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Basketball:Zwei Schritte vor

03.10.2019, xeszx, Basketball Damen 1.Bundesliga, DBBL, Gisa Lions SV Halle - TSV 1880 Wasserburg emspor, v.l. Laura Sc; Basketball - Frauen - Wasserburg

Kleiner, talentierter Kader: Wasserburgs Basketballerinnen um Svenja Brunckhorst (Mitte) sind in dieser Saison an Spieltagen oft nur zu siebt oder acht gewesen.

(Foto: Jan Huebner / imago)

Die Basketballerinnen aus Wasserburg und Nördlingen haben mit ähnlichen Konzepten Titelambitionen entwickelt.

Nicht einmal vier Monate ist es her, da wurde in Wasserburg noch tiefgestapelt. Von einem "Konsolidierungsjahr" war in der Frauen-Basketballabteilung des TSV 1880 zum Saisonstart der DBBL im September die Rede und davon, dass man manchmal einen Schritt zurück machen müsse, um dann zwei nach vorne zu gehen. Nun lässt sich im Januar bereits sagen: Die einstigen Serienmeister aus Wasserburg mögen zwar nur noch ein Drittel ihres Etats übrighaben, einen Schritt zurück haben sie jedoch nicht gemacht. Als Tabellenzweiter stehen die Oberbayern sogar besser da als erwartet und sind die ersten Verfolger des starken Teams aus Keltern, das die Liga derzeit souverän anführt.

Selbst Sidney Parsons ist von der Art und Weise, wie sich ihre Mannschaft in den vergangenen Monaten entwickelt hat, ein wenig überrascht. "Wir können schon jetzt stolz sein auf die Entwicklung, die wir gemacht haben", sagt die Trainerin der Wasserburger. Seit 2018 betreut die US-Amerikanerin, die selbst den Großteil ihrer aktiven Karriere in Deutschland verbracht hat, den TSV - eine nicht immer leichte Aufgabe. Im vergangenen Sommer, als der Hauptsponsor absprang und erst nach schwieriger Suche Ersatz gefunden wurde, musste Parsons in der Kaderplanung entscheiden, welche Richtung der Verein einschlagen soll: "Wir hätten auf Nummer Sicher gehen und gestandene Spielerinnen für einen breiten Kader holen können, mit dem wir bestimmt ins Mittelfeld gekommen wären", sagt Parsons. Doch sie entschied sich für die risikoreichere Variante mit einem kleinen, dafür sehr talentierten Kader in die Saison zu gehen. Das Risiko hat sich gelohnt, auch wenn es nicht immer danach aussah.

"Im Herbst zum Saisonanfang hatten wir eine Phase, wo ich froh sein konnte, wenn ich zehn Spielerinnen beim Training hatte", sagt Parsons. Verletzungen und persönliche Angelegenheiten hätten den Trainingsbetrieb zwar erschwert, die Mannschaft sei in dieser Zeit allerdings auf bemerkenswerte Art und Weise zusammengewachsen, meint Parsons: "Dadurch, dass wir viele Spiele mit nur sieben oder acht Spielerinnen im Kader bestritten haben, hatte jeder eine wichtige Rolle." Die Trainerin fordert dieses Engagement ihrer Spielerinnen für den Verein jedoch auch ein. Jede Spielerin aus der ersten Mannschaft trainiert daneben noch ein Jugendteam, so soll der Fokus in Wasserburg auf dem größten Trumpf bleiben: Der Nachwuchsarbeit. "Wir bleiben unserem Zweijahresplan treu", sagt Parsons. Der sieht vor, lieber gezielt Talente zu fördern, als Meisterschaftsambitionen zu erzwingen.

Nicht nur in dieser Hinsicht hört sich das Konzept der Wasserburger ähnlich an wie das der zweiten bayerischen Vertretung in der höchsten Spielklasse des Frauen-Basketballs in Deutschland. Bei den XCYDE Angels aus Nördlingen hat man vor der Saison nicht nur den Kader so zusammengestellt, dass die jungen Spielerinnen zum Zug kommen, man hat in Ajtony Imreh sogar den passenden Trainer verpflichtet. "Wir wussten, dass Toni vor allem in der Talententwicklung seine Stärken hat", sagt Kurt Wittmann, der Manager der Nördlinger, über seinen Coach. Als Tabellendritter trennt die Angels nur ein Sieg vom TSV 1880, was Wittmann zufrieden davon sprechen lässt, eigentlich schon jetzt alle Saisonziele erreicht zu haben: "Wir werden nicht absteigen, kommen in die Playoffs und sind im Final Four des Pokals - das hatten wir uns vorgenommen", sagt der Manager.

Ein großer Teil des Erfolges sei auf Imreh zurückzuführen, der im Sommer die Nachfolge von Patrick Bär antrat, dem Trainer also, der die Nördlinger mehr als ein Jahrzehnt lang erfolgreich betreut hatte. "Wir sind Pat zu großem Dank verpflichtet, aber natürlich bringt ein neuer Trainer viel frischen Wind rein. Das hat uns gutgetan", sagt Wittmann. Imreh schafft es vor allem, das größte Talent der Nördlinger richtig einzusetzen: Luisa Geiselsöder bestimmt auf der Center-Position das Spiel der Angels, mit 227 Punkten ist sie klar Topscorerin - rechnet man die Einsatzminuten ein, trifft keine Spielerin in der 1. DBBL zuverlässiger als die 19-Jährige Nationalspielerin in ihrer ersten Saison als Profi. Wittmann ist bewusst, dass Geiselsöder und andere Spielerinnen sich in den Fokus vieler Teams spielen. "Nach einer guten Saison ist mein Job dann immer etwas schwieriger", sagt er lachend. Die Spielerinnen wüssten jedoch, was sie in Nördlingen bekommen: Zeit zur Entwicklung und eine ruhige, familiäre Atmosphäre, "das wird geschätzt, auch wenn wir vielleicht in puncto Gehalt nicht mithalten können".

Neun reguläre Spieltage bleiben den zwei bayerischen Mannschaften noch, um den großen Favoriten aus Keltern Druck zu machen, dann geht es in die Playoffs. Ambitionen auf die Meisterschaft haben mittlerweile beide Teams entwickelt, auch wenn klar ist, dass kein Weg an den Baden-Württembergerinnen vorbeiführen wird. "Wir können Keltern schlagen, das Auswärtsspiel haben wir mit etwas Pech in der Schlussminute verloren", sagt Sidney Parsons kämpferisch. Auch Kurt Wittmann glaubt, dass die Angels an einem guten Tag eine Chance haben und gibt in gewisser Weise das Motto beider Teams vor: "Wenn wir schon da oben dabei sind, wollen wir auch was gewinnen".

© SZ vom 16.01.2020
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