Mitten im Gespräch formuliert Kresimir Loncar auf einmal einen Satz, bei dem man plötzlich aufhorcht. Es sind acht Worte, die sich vor wenigen Jahren noch ziemlich verwegen angehört hätten. Aber jetzt, im Frühjahr 2025, kommen sie Loncar fast so beiläufig über die Lippen, als wären sie kaum eine Erwähnung wert. Mit der Überzeugung und mit der Selbstverständlichkeit, mit der er früher als Center die Gegenspieler unter dem Korb aus dem Weg geräumt hat, sagt er jetzt als Sportdirektor der Würzburg Baskets: „Die Klubs in Europa wissen, wer wir sind.“
Durch das 97:88 nach Verlängerung am Donnerstag in Braunschweig stehen die Würzburger nicht nur im Halbfinale der Playoffs – sie spielen in der nächsten Saison auch ein weiteres Mal in der Champions League. Ein großer Triumph, ein Meilenstein, mit dem die Baskets nun endgültig dem Mittelmaß der Bundesliga entwachsen sind.
„Wir sind keine Überraschungsmannschaft mehr“, sagt Loncar, „mittlerweile wissen alle, wie wir arbeiten.“ Seit Sasa Filipovski vor dreieinhalb Jahren als neuer Headcoach zum ersten Mal das Trainingszentrum im Stadtteil Zellerau betreten hat, geht es für den Klub steil bergauf. Inzwischen hat sich auch über Deutschland hinaus herumgesprochen, welch gute Arbeit in Würzburg geleistet wird.
Nach den Playoffs will sich der 19-jährige Steinbach an einem College in Washington für die NBA empfehlen – er wäre der dritte Würzburger nach Nowitzki und Kleber
„Zweimal hintereinander im Halbfinale, das ist schon Wahnsinn“, jubelt Loncar, „das hatten wir nicht geplant. Alles, was wir jetzt noch schaffen, ist ein Plus.“ Schon der Triumph über Braunschweig war nicht zu erwarten gewesen. In den vorangegangenen acht Duellen mit den Löwen hatte sich stets der Gastgeber durchgesetzt, aber dieses Mal entschieden die Würzburger den Krimi für sich. Kurz vor dem Ende lagen sie noch mit drei Punkten zurück, doch 2,4 Sekunden vor der Schlusssirene stellte Hannes Steinbach auf 77:77, ehe sich die Baskets in der Overtime absetzten und am Ende tatsächlich noch das Halbfinale erreichten. Dort treffen sie nun auf Ulm, den deutschen Meister von 2023, den sie vor einem Jahr bereits im Viertelfinale aus den Playoffs warfen. Diesen Coup müssen sie jetzt allerdings nicht wiederholen, um eine grandiose Saison gespielt zu haben. „Die Mannschaft hat Herz und Seele, das ist für mich das Wichtigste“, sagt Loncar, „ich bin jetzt schon sehr stolz auf diese Saison.“
Dass es am Donnerstag der Center Steinbach war, der Würzburg im letzten Moment in die Verlängerung rettete, war alles andere als Zufall. In den vergangenen Wochen hat das Würzburger Eigengewächs noch einmal einen großen Schritt nach vorn gemacht und noch mehr Verantwortung übernommen. „Die anderen haben verstanden“, sagt Loncar, „dass er riesige Hände hat und alle Bälle fängt.“ Deshalb war Steinbach schon vor dem Duell mit Braunschweig immer besser ins Würzburger Spiel eingebunden und kam mehr und mehr zur Geltung.
Nach den Playoffs wird es den 19-Jährigen allerdings an ein College in Washington ziehen, um sich dort für die NBA zu empfehlen. Sollte er tatsächlich in der besten Liga der Welt ankommen, wäre er bereits der dritte Würzburger nach Dirk Nowitzki und Maximilian Kleber, dem das gelingt. „Wenn er noch ein Jahr bei uns bleiben würde, könnte er es auch direkt in die NBA schaffen“, glaubt Loncar – schließlich trumpfte Steinbach am Donnerstag in Braunschweig auch unter allerhöchstem Druck auf.

In einem solchen fünften Spiel sei „das Händchen immer heiß“, sagt Loncar und spricht dabei aus eigener Erfahrung. In Italien, Russland, Deutschland und der Ukraine hat er Pokale und Meisterschaften gewonnen, jetzt will er Würzburg Schritt für Schritt nach oben führen. Dass die Baskets schon ein erstes Etappenziel erreicht und das Mittelfeld der Bundesliga hinter sich gelassen haben, merkt auch Loncar in seiner täglichen Arbeit. Wenn er mit anderen Klubs um Spieler für die nächste Saison buhlt und dabei in etwa dasselbe tun muss, was er früher mit seinen Gegenspielern unter dem Korb getan hat, ist vieles leichter als noch vor Filipovskis Ankunft.
Inzwischen ist Würzburg ein Schaufenster für ambitionierte Spieler geworden. Das hilft, wenn Loncar den Kader für die nächste Saison formiert. „Wir müssen ein komplett neues Team aufstellen. Wir verlieren 90 Prozent unserer Spieler“, sagt der Sportdirektor. Noch aber geht es nicht um die nächste Saison – zumindest nicht nur. Das nächste Spieljahr wird im Hintergrund zwar längst vorbereitet, die Saison 2024/25 ist aber noch nicht beendet für Würzburg. Und das hat eine Menge mit Hannes Steinbach zu tun, dem Mann, der am Donnerstag trotz eines heißen Händchens einen kühlen Kopf bewahrte.

