Bayer gewinnt 3:0:Ein Musterbeispiel Leverkusener Spielkultur

Bayer gewinnt 3:0: Traumtor: Florian Wirtz erzielt per Lupfer das 3:0.

Traumtor: Florian Wirtz erzielt per Lupfer das 3:0.

(Foto: Marius Becker/dpa)

Die Serie hört einfach nicht auf: Auch gegen Eintracht Frankfurt überzeugt das Team von Xabi Alonso und verteidigt die Tabellenführung. Vor allem Florian Wirtz hat gerade Spaß am Fußball.

Von Philipp Selldorf

Die Frage, wann es endlich passieren werde, begleitet Bayer Leverkusen seit Wochen und sogar Monaten auf allen Wegen: Wann endlich dieser Zustand der Unbesiegbarkeit endet, wann die Mannschaft mal ihre Linie verliert, wann sich ihr die Laune des Fußballs in den Weg stellt, wann Spieler wie Granit Xhaka, Jonathan Tah oder Exequiel Palacios auch mal wieder einen richtig miesen Tag haben. Kurz: Wann gemäß dem Gesetz des Spielcasinos auf 23 Mal Rot wieder Schwarz folgt.

All diese Fragen waren am Sonntagabend im Spiel gegen Eintracht Frankfurt schon lange vor dem Abpfiff beantwortet: "Heute nicht" lautete Punkt für Punkt das Urteil des Spieltages. Mit der 0:3-Niederlage war die Eintracht gut bedient, zur Bilanz der Hausherren gehörte außer einigen mehr als passablen Gelegenheiten noch ein Pfosten- und ein Lattentreffer. Den Traum vom Titelgewinn beschworen aber nicht die Leverkusener Fans, sondern die Frankfurter Anhänger: "Deutscher Meister wird nur die SGE", sangen sie wider besseres Wissen. In der Bayer-Kurve hält man sich mit solchen Ansagen ausdrücklich zurück - wahrscheinlich will man das Schicksal nicht herausfordern.

Solange die Rheinländer ihre Form konservieren können, werden sich die Bayern für den nächsten Triumph noch mehr anstrengen müssen. Die Partie gegen Frankfurt bot ein Musterbeispiel der Leverkusener Spielkultur. Von der ersten bis zur letzten Spielminute dominierte der Tabellenführer das Geschehen gegen eine Eintracht-Elf, die alle Mühe aufwendete, sich irgendwie zu behaupten und keineswegs leichte Beute war. Doch man habe halt "gegen eine sehr gute Leverkusener Mannschaft gespielt, die, muss man zugeben, verdient gewonnen hat", wie Kapitän Kevin Trapp feststellte. Ein weiteres Geständnis legte der Torwart in eigener Sache ab. Ehrenwerterweise übernahm er die Verantwortung für das 0:1, das Victor Boniface in der 14. Minute erzielte. "Der geht ganz klar auf meine Kappe", sagte Trapp.

Boniface hatte mit einer Serie von Übersteigern und Körpertäuschungen den Verteidiger Lucas Tuta ausgetanzt und dann einen verdeckten Schuss abgesetzt, der Trapp überraschte. Bis dahin hatten die Leverkusener das Spiel zwar deutlich bestimmt, aber einige Mühe gehabt, es gefahrbringend in den Frankfurter Strafraum zu tragen. Das 1:0 war daher umso wichtiger, es verschaffte Bayer 04 die Ruhe und Gelassenheit, um den Gegner mit der bewährten Systematik sorgfältig zu bearbeiten. Die Leverkusener kombinierten in nicht enden wollenden, immer wieder faszinierenden Pass-Stafetten, reelle Torchancen blieben bis zur Pause jedoch aus. Die Frankfurter Deckungsarbeit sei "richtig ordentlich" gewesen, fand Frankfurts Trainer Dino Toppmöller.

Doch zu seinem Leid gab es noch eine zweite Halbzeit, und die sei "total anders" gewesen, meinte Bayer-Coach Xabi Alonso, "wir haben es viel besser gemacht". Frimpongs 2:0 in der 51. Minute erleichterte das Verfahren, der Rechtsaußen war zur Stelle, nachdem Trapp einen Schuss von Boniface nach vorn hatte abwehren müssen.

Während den Frankfurtern in diesem Moment der Glaube an eine mögliche Wende verloren ging, erwachte bei den Leverkusenern der Spieltrieb. Speziell Florian Wirtz hat zu viel Spaß am Fußball, als dass er es mal locker angehen lässt. Trapp bekam es zu spüren, als ihn sein Nationalteamkollege im Eins-gegen-Eins-Duell mit einem coolen Lupfer einfach ohnmächtig stehen ließ. Frecher als der Kunstschuss zum 3:0 war nur seine Freudenpose - er ahmte den Markenjubel des Kollegen Boniface nach. Ein zweites Tor für den ein weiteres Mal herausragenden Wirtz scheiterte am kleinen Unterschied von ein paar Zentimetern, der Ball landete an der Latte.

Er sei "zufrieden", bilanzierte der anspruchsvolle Bayer-Coach Alonso. Von Meisterschaftsambitionen ließ er wie üblich nichts hören. "Am Mittwoch kommt Bochum", sagte er stattdessen. Die Begegnung mit dem VfL ist die letzte Gelegenheit, um vor der Winterpause doch noch mal zu versagen. Aber die willkürlichen Gesetze des Glücksspiels gelten für diese Bayer-Mannschaft im Moment nicht, sie kennt die Formel, um ihr Glück selbst zu bestimmen.

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