Remis zwischen Leverkusen und Bayern:Das Endprodukt sind nicht immer Tore

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Vielleicht illustrierte auch jene kurze Begegnung, die sich kurz zuvor zwei Stockwerke tiefer zugetragen hatte, ganz gut, wie Guardiola diese ungleiche Auseinandersetzung gesehen hatte. Leverkusens Torwart Bernd Leno unterbrach er kurz in dessen Gespräch mit Reportern, um ihn zu beglückwünschen. "Gut gemacht", lobte Guardiola und täschelte ihm anerkennend die Brust. Weitere Leverkusener bedachte der Münchner nicht mit derlei Gesten, nannte den Gegner aber "eine der großen Mannschaften in Europa". Was für Europa keine gute Nachricht wäre.

Das war ja die eine Botschaft des Samstagabends: Der bisherige Tabellenzweite aus München war beim Tabellendritten derart überlegen aufgetreten, dass man sich mindestens um die Konkurrenzfähigkeit der übrigen Bundesligisten sorgen muss. Auch die bisher so überzeugende Werkself war ja regelrecht schwindelig gespielt worden wie in der Champions League drei Tage zuvor Manchester City, beide in ihrem eigenen Stadion.

Als zweite Botschaft ließ sich aber auch werten, dass das verwirrende Kurzpassspiel des FC Bayern nach gut 100 Tagen unter Guardiola zwar schon auf eine beinahe maschinengleiche Präzision zusteuert, dabei aber die Tore noch nicht wie gewünscht als Endprodukt vom Angriffs-Fließband purzeln.

Neu ist dieses Phänomen bei Guardiolas Elf nicht. In manchen Spielen zuvor war es jedoch nicht ins Gewicht gefallen, da es am Ende meist doch genügend Tore waren, um zu gewinnen. Nun blieb immerhin ein Punkt und als Trost die Tabellenführung, weil der bisherige Erste Borussia Dortmund zuvor ebenso unnötig 0:2 bei Borussia Mönchengladbach verloren hatte. Auch deshalb, weil es der BVB zuweilen sogar schafft, den FC Bayern an Verschwendung zu überbieten.

Ziemlich deutlich heben sich die beiden Champions-League-Finalisten der Vorsaison vom Rest der Liga ab. Vermutlich ist das sogar ein Teil der Erklärung für ihre regelmäßigen Fehlschüsse. Zugespitzt lässt sich sagen: Sie sind manchmal zu gut, um Tore zu schießen. Gegen die unterlegenen und deshalb häufig sehr defensiven Gegner sind die Strafräume derart zugestellt, dass die Kombinationen in der Enge nur unter höchstem Zeitdruck abgeschlossen werden können, Ungenauigkeiten inklusive.

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