Am frühen Freitagabend wurde es feierlich in der Berliner Arena am Ostbahnhof. Kein Wunder, es stand Großes an, eine Weltmeisterschaft im Basketball begann für die deutschen Frauen und so standen sie da, die deutschen Spielerinnen, nacheinander aufgereiht, und bewiesen Textsicherheit bei der Nationalhymne. Etwas Aufregung huschte noch über manches Gesicht, dann knipste die Hallenregie das Licht an und der Ball flog durch die Luft. Und er flog in diesem Auftaktspiel der deutschen Frauen gegen Spanien gleich reihenweise dorthin, wo er nicht hin soll: in den deutschen Korb. 10:24 stand es rasch aus Sicht des Teams von Bundestrainer Olaf Lange, ein Auftakt zum Vergessen war das in diese Heim-WM, die solche Erwartungen geweckt hatte.
Vor allem sollte sie der Nation endlich das Können dieser groß gewachsenen Sportlerinnen vor Augen führen. Zu klären waren prägende Fragen wie diese: Klappt es zum Turnierstart besser als in der Vorbereitung, als man ohne die besten Akteurinnen alle drei Testspiele verloren hatte? Sind überhaupt alle fit genug nach diversen Verletzungen bis knapp vor dem Turnier? Und wie fühlt sich das nun an, Frauenbasketball-WM in Berlin?
Nun, am Freitag fühlte es sich ernüchternd an, denn dieses erste Gruppenspiel geriet für die Auswahl des Deutschen Basketballbundes (DBB) zu einer Herausforderung, der man nicht gewachsen war. Von einer Medaille hatten manche Experten und auch die Protagonistinnen selbst ja während der Vorbereitung gesprochen – die Rede war gar von der besten Generation deutscher Basketballerinnen überhaupt. Gemessen an solch einer Fallhöhe lässt sich nach dem 53:83 gegen Spanien bilanzieren, dass manches zu hoch gegriffen sein dürfte. In den verbleibenden Vorrundenpartien gegen Japan (Samstag, 18 Uhr) und Mali (Montag, 17:50 Uhr) kann man sich zwar weiterhin fürs Viertelfinale qualifizieren – aber dafür muss fast alles besser werden.
„Man will enttäuscht sein, aber darf man natürlich nicht“, sagte Leonie Fiebich beim Sender Magentasport, ehe sie ihre Gedanken auf das Japan-Spiel richtete. Aber etwas arbeitete diese Niederlage schon in ihr. „Der Korb war in der ersten Halbzeit wie vernagelt“, beschrieb die Flügelspielerin der New York Liberty die Probleme. Sie versprach mehr Aggressivität in den kommenden Aufgaben. Daran hatte es deutlich gehapert.
Bei Spielbeginn hatte es noch hoffnungsvolle Nachrichten auf deutscher Seite gegeben: Die Halle war mit 12 500 Menschen voll, ein Indiz, dass es etwas werden könnte mit diesem Sport und dem Publikum in den kommenden elf Tagen. Und mit Centerin Nyara Sabally wurde auch die letzte der vielen zuletzt angeschlagenen Nationalspielerinnen rechtzeitig fit. Die Schwester der besten deutschen Basketballerin Satou Sabally (fällt wegen Folgen einer Gehirnerschütterung aus) brauchen sie beim DBB dringend, um der Physis vieler Gegnerinnen etwas entgegenzusetzen. Eine Wadenverletzung hatte die Frau von Toronto Tempo aus der WNBA zuletzt ausgebremst, jetzt die Punktlandung in ihrer Heimatstadt Berlin.
Nyara Sabally kann spielen, aber ihre zehn Punkte helfen kaum gegen diese Spanierinnen
Aber als sie erstmals das Feld betrat, lag Deutschland bereits beträchtlich zurück – und eine Punktemaschine ist Nyara Sabally (am Ende landete sie bei zehn Zählern) eben auch nicht. Im Gegensatz zu den Spanierinnen an diesem Abend. Sie trafen aus allen Lagen, von überall hagelte es Dreipunktewürfe, ihr junges Team lieferte den Beleg, warum dieser Auftaktgegner, zuletzt EM-Zweiter, als äußerst unangenehm galt.
Ein nervöser und strategisch unausgegorener Start bahnte sich derweil aus DBB-Sicht an, dabei war alles ganz anders geplant gewesen: Fiebich sollte Deutschland mit ihren Allroundfähigkeiten anführen, Frieda Bühner Punkte mit ihrer Unerschrockenheit besorgen, Luisa Geiselsöder Würfe treffen. Kaum etwas davon klappte. Bühner kassierte frühe Fouls, sie musste auf die Bank. Und auf Fiebich (13 Zähler) waren die Spanierinnen bestens vorbereitet, sie kennen die Landsbergerin, schließlich wurde diese schon zweimal zur besten Spielerin in Spaniens Liga gewählt. Die Arena hätte gerne mehr Lärm gemacht, aber wie sollte das gehen bei Zwischenständen von 20:44 und einem 24:50 zur Halbzeit?
Oder bei 31:59 mitten im dritten Viertel? Es wurde kaum besser, denn Deutschlands Offensive bestand aus Einzelaktionen, aus „Rein-ins-Gewühl-und-irgendwie-abdrücken“, während die Spanierinnen das Gegenteil zeigten: Basketball als selbstloser Akt, passen, bis eine freisteht, so einfach. Die feierliche Stimmung zum Auftakt war bis zur Schlusssirene in jedem Fall verflogen, Deutschland erlebte eine Desillusion zum Turnierstart.


