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SZ-Serie "Die besten Sportfilme", Platz 12:Feminismus geht auch gut frisiert

BATTLE OF THE SEXES - Serie Sportfilme - 20th Century Fox Cloud Eight Films Decibel Films Fox Searchlight Pictures

Emma Stone als Billie Jean King: Einsatz für Gleichberechtigung auf dem Tennisplatz

(Foto: 20th Century Fox/Searchlight Pictures/imago stock&people)

In "Battle of the Sexes" lehnt sich die Tennisspielerin Billie Jean King gegen das männliche Establishment auf. Sie wird zur Ikone der Frauenbewegung - ihre Botschaft ist noch immer aktuell.

Von Saskia Aleythe

Sportfilme haben es von Natur aus schwer: Der geneigte Sportfan erkennt sofort, dass selbst begnadete Schauspieler nicht zwingend Topathleten sind und Topathleten noch seltener begnadete Darsteller. Doch in den vergangenen Jahren ist die Auswahl gelungener Filme immer größer geworden: Die SZ-Sportredaktion stellt 22 von ihnen vor und kürt damit die - höchst subjektiven - 22 besten. Diesmal Platz 12 - "Battle of the Sexes - Gegen jede Regel".

Manchmal hilft selbst Eiscreme nicht mehr. Mehrere Millionen Menschen sehen vor den TV-Geräten zu, als die Nummer eins im Frauentennis gegen einen 55-Jährigen verliert, Margaret Court wird vorgeführt von Bobby Riggs. Es ist 1973, und der Kommentator verkündet einen "doch recht leichten Triumph über Mutterschaft und Frauenbewegung". Dieser erste von drei "Battle of the Sexes", den es in der Tennis-Geschichte tatsächlich gegeben hat, geht als "Muttertagsmassaker" in die Geschichte ein, und so ähnlich wie im gleichnamigen Film wird Billie Jean King das damals empfunden haben: Schlimmer hätte es gar nicht kommen können mit dem Geschlechterduell. King, gespielt von Emma Stone, läuft aufgebracht davon, ihre Freundin bleibt mit der Eiscreme allein.

Es ist also ernst, und das Motiv Eiscreme darf dafür gerne herhalten: Wenn wie in der Hollywood-Produktion von Valerie Faris und Jonathan Dayton das Eintreten für Gerechtigkeit in erster Linie als Selbstverständlichkeit statt als verbitterter Kampf daherkommt, sind auch süße Mittel recht. "Du bist doch eine Feministin, oder?", wird King von Bobby Riggs (Steve Carell) gefragt, als er sie erstmals - und zunächst vergeblich - zum Duell herausfordert. Worauf sie erwidert: "Nein, ich spiele Tennis und bin rein zufällig eine Frau."

Männer bekommen im Tennis noch heute oft höhere Preisgelder als Frauen, gestört hat sich King daran schon 1973 - und erkannt, dass sie als frisch gekürte Siegerin der US Open ihre Popularität nicht nur für Werbeverträge nutzen kann. "Ich werde die Beste werden, dann kann ich etwas verändern. Dann habe ich eine Stimme", sagt sie über ihre Motivation, es überhaupt an die Spitze der Tenniswelt geschafft zu haben; und es ist nicht die einzige Szene, die die Geschichte immer wieder in die Gegenwart hebt: Wie selten ist es doch geworden, dass sich Sportstars für gesellschaftliche Themen stark machen.

Angetrieben von den eklatanten Gehaltsunterschieden sorgt King für die Gründung der heutigen Tennis-Organisation WTA, in der seitdem die Frauen vertreten sind. An dieser Stelle steigt der Film in die Biographie von King ein: Wie sie zusammen mit anderen Spielerinnen ihre eigene Tennis-Tour startet und parallel entdeckt, dass sie sich nicht nur für ihren Ehemann, sondern auch für eine andere Frau interessiert, mit der sie später im echten Leben auch zusammenziehen wird. King wird so zur Ikone für die Frauenbewegung im Sport und für gleichgeschlechtliche Liebe.

Den Spannungsbogen bildet der sich anbahnende zweite "Battle of the Sexes", der bis heute am populärsten ist: Der wettsüchtige Bobby Riggs, 1939 Wimbledon- und US-Open-Sieger, bekommt nun doch sein Duell gegen King. Gepiesackt von der Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben fühlt er sich von der neuen Aufsässigkeit der Frauen im Tennis provoziert, was recht erfolgreich und unterhaltsam von Steve Carell ins Lächerliche gezogen wird. "Ich sage nicht, dass Frauen nicht auf den Tennisplatz gehören. Wer soll sonst die ganzen Bälle aufheben?", gibt er in einem Interview zum Besten. Während sich King ernsthaft auf das Match vorbereitet, sieht man Riggs mit Bratpfanne statt Tennisschläger auf dem Trainingsplatz auftauchen, mal in Taucherflossen und inmitten einer Schafsherde; zwischendurch serviert ihm ein Model im Bikini einen Cocktail.

Wie schon in "Little Miss Sunshine" (2006) verleihen Faris und Dayton ihren Figuren trotz ihrer Fehlerhaftigkeit immer auch etwas Liebeswürdiges; die Guten sind nicht zu perfekt und die Bösen nicht zu durchtrieben. Viel Tennis gespielt wird im Film nicht, und die biographischen Details Kings werden bisweilen nur zart gestreift - im Film ist ihre Freundin Marilyn Friseurin, im wahren Leben war sie selbst Tennisspielerin -, dennoch ist der Hollywood-Zuckerguss verzeihbar: Feminismus, der geht hier auch gut frisiert und mit persönlichem Kleidchenschneider, der die Frauen auf ihrer Mission begleitet. Es ist eben die 2013er-Version vom Kampf um Gleichstellung, als die Me-Too-Bewegung gerade wieder viel Aufarbeitung der Verhältnisse in Gang gesetzt hatte.

Es braucht nicht viel Fantasie, um zu verstehen, dass die echte Billie Jean King in ihrer Auflehnung gegen Ungerechtigkeiten öfter mal ihr Lächeln verloren hat als Emma Stone im Film. Die Botschaft unterminiert das aber nicht. "Es ist 1973, also an der Zeit, dass sich mal ein paar Dinge verändern!", sagt King in einem Radio-Interview. Das klingt fast komisch, 2020. Und dann auch wieder tragisch.

"Battle of the Sexes - Gegen jede Regel", 2013, Regie Valerie Faris und Jonathan Dayton

Bereits erschienene Rezensionen:

Platz 22: "Free Solo"

Platz 21: "Rush"

Platz 20: "Die nackte Kanone"

Platz 19: "Slap Shot"

Platz 18: "Foxcatcher"

Platz 17: "The Wrestler"

Platz 16: "Nowitzki. Der perfekte Wurf"

Platz 15: "Le Grand Bleu"

Platz 14: "White Men Can't Jump"

Platz 13: "I, Tonya"

© SZ.de/tbr
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