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Bayern gegen Augsburg:Als stünden die Gründungsväter höchstpersönlich auf dem Platz

Nach einem langen Pass von Jérôme Boateng musste Thomas Müller (rechts) nur seine linke Fußinnenseite hinhalten, schon flog der Ball ins Tor.

(Foto: AFP)
  • Der FC Bayern München gewinnt zu Hause 2:0 gegen den FC Augsburg.
  • Dem Tabellenführer genügt für den Sieg ein äußerst geringes Energieleve, denn die Augsburger treten nicht so auf, als wollten sie wahnsinnig viel reißen.
  • Die Tore für die Münchner schießen Thomas Müller (53.) und Leon Goretzka (90.+1).

Aus dem Stadion von Benedikt Warmbrunn

Am Sonntag hat der FC Bayern seinen 120. Geburtstag nachgefeiert, es gab zu diesem Anlass eine Choreografie im Stadion (angeleitet durch verteilte Begleitzettel: "Achtung: Choreo"), es gab eine Aktion gegen Rassismus, die Mannschaft lief in Trikots im Retro-Stil auf, und Fußball gespielt wurde auch - passend zum Anlass bewegten sich die Spieler sogar lange so, als ob die Gründungsväter höchstpersönlich in die Trikots der Mannschaft von 2020 geschlüpft wären. Tempo, Spielwitz, alles fehlte lange; auch der FC Augsburg brachte zunächst keinen Schwung in die Feier, er präsentierte sich eher wie ein Gast, der auf keinen Fall in Erinnerung bleiben will.

2:0 (0:0) gewann der FC Bayern an seiner Geburtstagsparty gegen Augsburg am Ende, dem Team genügte dabei über weite Strecken ein Energielevel, wie es sonst auf Feiern in den frühen Morgenstunden auf der Tanzfläche zu beobachten ist: schon bemüht, aber nicht mit dem allerhöchsten Körpereinsatz. Und auch wenn es kein großer Nachmittag war, könnte er wichtig gewesen sein im Anlauf auf den 30. Meistertitel der Vereinsgeschichte.

Die Ausgangsposition für die Bayern vor diesem Spiel war ja ausgezeichnet gewesen, durch das Leipziger 0:0 am Samstag in Wolfsburg konnten sich die Münchner durch den Sieg einen Vorsprung von vier Punkten auf den zweiten Tabellenplatz herausspielen, den mittlerweile Borussia Dortmund belegt. Es war ein passendes Geschenk der Mannschaft an sich selbst gewesen - und vielleicht spricht es auch für den FC Bayern in diesen Wochen, dass er sich dieses Geschenk mit minimalem Aufwand selbst überreicht hat (wie schon beim 1:0 im Pokal-Viertelfinale am Dienstag in Schalke). Zumal der Sieg ja auch höher hätte ausfallen können.

Die Geschehnisse auf dem Platz beschränkten sich in der ersten Halbzeit im Wesentlichen darauf, dass die Bayern viel Ballbesitz hatten, damit aber schon ganz zufrieden zu sein schienen. "Wir haben die hundertprozentige Killermentalität vermissen lassen, das war nicht das Niveau der letzten Wochen", sagte Stürmer Thomas Müller selbstkritisch. Die Gäste aus Augsburg wiederum waren ganz zufrieden damit, dass die Bayern nix Gefährliches zustande brachten. Die beste Chance hatte der FCA, nach mehreren Unsicherheiten in der Münchner Defensive schoss Eduard Löwen von der Strafraumkante aufs Tor, doch der Ball kullerte brav in die Hände von Manuel Neuer. Gegen Ende der ersten Halbzeit intensivierten die Bayern ihre Angriffsbemühungen, sie spielten konsequenter über die Flügel - Sekunden vor dem Pausenpfiff hatte Thomas Müller nach einer Flanke von Serge Gnabry die beste Münchner Chance. Er schoss über die Latte.

Ansonsten flankte Alphonso Davies einmal aufs Tornetz, mehr passierte nicht. Zumindest auf dem Rasen nicht. Auch im Verein selbst waren sie ja gespannt, wie die eigenen Fans auftreten würden nach dem vergangenen Wochenende, mit den Schmähplakaten in Hoffenheim gegen Dietmar Hopp, mit den zwei Spielunterbrechungen, mit der Reaktion von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ("das ganz hässliche Gesicht des FC Bayern"), mit dem Gefühl, dass nicht allen im Klub klar war, worum es den Fans in dieser Debatte eigentlich geht. Die Augsburger Anhänger richteten am Sonntag ihren Protest in der ersten Halbzeit mit Plakaten direkter an die Verbände DFB und DFL, anschließend beschimpften die Fans beider Klubs den DFB im Wechselgesang. Der Münchner Anhang reagierte auf Rummenigges Aussage (" ,Das ganz hässliche Gesicht des FC Bayern' zeigen die, die Blutgeld von Katar + Co nehmen!"). In der zweiten Halbzeit richteten sich die Plakate der Bayern-Fans direkt gegen den DFB, unter anderem mit einem durchkreuzten DFB-Logo. Sie erwähnten alles, was sie am DFB stört, darunter die Kollektivstrafen gegen Fans. Immer wieder hielten sie nun Plakate hoch, mal gegen den DFB, mal gegen Rummenigge. Zu einer Spielunterbrechung kam es nicht.

Ein gemütlicher Nachmittag für den FC Bayern

Zwischendurch ging es in der zweiten Halbzeit auch wieder um die Feierlichkeiten: Nach einem langen Pass von Jérôme Boateng musste Thomas Müller nur seine linke Fußinnenseite hinhalten, schon flog der Ball ins Tor (53.). Und die Fans, sie sangen nun: "120 Jahre FCB!"

Für die Münchner Spieler wurde es nun vorübergehend ein gemütlicher Nachmittag, die Augsburger waren zwar ein paarmal in der gegnerischen Spielfeldhälfte, aber von diesen Ausflügen blieb nichts in Erinnerung. Die Bayern dagegen hätten ihre Führung weiter ausbauen können, sie spielten zielstrebiger, wuchtiger, sie spielten: lebendiger. Doch immer weiter scheiterten sie an Augsburgs Torwart Andreas Luthe. In der 65. Minute parierte dieser einen Schuss von Joshua Zirkzee auf der Linie, vier Minuten später reagierte er blitzschnell nach einem Abschluss von Philippe Coutinho. Immer wieder war es nun Serge Gnabry, der Dynamik in die Offensive brachte, in der 74. Minute dribbelte er sich kraftvoll in den Strafraum hinein - auch seinen Schuss wehrte Luthe aber ab.

Und dann wäre doch beinahe der Ausgleich gefallen: In der 80. Minute entwischte Florian Niederlechner Boateng, seinen ersten Schuss parierte Neuer, den zweiten Schuss fälschte Davies zur Ecke ab.

In der Nachspielzeit traf Leon Goretzka für den FC Bayern, mit einem technisch feinen Tor. Dann war die Geburtstagsfeier auch schon vorbei.

© SZ vom 09.03.2020/vit
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