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Bastian Schweinsteiger:Der Kapitän ist wieder da

Germany v Italy - Quarter Final: UEFA Euro 2016

Bastian Schweinsteiger und Elfmeterschießen, es wird wohl keine Freundschaft mehr. Der Kapitän vergab seinen Matchball.

(Foto: Getty Images)

Bastian Schweinsteiger wird ohne Spielpraxis ins EM-Viertelfinale gegen Italien geworfen - und zeigt, wie sehr er dem DFB-Team helfen kann. Auch wenn er am Ende getröstet werden muss.

Von Johannes Kirchmeier

Ganz Europa blickt auf ihn in diesem Augenblick, ganz Europa fixiert Bastian Schweinsteiger. Vor diesem einen Schuss. Es könnte ja der letzte sein an einem langen Viertelfinalabend zwischen der deutschen Nationalmannschaft und Italien. Es könnte der Schuss sein, der Deutschland ins Halbfinale trägt. Das passte zu seinem Auftritt zuvor. Schweinsteiger sorgte ja für eine gute Nachricht: 105 Minuten stand er auf dem Feld, er hielt durch, der Anführer ist zurück.

Als er schon nach 15 Viertelfinalminuten den Rasen betrat, machten sich seine Gefolgsleute auf, ihn zu begrüßen. Manuel Neuer übergab die Kapitänsbinde dem Boten Benedikt Höwedes, der überbrachte sie Schweinsteiger.

Der 31-Jährige zog in diesem Moment in der Statistik mit Miroslav Klose gleich, zum 37. Mal kam er bei einem großen Turnier zum Einsatz. Bis zum Viertelfinale hatte Schweinsteiger ja nicht einmal eine Halbzeit in Summe gespielt bei dieser EM . Nun aber kam er für den verletzten Sami Khedira, ohne sich richtig aufgewärmt zu haben. "Er ist im Spiel dann warmgelaufen", sagte ARD-Experte Mehmet Scholl.

Beziehungsweise bei der gesamten EM: Schweinsteiger hatte wegen zweier Innenbandverletzungen in 2016 nur 245 Minuten gespielt bei seinem Verein Manchester United. Wenn man so will, dann kann er als einziger Nationalspieler Europas behaupten, dass er mit "nur so etwas wie Spielpraxis" anreisen durfte. Joachim Löw brauchte den Anführer, der schon zu den vergangenen Turnieren verletzt mitkam und im Teamhotel jedes Mal wieder wundersam genesen war - auch dieses Mal im Hotel L'Ermitage in Évian-les-Bains.

Und wie sehr er wieder da ist, das zeigte er gegen Italien: Schweinsteiger wieselte und flankte wie in jungen Jahren als Rechtsaußen beim FC Bayern - und: Schweinsteiger quer- und rückpasste wie in den späteren Jahren als defensiver Mittelfeldspieler, ganz gerne zu Nebenmann Kroos und Hintermann Hummels, in einem immer unruhigeren Spiel in der zweiten Halbzeit brachte der Kapitän Ruhe - als erstaunlich vielseitiger Mittelfeldspieler.

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