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Champions League:Bayern schießt acht Tore gegen Barcelona. Ja, acht

Barcelona v Bayern Munich - UEFA Champions League Quarter Final

Joshua Kimmich und seine Mitspieler feiern das Tor zum 5:1.

(Foto: Getty Images)

Das Team um Lionel Messi geht unter wie eines der beliebigen Münchner Opfer aus der Bundesliga. Das Spiel erinnert an das epochale 7:1 der deutschen Nationalmannschaft von Belo Horizonte.

Von Philipp Selldorf, Lissabon

Für schöne Erinnerungen an alte Zeiten haben Fußballer üblicherweise keine Zeit, wenn sie sich mitten im Match befinden, schon gar nicht dann, wenn der Gegner der FC Barcelona ist. Aber es war im Grunde unmöglich für Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Thomas Müller und Hansi Flick, nicht wenigstens ein paar Momente diese Zeitreise ins Jahr 2014 zu unternehmen, aus dem Stadion des Lichts in Lissabon ins Stadion Mineirao in Belo Horizonte, wo etwas sehr Ähnliches geschah wie sechs Jahre später in Portugal: Etwas Ungeheuerliches und Aberwitziges nämlich, was aber dem Betrachter vorkam, als sei es selbstverständlich und zwangsläufig.

Damals hieß es zur Pause 5:0 für Deutschland gegen den Gastgeber der Weltmeisterschaft, Brasilien. Diesmal hieß es nach 45 Minuten zwar lediglich 4:1 gegen den FC Barcelona, aber die Partie folgte der gleichen verrückten Logik. Es hätte auch alles anders kommen können, zum Beispiel, wenn Lionel Messi beim Stand von 1:1 den Ball nicht in Neuers Arme, sondern ins Tor geschlenzt hätte, aber wie sich dann ein Treffer an den nächsten reihte, daran war wie damals in Belo Horizonte nichts Falsches oder Zufälliges.

Der große FC Barcelona, von dessen Vorarbeiter Arturo Vidal tags zuvor noch zur besten Mannschaft der Welt erklärt, bezog von den Bayern Prügel wie eines ihrer beliebigen Opfer aus der Bundesliga oder schlimmer noch: wie der Hamburger SV. Das 4:1 zur Pause war ein gnädiges Resultat, und als die Münchner nach 90 Minuten 8:2 gewonnen hatten, war das nichts anderes als das angemessene Abbild ihrer kompletten Überlegenheit.

Ja: 8:2! Man hatte von diesem Abend einiges erwartet, aber sicher nicht das. Lionel Messi ging vom Platz wie ein Mann, der nicht gesehen werden möchte, Ersatztorwart Sven Ulreich und Ivan Perisic verabschiedeten ihn mitfühlend. Spätestens nach einer halben Stunde hatte Messi die Lust an diesem ungleichen, demütigenden Wettkampf verloren und das Mitspielen eingestellt.

Auch ein deutsches Finale ist nicht unmöglich

Nicht nur für den FC Barcelona war dieser Abend ein Debakel, der stolze spanische Fußball schlechthin erlebt gerade eine ungewohnte Brüskierung. Erstmals seit 13 Jahren steht keine spanische Mannschaft im Halbfinale der Champions League, während die Bundesliga ihre beiden Vertreter so im Tableau platziert sieht, dass auch ein deutsches Finale nicht unmöglich ist.

Den Bayern ist in der Verfassung von Freitagabend auch ein Kantersieg gegen eine Allstar-Elf des Universums zuzutrauen. Trotz des starken Zutuns von Strukturspielern wie Leon Goretzka und Thiago war dieser Sieg nicht unbedingt das Ergebnis von Kontrolle, Disziplin und Strategie, eher waren es stattdessen die Spielfreude und der wilde Angriffsgeist, der die Bayern ins Ziel trieb - viel früher, als sie vor diesem vermeintlich schwierigsten Spiel der Saison gedacht hatten.

Der Anstoß erfolgte pünktlich um acht, auf Zuschauer im Stau musste man ja nicht warten, Luis Suarez hatte die Ehre, den Anfang zu machen, die Bedingungen waren bestens, angenehm frisch zog der Wind durch das riesige leere Haus. Das Spiel nahm sich keine Zeit, um langweilig zu sein. Den ersten heiklen Moment vor seinem Tor erlebte Manuel Neuer nach zweieinhalb Minuten, das erste Tor fiel im Gegenzug: Thomas Müller besorgte es in Zusammenarbeit mit Robert Lewandowski, wobei man auch die schlaue Vorarbeit von Ivan Perisic nicht unterschlagen darf.

Das 1:1 gab es in der siebten Minute, David Alaba mit einer präzisen Bogenlampe ins eigene Tor, und das 1:2 wäre beinahe zwei Minuten darauf gefallen: Suarez stand allein vor Neuer, kam aber nicht an ihm vorbei. Gleich darauf ein Schuss an den Pfosten des Münchner Tores, ehe wiederum Lewandowski mitten im Strafraum zum Schuss kam ... abenteuerlich ging´s zu auf beiden Seiten, zumindest in dieser frühen Phase war eine seriöse Prognose über den Ausgang nicht vertretbar. Die Bayern spielten erstaunlich risikofreudig, verteidigten hoch auf einer Linie, und ließen außen viel Platz, was vor allem Sergi Roberto immer wieder in Position brachte. Ja, es hätte auch schief gehen können.

Der Mann, der den Bayern mit dem 2:1 einen entscheidenden Vorteil verschaffte, war der Linksaußen und Leiharbeiter Perisic. Sein Torschuss ließ Marc-André ter Stegen nicht glücklich aussehen, ein Motiv, das öfter vorkam an diesem Abend. Das Duell ums deutsche Nationaltor hat ter Stegen in Lissabon um Längen verloren. Gegen die vielen Tore, die nun folgten, das 3:1 durch Gnabry, das 4:1 durch Müller, das 5:2 durch Kimmich, war ter Stegen machtlos, er reihte sich damit trefflich in eine Barca-Mannschaft ein, die inzwischen restlos überfordert und zum Schluss nur noch eines wollte: Runter vom Platz und weit weg sein vom Ort der Schande.

© SZ.de/chge
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