Seit fünf Tagen läuft diese Basketball-WM nun, fast täglich spielen die Spielerinnen eine Partie, da ziept’s in den Muskeln. Wie anstrengend das ist? Ein Lieblingsthema des Bundestrainers. „Ermüdung wird hier natürlich eine Rolle spielen“, hatte Olaf Lange vor dem deutschen Zwischenrunden-Duell mit Südkorea am Vormittag erzählt. Da hatten er und die Auswahl des Deutschen Basketballbundes (DBB) eine kurze Trainingseinheit in der Berliner Arena bestritten. Nichts allzu Strapaziöses, es ging, soweit es zu beobachten war, insbesondere um taktische Feinheiten.
Für das Projekt Medaillengewinn, so der erklärte Plan, braucht es eine Mischung aus strategischem, physischem und emotionalem Gleichgewicht. Gar nicht so einfach, das alles zu managen, aber auf dem Weg ins Viertelfinale wollte ja keiner zimperlich sein. So mobilisierte das deutsche Team beim 94:56 gegen die Südkoreanerinnen noch mal seine Kräfte und zog entspannt in die Runde der letzten Acht ein. Ein mehr als ordentlicher Zwischenschritt, den es nun zu veredeln gilt: am Donnerstag (17.45 Uhr, live auf Magentasport) gegen die Europameisterinnen aus Belgien – wo eine fast schon maximale Herausforderung wartet.
Der sogenannte Turnierbaum hatte sich für die DBB-Frauen bislang als ausgesprochen gewogenes Gewächs erwiesen, die absolute Elite war ihnen erspart geblieben. Mit den überzeugenden Siegen gegen Japan und Mali hatten sie den Reinfall zum WM-Start gegen Spanien hinter sich gelassen (Lange: „Spanien hat uns kalt erwischt“). So war man als Gruppenzweiter in diese Zwischenrunde eingezogen, um dort mit Südkorea nur einem Gruppendritten zu begegnen – einem Gegner zudem, den man im Frühjahr bereits in der WM-Qualifikation deutlich bezwungen hatte.
Körperliche Vorteile hatten sich die Deutschen versprochen gegen die kleiner gewachsenen, aber umso wuseligeren Asiatinnen. Eine Hoffnung, die sich mit einer frühen Führung bestätigen sollte, wenn auch einer knappen. Mit der Einwechslung von Frieda Bühner (letztlich 17 Punkte) lag Deutschland plötzlich nicht nur längenmäßig vorn, sondern auch nach Punkten. Südkoreas Präzision von weit draußen war zu verkraften, weil das DBB-Team erneut seriös seine Spielzüge einfädelte. Lange hatte offenbar angeordnet, das Spiel breit zu machen und mit Pässen Lücken zu erschließen. Das klappte, es hieß 23:14 nach zehn Minuten.
Ermattung ist in Nuancen zu erahnen, aber es reicht für eine sichtbare Überlegenheit
Ermattung war zwar in Nuancen zu erahnen, so voller Muskelstrotzen wie gegen Mali trat Deutschland nicht auf, aber es reichte für eine sichtbare Überlegenheit. Weil die deutschen Würfe bei Weitem nicht alle fielen, blieb es eng. Da halfen kurzfristig ein Monsterblock von Leonie Fiebich und die Präsenz von Kapitänin Marie Gülich. Der Abstand wuchs auf 13 Punkte, die Sache sah kontrolliert aus. Und bei Gülich (am Ende beste Deutsche mit 19 Zählern) konnte man sich schon wundern: Von ihrem Kreuzbandriss vor 14 Monaten war kaum mehr etwas zu sehen – ihrem Gespür am Brett hatten die viel zu kleinen Südkoreanerinnen wenig entgegenzusetzen. Und eine Leiter, um Gülichs 1,95 Meter zu erreichen, ist im Basketball nicht erlaubt. Die erste Hälfte gehörte Deutschland, in Zahlen: 46:29. Bei den Rebounds stand es gar 26:10, so viel zu den Größenvorteilen.
Bemerkenswert ist mittlerweile auch die Tiefe des deutschen Kaders. Wer immer aufs Feld kommt, das Niveau lässt – zumindest gegen Kontrahenten wie Südkorea – kaum nach. Diesmal fügten sich Britta Daub und Lisa Sontag gut ein, so erfüllte sich auch der Wunsch des Bundestrainers, die Minutenlast mehr zu verteilen. Aus dem Größenunterschied war längst ein Klassenunterschied geworden, und es konnte konstatiert werden: Ja, dieses deutsche Team spielt Basketball auf einem ansprechenden, reifen Level. Wer hätte das vor zehn Tagen gedacht, als noch so vieles im Unklaren war, zum Beispiel die Frage, wer überhaupt fit werden würde. Bei zwischenzeitlich 30 Punkten Vorsprung schickte Lange dann fast alle Ersatzleute aufs Parkett – 68:40 nach drei Vierteln, da darf man sowas.
Womit abschließend noch zu klären wäre, wo noch Steigerungspotenzial liegt. Gewiss bei den Dreipunktewürfen, denn die klappten auch gegen Südkorea nicht allzu gut. Oder bei manch unpräzisem Durchsteckerpass in die Zone. Aber das ist alles Kritik auf hohem Niveau: Hatten die vielen Ballverluste vor dem Turnier noch eine große Schwäche markiert, scheint sich dieses Problem vorerst erledigt zu haben. Und die Erschöpfung nach diesem dann doch völlig ungefährdeten Erfolg? Sie wird sicher spürbar sein nach vier Partien binnen fünf Tagen – aber nun ist ja Zeit zum Regenerieren bis Donnerstag.


