Bayer Leverkusen:Ein unguter Trend hat sich eingeschlichen

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Bayer Leverkusen: Die Leihe von Callum Hudson-Odoi ist einer der spektakuläreren Transfers von Bayer Leverkusen - bisher aber ohne Ertrag.

Die Leihe von Callum Hudson-Odoi ist einer der spektakuläreren Transfers von Bayer Leverkusen - bisher aber ohne Ertrag.

(Foto: Yves Herman/Reuters)

In Leverkusen rätseln die Verantwortlichen, warum auf einmal schiefgeht, was im Frühling noch funktionierte. Das Beste, was man aktuell sagen kann: dass der Klub in der Trainerfrage die Nerven bewahrt.

Kommentar von Philipp Selldorf

Mychajlo Mudryk kannten die maßgebenden Leute bei Bayer Leverkusen schon in allen Einzelheiten seines Fußballvermögens, als er noch kein Länderspiel für die Ukraine bestritten, als noch kein englischer Verein für ihn 30 Millionen Euro geboten und als er noch keinen großen Auftritt im Champions-League-Spiel bei RB Leipzig hingelegt hatte. Bevor der Goldrausch um den hochbegabten 21 Jahre alten Linksaußen von Schachtar Donezk beginnen konnte, hatte ihn Bayer 04 bereits angesprochen, überredet und überzeugt. Wie in den alten Zeiten, als der rheinische Industrieklub stets etwas schlauer und etwas schneller war als die zahlungskräftigere und attraktivere Konkurrenz aus den Groß- und Weltstädten.

Im Fall Mudryk waren bereits im Juni die Voraussetzungen geklärt: Mudryk wollte zu Bayer 04, Bayer 04 wollte Mudryk - und Schachtar Donezk war mit einem Wechsel einverstanden, trotzdem kam der Transfer unter Umständen, die im Dunkeln blieben, nicht zustande. Drei Monate später gehört der schnelle Flügelspieler immer noch dem ukrainischen Klub an. Bei Donezks furiosem 4:1-Sieg in Leipzig erzielte er ein Tor und bereitete zwei weitere vor. Die maßgebenden Leute von Bayer Leverkusen konnten es am Dienstagabend im Fernsehen verfolgen, während sie auf das nächste Spiel ihres eigenen Teams warteten, das am nächsten Tag in der Champions League prompt die nächste Pleite brachte.

Das 0:1 bei Club Brügge - einer guten, aber keiner großen Adresse des europäischen Spitzenfußballs - stellte im siebten Saison-Pflichtspiel der Werkself die sechste Niederlage dar: im DFB-Pokal in Elversberg rausgeflogen, in der Bundesliga schon vier Mal verloren, und im Europacup nun auch beim Außenseiter der Gruppe B unterlegen. Die zuständigen Aufsichtskräfte, Trainer Gerardo Seoane inbegriffen, rätseln, warum auf einmal schiefgeht, was im Frühling noch auf Abruf funktioniert hat. Das Beste, was man im Moment sagen kann über den Klub: dass er in der Trainerfrage bisher die Nerven bewahrt und Geduld zeigt.

Wenn Bayer 04 gewöhnlich wird, dann ist das kein gutes Zeichen für diesen Verein

Ob Leverkusen mit dem Linksaußen Mudryk eine bessere Bilanz erzielt hätte, weiß keiner. Doch der mit Priorität A versehene, geplatzte Top-Transfer passt in einen Sommer, in dem einige Planungen nicht aufgingen. Darüber hinaus hat sich atmosphärisch ein unguter Trend eingeschlichen in den Klub, der in den guten Zeiten immer von seiner Übersichtlichkeit und Familiarität profitiert hat.

Bayer beschäftigt nach wie vor Spitzenspieler wie Tapsoba, Frimpong, Diaby oder Schick, aber auch einen außerordentlich kostspieligen Kader, der zu großes Niveaugefälle aufweist und zu viele unzufriedene Mitarbeiter enthält. Keine ungewöhnlichen Probleme für einen international ambitionierten Klub. Aber wenn Bayer 04 gewöhnlich wird, dann ist das kein gutes Zeichen für diesen Verein.

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