Wenn Bayern Münchens Basketballer am Mittwochabend (20 Uhr) in Ulm zum zweiten Playoff-Finalspiel gastieren, dürften sie eine Mischung aus Demut und Selbstbewusstsein an den Tag legen. Selbstbewusstsein deshalb, weil sie am Sonntag durch einen 82:66-Erfolg in der Best-of-five-Serie in Führung gegangen sind. Demütig, weil ratiopharm Ulm in diesem Kalenderjahr all seine 15 Bundesliga-Heimspiele gewonnen hat – inklusive eines fabelhaften 109:94-Sieges gegen die Münchner im April. Ihre Halle ist längst ausverkauft. „Es ist klar, dass sie zuhause sehr gut spielen und dort einen Vorteil haben“, sagte Bayerns Coach Gordon Herbert.
Dass der deutsche Meister von 2023 den Münchnern gefährlich werden kann, zeigte sich auch am Sonntag. Das Ergebnis fiel deutlich zu hoch aus, vier Minuten vor Schluss hatten die Bayern mit nur einem Punkt geführt. Ihre Künstler von der Dreierlinie, Andreas Obst und Shabazz Napier, sicherten ihren Heimsieg. Und zwei große Schwächen der Ulmer: Sie verwandelten gerade einmal 33,3 Prozent ihrer Freiwürfe – so schlecht waren sie in diesem Element noch nie in dieser Saison. Auch ihre Dreierquote von 23,5 Prozent ließ sehr zu wünschen übrig.
Viel Unruhe brachte Stunden vor dem ersten Spiel auch die Debatte um ihre Top-Talente Noa Essengue, 18, und Ben Saraf, 19 in das Finalduell – die die Ulmer selbst eröffnet hatten. Essengue und Saraf haben gute Chancen, bei den NBA-Drafts in New York von einem der US-Profiklubs ausgewählt zu werden. Das Problem: Die Drafts überschneiden sich mit einem möglichen Spiel vier und fünf des Meisterschaftsfinales. Bitten Ulms auf Spielverlegung wurden von der Basketball-Bundesliga (BBL) abgewiesen, Lösungsversuche im Gespräch mit den Bayern scheiterten ebenfalls, die Schwaben fühlten sich ungerecht behandelt. „Durch die Unnachgiebigkeit der easyCredit BBL und unseres Finalgegners FC Bayern Basketball werden nicht nur zwei Ulmer Top-Talente zwischen ihren Träumen aufgerieben und der sportliche Wert der Finalserie zur Disposition gestellt, dazu wird aus unserer Sicht ein fatales Zeichen nach außen gesetzt“, schrieben sie.
„Die Liga muss den damaligen Beschluss der Klubs respektieren“, sagt die BBL
Die Liga wies die Vorwürfe von ratiopharm Ulm am Montagabend in einer Stellungnahme deutlich zurück. Alle beteiligten Parteien – die Liga, Ulm und Finalgegner Bayern München – hätten sich um eine praktikable, zufriedenstellende Lösung bemüht, hieß es in dem Schreiben. „Trotzdem konnte – auch aus Gründen von Hallenverfügbarkeiten – keine Variante gefunden werden, der München zugestimmt und die Ulm zufriedengestellt hätte.“Die BBL verwies darauf, dass die Ulmer bereits im April einen Antrag gestellt hätten, den Playoff-Terminkalender zu verkürzen. Dieser sei von den BBL-Klubs mit deutlicher Mehrheit abgelehnt worden. Diese Ablehnung gelte ebenso für den aktuellen Antrag. „Die Liga muss den damaligen Beschluss der Klubs respektieren, auch wenn der aktuelle Antrag nicht dem exakt gleichen Wortlaut des damaligen entspricht“, hieß es. Auch eine Spielverlegung aus „wichtigem Grund“ gemäß der Spielordnung habe nicht vorgelegen.
Die Ulmer reagierten auch darauf – und veröffentlichten am Dienstagabend ein weiteres Schreiben, in dem es hieß: „Sowohl bei den geschilderten Abläufen als auch hinsichtlich der Chronologie entspricht die Darstellung der easyCredit BBL rund um die Terminierung der Finalserie nicht den Tatsachen.“ Versöhnlichere Töne hatte tags zuvor die Liga angeschlagen: Sie plane, „die Frage, ob und wie die jährliche NBA-Draft grundsätzlich in der zukünftigen Spielplanung zu berücksichtigen ist, bei einer kommenden Tagung der Klubs zur Abstimmung“ zu stellen. Für die aktuelle Finalserie bringen Ulm diese Aussichten aber nichts mehr. Immerhin können sie in Spiel zwei und drei noch auf Essengue und Saraf zählen.

