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Basketball-WM:Die Hoffnung auf Olympia lebt

Basketball - FIBA World Cup - Classification Round 17-32 - Group P - Germany v Canada

Untergehakt: Robin Benzing gegen Andrew Nembhard.

(Foto: Aly Song/Reuters)

Das deutsche Team verabschiedet sich mit einem Sieg aus China. Aber der Schmerz des frühen Aus lässt noch nicht nach.

Paul Zipser wird sich wohl ungern an diese Basketball-WM in China erinnern, von den unglücklichen deutschen Nationalspielern war er ja der unglücklichste. Dem 25-Jährigen klebte das Pech förmlich an den Fingern. Er hatte in aussichtsreichen Positionen den Ball neben den Korb gelegt, in entscheidenden Momenten das Spielgerät ungewollt ins Aus bugsiert (und damit in die Hände des Gegners), und selbst dann Foulpfiffe kassiert, wenn er einfach nur dastand.

Beim letzten WM-Auftritt der deutschen Mannschaft an diesem Montag katapultierte er sich gleich ganz vom Parkett: Zwei zaghafte Abwehrversuche kurz nacheinander, bei denen er seine Hand nicht schnell genug zurückzog, wurden ihm jeweils als unsportliches Foul ausgelegt. Und weil nach zwei unsportlichen Fouls Schluss ist im Basketball, musste der Flügelspieler des FC Bayern München das Oriental Sports Center von Shanghai schon zu Beginn der zweiten Halbzeit verlassen.

Paul Zipser blieb somit ein abschließendes Erfolgserlebnis verwehrt, im Gegensatz zu seinen Teamkollegen. Angeführt von den NBA-Profis Dennis Schröder (Oklahoma City/21 Punkte) und Maxi Kleber (Dallas/20) gewannen die das letzte Spiel der Platzierungsrunde gegen Kanada 82:76 (36:33). Das bedeutete letztlich Rang 18 und damit das bislang schlechteste WM-Abschneiden deutscher Basketballer. Aber es reichte für einen Platz in einem der vier Olympia-Qualifikationsturniere, bei denen man sich im nächsten Sommer noch die Teilnahme in Tokio erkämpfen kann.

"Wir sind natürlich nicht da, wo wir sein wollen", bilanzierte Bundestrainer Henrik Rödl, dessen zweifellos hochtalentierte Auswahl die hohen Erwartungen frühzeitig enttäuscht hatte durch ihr Vorrunden-Aus. Immerhin fand Rödl: "Es ist ein gutes Ende in einer schwierigen Situation für die Jungs." So sah das auch Zipsers Klubkollege Danilo Barthel: "Wir haben schon vor zwei, drei Jahren das Ziel Tokio 2020 formuliert. Das hat eine große Bedeutung, dass wir die Chance am Leben halten."

Wo die vier Qualifikationsturniere ausgetragen werden, ist offen; der Deutsche Basketball Bund (DBB) hat angekündigt, sich nicht als Gastgeber zu bewerben. Der DBB richtet ja schon die Europameisterschaft 2021 aus, da soll der Kader auf seinem Zenit sein und um die Medaillen mitspielen. Das vorolympische Qualifikationsturnier soll dabei zur weiteren Entwicklung dienen mit den Duellen gegen fünf starke Gegner. "Ich denke, dass wir alle da spielen werden", sagte Daniel Theis, der NBA-Profi von den Boston Celtics, nach dem letzten WM-Spiel: "Wir haben noch etwas gutzumachen."

Der Schmerz nach dem vorzeitigen Vorrunden-Aus, das vor allem der enttäuschenden Vorrunden-Niederlage gegen die Dominikanische Republik (68:70) geschuldet war, sitzt tief und lässt auch nicht nach. Er nimmt vielleicht eher noch zu, jetzt, da die DBB-Auswahl sieht, wer es ins Viertelfinale geschafft hat - nämlich auch zwei Mannschaften, die sie während der WM-Vorbereitung beim Heimturnier im Hamburg Mitte August teils locker besiegt hat: Polen (92:84) und Tschechien (87:68).

Während die Polen günstige Vor- und Zwischenrundengruppen zum Vorrücken unter die besten Acht nutzten, verdienten sich die Tschechen ihre Beförderung mit engagiertem Teamwork. Damit bezwangen sie erst die höher gehandelten Türken und dann die noch höher eingestuften Brasilianer so deutlich (91:76 bzw. 93:71), dass sie am Ende eine 77:84-Niederlage gegen die als Medaillenkandidaten eingeschätzten Griechen verschmerzen konnten.

Bei den Tschechen ragte dabei der NBA-Profi Tomas Satoransky von den Chicago Bulls heraus, der genau das ist, was sein deutscher Kollege Dennis Schröder gern sein möchte: der Anführer der Mannschaft. Der viel kritisierte Schröder legte zwar gegen Kanada erneut erstklassige Zahlen hin - 21 Punkte, zehn Rebounds, neun Assists; er wird in die Statistiken diese WM auch eingehen als bester Vorbereiter, mit 9,4 Vorlagen pro Partie. Aber er hatte das Angriffsspiel der deutschen Mannschaft zu Beginn des Turniers nicht so in Schwung gebracht, wie es nötig gewesen wäre. Und vor allem hat er es nicht verstanden, seinen Nebenleuten so viel Sicherheit und Selbstbewusstsein zu vermitteln wie Tomas Satoransky.