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Sport und Covid-19:Basketballer stirbt an Herzinfarkt nach Corona-Infektion

Michael Ojo (Belgrad), nach einem Foul keiner Schuld bewuss ALBA Berlin - Roter Stern Belgrad Basketball, Euroleague, Gr

Michael Ojo im Trikot von Roter Stern Belgrad.

(Foto: Bernd König/imago)

Der Basketballer Michael Ojo kollabierte vergangenen Freitag in Belgrad bei einem Individualtraining, wenig später war er tot. Nun wird bekannt, dass er vor ein paar Wochen positiv auf das Coronavirus getestet wurde.

Von Joachim Mölter

Der Name Michael Ojo war bislang allenfalls sehr eingefleischten Basketball-Anhängern bekannt, hierzulande am ehesten noch denen des deutschen Meisters Alba Berlin. Dessen Center Johannes Thiemann hat ja eine schmerzhafte Bekanntschaft mit dem Ellenbogen des 2,16 Meter großen und 140 Kilo schweren Ojo gemacht, als die beiden in der vorigen Euroleague-Saison mit ihren Teams aufeinandertrafen. Und nachdem Ojos Vertrag bei Roter Stern Belgrad im Frühsommer ausgelaufen war, haben die Serben für dessen Planstelle vor einigen Wochen ausgerechnet Berlins Center Nummer eins abgeworben, den Kameruner Landry Nnoko.

Nun könnte der Name Michael Ojo freilich auch einem größeren Publikum geläufig werden: als erster Profisportler, der wohl unmittelbar an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben ist.

Zumindest liegt dieser Zusammenhang nahe, nachdem Ojo am vergangenen Freitag während eines Individualtrainings in Belgrad kollabiert und ersten Angaben zufolge an einem Herzinfarkt verstorben ist. Wie nun Roter-Stern-Präsident Nebojsa Covic in einem Interview mit dem serbischen Fernsehsender Sportklub berichtete, sei Ojo zuvor positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Botschaft von Ojos Heimatland Nigeria habe auf eine gründliche Autopsie gedrängt, die Ergebnisse stehen noch aus. Der amerikanische Sportsender ESPN meldete derweil unter Berufung auf Quellen in der Florida State University von Tallahassee, dass Ojo während seiner Studien- und Spielzeit dort mehrere körperliche Tests durchlaufen und dabei nie irgendwelche Anzeichen von Herzproblemen gezeigt habe.

Nach Angaben von Klubchef Covic, welche die Internet-Plattform Eurohoops verbreitete, habe sich der 27 Jahre alte Ojo nach seinem Vertragsende privat in Belgrad fitgehalten. Wie Roter Stern übers Wochenende rekonstruierte, sei Ojo Ende Juni, Anfang Juli positiv auf das Coronavirus getestet worden, als er unter Brustschmerzen, Husten und Fieber litt. Am 6. Juli sei eine Entzündung im rechtem Lungenflügel diagnostiziert worden, eine Woche später eine beginnende Entzündung im linken. Die Privatklinik, in der sich Ojo behandeln ließ, habe ihm zweimal geraten, eine Spezialklinik aufzusuchen, was der Basketballer jedoch abgelehnt habe.

Bei einer weiteren Untersuchung am 5. August seien dann Antikörper festgestellt worden, die darauf hindeuteten, dass Ojo sich von seiner Covid-19-Erkrankung erhole. Die Ärzte hätten ihm deshalb erlaubt, mit leichten körperlichen Aktivitäten zu beginnen. Ojo habe daraufhin erklärt, dass er schon dreimal trainiert habe und jedes Mal schnell erschöpft gewesen sei. Beim nächsten Training, zwei Tage später, starb er. Im Interview mit Sportklub wies Nebojsa Covic noch daraufhin, dass Ärzte für mindestens drei Wochen nach einer Lungenentzündung von intensiven körperlichen Anstrengungen abraten.

© SZ vom 13.08.2020/schm
Rollator, Corona, Seite Drei

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