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Basketball:Wird das wieder?

17.03.2021 - Basketball - Saison 2019 2020 - 2. Bundesliga Pro-A - 8. Spieltag: Nürnberg Falcons Basketball Club NBC - T

Nicht mehr so fit wie vergangene Saison: Von den Basketballern der Nürnberg Falcons spüren einige noch deutlich die Nachwirkungen des Coronavirus. Dem Team um Tra Holder (am Ball) und Fynn Fischer (Mitte) hat die Pandemie deutlich zu schaffen gemacht.

(Foto: Daniel Marr/Sportfoto Zink/imago)

Für die Nürnberg Falcons geht eine turbulente Corona-Saison zu Ende. Über ein gezeichnetes Team, das sich Fragen stellt, die weit über den Basketball hinausgehen.

Von Sebastian Leisgang

"Schwierig." Das ist das erste Wort, das Ralph Junge in den Sinn kommt. Später wird er noch sagen, dass es "anders" gewesen sei. Und: Er wird es "außergewöhnlich" nennen, was seiner Mannschaft in diesem Jahr widerfahren ist. Jetzt aber, zu Beginn des Gesprächs, sagt Junge erstmal nur: Schwierig, das treffe es am besten. Damit lasse sich die Zahl von 26 Spielen am ehesten auf ein einziges Wort runterbrechen.

26 Spiele, so viele haben die Basketballer der Nürnberg Falcons in dieser Saison hinter sich. An diesem Samstag in Paderborn ist für Junge und seine Mannschaft noch eine letzte Aufgabe zu lösen, dann ist nach nur 27 Partien Schluss. Einfach so. Ohne dass das ausgefallene Spiel gegen Jena nachgeholt wird. Die 40 Minuten wären zwar ohnehin nicht mehr allzu relevant, da der Abstieg aus der zweiten Liga ja ausgesetzt ist; dass die Begegnung aber einfach gestrichen wurde, zeigt eben auch, wie grotesk diese Saison ist. Oder wie es Junge sagt: wie schwierig.

Für Nürnberg geht es in der Pandemie nicht nur darum, Geld aufzutreiben oder irgendein Problem mit der Halle zu lösen

Corona, das muss man dazu wissen, hat den Nürnbergern deutlich mehr zu schaffen gemacht als vielen anderen Mannschaften. Anfang November, bei einem Spiel gegen Hagen, infizierte sich das gesamte Team - und es flog derart aus der Bahn, dass die Basketballer selbst Monate später noch beim Essen, beim Treppensteigen und in der Trainingshalle mit Nachwirkungen zu kämpfen haben. "Irgendwann", sagt Junge, "geht es nicht mehr nur um Basketball. Natürlich haben die Spieler auch sportliche Ziele, manche wollen in die Bundesliga. Wenn du aber monatelang auch im Alltag merkst, dass du Defizite hast, stellst du dir die Frage: Was bedeutet das für mein Leben? Wird das wieder?"

Es sind nachdenkliche Töne, die Junge anschlägt. Töne, die man aus seinem Mund eigentlich nicht kennt. Junge ist ein beflissener Mann, kein Haderer, eher einer, der Herausforderungen mag. Nürnbergs Trainer und Geschäftsführer hat ja schon einiges gemeistert in seinem Funktionärsleben. Er fand einen Weg, als sich 2016 ein Gesellschafter zurückzog, der für den Großteil des Etats aufkam; er fand einen Weg, als sein Team 2018 aus der baufälligen Halle am Berliner Platz ausziehen musste; und er fand einen Weg, als Nürnberg 2019 keine Lizenz für die Bundesliga erhielt und eine Lösung her musste, damit der Aufstieg beim nächsten Anlauf nicht nochmal daran scheitert, dass der Klub keine adäquate Spielstätte hat.

Junge, 51, weiß damit umzugehen, wenn es nicht rund läuft - jetzt aber sagt selbst er: "Corona ist nochmal eine ganz andere Hausnummer." Weil Corona eben anders ist, außergewöhnlich. Weil es für Nürnberg in der Pandemie nicht nur darum geht, Geld aufzutreiben oder irgendein Problem mit der Halle zu lösen, das, gemessen an Corona, dann doch eher ein Problemchen war.

2007 hat zuletzt ein Nürnberger Team in der Bundesliga gespielt - da wollen die Falcons hin

Wird das wieder? Diese Frage treibt auch ihn selbst, den Macher, den Optimisten, um. Eine Antwort hat er noch nicht. Seit Ende März darf zwar auch der letzte Spieler wieder trainieren, aber "ein, zwei klagen immer noch, dass sie nicht so fit sind wie letzte Saison", sagt Junge und schlägt dann die Brücke zu wirtschaftlichen Fragen, bei denen ja auch noch nicht abzusehen ist, ob es wieder wird: Wie sehr nimmt die Krise die Unternehmen mit? Können sie sich noch bei den Basketballern einbringen, wenn alles durchgestanden ist? Und kommen die Zuschauer in die Halle zurück, wenn sie wieder dürfen? Dürfen sie überhaupt zur neuen Saison?

Er gehe nicht davon aus, antwortet Junge, dass im Herbst 4000 Zuschauer zum Eröffnungsspiel am Tillypark kommen. Im Westen der Stadt wird seine Mannschaft ja eine neue Heimat beziehen und große Ziele in Angriff nehmen. Es soll zurück in die Bundesliga gehen, dorthin, wo 2007 letztmals ein Nürnberger Team gespielt hat.

Wird das wieder? Junge hofft es zumindest. Es ist zwar Einiges im Fluss; Junge wird sich von der Trainerbank zurückziehen und in seiner Funktion als Geschäftsführer einen neuen Coach engagieren; auch der Kader wird sich verändern, und Veränderungen bringen immer Herausforderungen mit sich - die vergangenen Wochen haben Junge aber in seinem Glauben bestärkt, dass die Falcons doch auf dem rechten Weg sind.

Hintenraus, auf den letzten Metern dieser Saison, hat sich seine Mannschaft ja nochmal gestrafft. Sie hat gegen Leverkusen, Rostock und Heidelberg lange mitgehalten - und sie hat Tübingen, Urspring und Trier besiegt. Noch ein Termin, dann war's das. "Allmählich haben die Jungs zwar das Gefühl, dass wir wieder Basketball spielen", sagt Ralph Junge, "aber sie sind auch froh, wenn es dann rum ist."

© SZ/lein/and
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