor, wie nur er das kann.

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