Bayer Leverkusen:Ein 5:0 zum Fünfzigsten

Lesezeit: 2 min

Von den Fans beschenkt: Leverkusens Spieler feiern das 50. Spiel ohne Niederlage mit goldenen Folienballons. (Foto: Ina Fassbender/AFP)

Bayer Leverkusen bleibt gegen Bochum auch im 50. Saisonspiel in allen Wettbewerben unbesiegt. Der Elf von Xabi Alonso könnte ein Rekord gelingen, den nicht mal der FC Bayern geschafft hat.

Von Ulrich Hartmann, Bochum

Eine Kombination aus der Zahl "5" und der Zahl "0" in Form zweier goldfarbener Folienballons kostet im Party-Fachhandel nur wenige Euro und wird zum Aufblasen für die Goldhochzeit oder den runden Geburtstag empfohlen. Über Goldhochzeiten und runde Geburtstage war am Sonntagabend im Bochumer Ruhrstadion allerdings explizit nichts bekannt, weshalb Bayer Leverkusens Trainer Xabi Alonso gegen 21.20 Uhr nach eigener Aussage zunächst kurz dachte: "Warum...?" Doch dann fiel ihm ein, aus welchem Grund ein paar der vielen mitgereisten Fans eine 50 in Form zweier goldfarbener Ballons in die Höhe streckten.

Leverkusen feierte am Sonntagabend im 50. Pflichtspiel der Saison das 50. Spiel ohne Niederlage - mit einem ziffernmäßig bestens passenden 5:0-Sieg. Si claro, hat der Baske Alonso da gewiss gedacht, während die güldenen 50er an langen Stäben von der Tribüne aufs Feld hinuntergereicht wurden, wo die Leverkusener Spieler sie tanzend umhertrugen. "Eine coole Geste", sagte Bayers Mittelfeldmann Robert Andrich später grinsend.

Bayer Leverkusen ist zudem weiter auf dem Weg dorthin, wo der FC Bayern München noch nie war: zu einer Meisterschaft ohne eine Niederlage. Die Bayern werden zwar ihren Punkterekord von 91 Zählern aus der Saison 2012/13 behalten, weil die Werkself auf maximal 90 kommen kann. Aber eine ganze Saison ohne Niederlage ist den Münchnern nie gelungen. "Das bleibt unser Ziel", sagte Alonso in Bochum in seinem sehr spanisch intonierten Deutsch: "ohne Nie'erlahge". Das letzte Bundesliga-Spiel bestreitet seine Elf kommenden Samstag gegen Augsburg, da sollte eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Drei Spiele in drei Wettbewerben stehen noch an - davon zwei Endspiele

Jener Samstag ist aber nur der Auftakt zu den acht vermutlich bedeutendsten Tagen in der Geschichte von Bayer Leverkusen. Auf die mögliche historische Unbesiegt-Meisterschaft folgt am übernächsten Mittwoch in Dublin das Europa-League-Endspiel gegen den Italien-Fünften Atalanta Bergamo. Und am Samstag darauf in Berlin das DFB-Pokal-Finale gegen den soeben vor dem Abstieg geretteten Zweitligisten Kaiserslautern. Wenn Bayer diese drei Spiele auch noch gewinnt, hat der Klub nicht nur ein phänomenales Triple geschafft, dann hätte er auch alle 53 Pflichtspiele dieser Saison ohne Niederlage absolviert. Dann müssten die Fans bei den goldenen Folienballons improvisieren, denn die 53 gibt es nicht als fertiges Set. Die Partyballonbranche ist auf diesen Rekord von Leverkusen nicht vorbereitet.

SZ PlusMeinungBayer Leverkusen
:Xabi Alonso erhebt das Wechseln zur Kunstform

Die Auftritte von Bayer Leverkusen nach dem Gewinn des Meistertitels zeigen: Der Trainer verleiht der Mannschaft mit verschiedenen Aufstellungen noch mehr fußballerische Autorität.

Kommentar von Philipp Selldorf

Bayers Fußballer sind das sehr wohl. Als sie schon vor einem Monat den Meistertitel perfekt gemacht hatten, hätte man sich ja vorstellen können, dass sie es in der Bundesliga nun etwas lockerer angehen lassen - das Gegenteil ist der Fall. Nach zwei Unentschieden in Dortmund und gegen Stuttgart drehten sie zuletzt sogar wieder auf, gewannen in Frankfurt 5:1 und nun in Bochum 5:0. Patrik Schick (41.), Victor Boniface (Foulelfmeter, 45+2.), Amine Adli (76.), Josip Stanisic (86.) und Alejandro Grimaldo (90+3.) erzielten die Tore gegen überforderte und bereits nach 15 Minuten in Unterzahl geratene Bochumer (Notbremsen-Rot für Felix Passlack), die sich damit bis zum Saisonende in Abstiegsnot befinden. VfL-Innenverteidiger Keven Schlotterbeck sagte jedoch: "Scheiß drauf - wir brauchen in Bremen nur noch einen Punkt!"

Druck haben die Bochumer und die Leverkusener dann unabhängig voneinander, was den routinierten Bayer-Mann Andrich, 29, zu dem Appell bewegte, seine Mannschaft möge "nicht überpacen, sondern einfach so weiterspielen wie bisher". Sollte den Leverkusenern dies gelingen, ist das Triple greifbar nahe. Ob er sich nach der extrem fordernden Saison dann erst mal ordentlich ausruhen werde, ist Andrich noch gefragt worden. Aber da hat er nur gelacht. Andrich ist im April zum zweiten Mal Vater geworden.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

SZ PlusTuchel beim FC Bayern
:Eine letzte ironische Wendung

"Es geht nie um mich": Thomas Tuchel wechselt zum Ende seiner Zeit beim FC Bayern in einen anderen Tonfall. Es zeigt sich, dass er ein Mann von klaren Prinzipien geblieben ist - und welche Rolle die Münchner Anhängerschaft spielt.

Von Felix Haselsteiner

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: