Basketball Vorbild Vechta

Undank für den Dunk: Augustine Rubit muss Bamberg verlassen, der Klub nutzte wie auch bei Arnoldas Kulboka und Patrick Heckmann eine Ausstiegsklausel im Vertrag.

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Dem Viertelfinal-Aus von Brose Bamberg soll ein Umbruch folgen. Der Rasta-Trainer bleibt wohl beim Aufsteiger.

Von Felix Haselsteiner und Ralf Tögel

Wenn der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Stoschek in der Öffentlichkeit das Wort ergreift, dann ist davon auszugehen, dass sich Grundlegendes beim Basketball-Bundesligisten Brose Bamberg tut. So wie Ende Mai - ein paar Tage nach dem Saison-Aus im Playoff-Viertelfinale gegen Aufsteiger Rasta Vechta. Zur Erinnerung: In den vergangenen zehn Spielzeiten war Bamberg achtmal Meister, nur der FC Bayern München konnte diese erdrückende Dominanz zweimal unterbrechen. Einmal 2014 und in der Vorsaison. Doch im Gegensatz zu 2014, als Bamberg stärker zurückkam als je zuvor, scheint die Zäsur in dieser Saison tiefgreifender auszufallen. Denn das Scheitern gegen Vechta ist sicher nicht das, was dem erfolgsverwöhnten Klubchef gefällt.

Während über die Zukunft von Trainer Federico Perego bis dahin nur spekuliert werden konnte, war nach der Wortmeldung des Aufsichtsratschefs klar, dass der Italiener in Bamberg keine Zukunft hat. Denn Stoschek sprach über den siegreichen Vechta-Coach Pedro Calles mit größter Anerkennung. Schließlich hatte der ein Team aus Namenlosen geformt, dem unermüdlicher Einsatz und Kampfgeist genügten, um den klar besser besetzten Favoriten zu düpieren. Gipfel der Schmach war die Tatsache, dass der Emporkömmling auch noch auf zwei seiner besten Spieler verzichten musste. Stoschek habe bei diesem Gegner all das gesehen, was er in seinem Team vermisst habe, "Teamgeist, Leidenschaft, Schnelligkeit und ein intelligentes Spielsystem". Deutlicher kann eine Abrechnung nicht ausfallen, Vechtas Coach schrieb er zu, seiner Auswahl jene Eigenschaften eingeimpft zu haben, die er in seinem Team vermisst habe.

Wenig verwunderlich kursiert das Gerücht, dass der 35-jährige Calles erster Anwärter auf den Trainerposten in Bamberg ist. Doch Vechtas Geschäftsführer Stefan Niemeyer hat dem eine Absage erteilt: "Ich bin gerade mit Pedro zusammengesessen, er hat noch ein Jahr Vertrag und wird in der kommenden Saison Vechta trainieren." Niemeyer bestätigte im Gespräch mit der SZ auch gleich, dass Rasta im nächsten Jahr in der Champions League antreten werde, gerne in einer Gruppe mit Bamberg, denn "gegen die haben wir in letzter Zeit gerne gespielt".

Hickman, Zisis, Rice, Rubit und Heckmann: Bamberg tauscht nahezu den gesamten Kader aus

Somit dürfte Roel Moors gute Chancen auf den Brose-Trainerstuhl haben, der Klub will dazu aber nichts Erhellendes beitragen, Brose-Geschäftsführer Arne Dirks äußert sich derzeit nicht. Die Personalie würde Sinn ergeben, denn Moors würde Sportdirektor Leo de Rycke aus Antwerpen folgen. Aus jenem Klub, der die Bamberger beim Final Four der Champions League in der belgischen Hafenstadt blamiert hatte, als der Pokalsieger nach dem deutlichen Aus im Halbfinale auch das Spiel um Platz drei klar verlor. Gegen ein Team aus einer Liga, die in Europa keinen hohen Stellenwert genießt. Auch der Pokalsieg gegen Alba sowie hat das Erreichen der Endrunde im dritthöchsten kontinentalen Wettbewerb konnten beim fränkischen Traditionsklub niemanden so recht zufrieden stellen, schon gar nicht Michael Stoschek. So kommt im Klub derzeit alles auf den Prüfstand, in einer Saison, die neben dem unbefriedigenden Ende von einer nie zuvor gesehenen Unruhe geprägt war. Sportdirektor, Trainer und Geschäftsführer wurden entlassen, kürzlich beendete Brose das Engagement mit den Spielern Augustine Rubit und Patrick Heckmann. Was einigermaßen überraschend ist, der Amerikaner war einer der Besten im Team, Heckmann gehört zum erweiterten Kreis der deutschen Nationalmannschaft. Klar war, dass Ricky Hickman gehen musste, der nie zu seiner Leistung fand, auch die Zeit von Nikolaos Zisis oder Tyrese Rice geht dem Vernehmen nach zu Ende.

Stoschek wünscht einen Neuanfang, die Vereinsphilosophie soll grundlegend überdacht werden. Bamberg plant eine Rückkehr zu seinen Wurzeln, will mit "jungen, erfolgshungrigen Spielern attraktiven und erfolgreichen Basketball zeigen". Was zuvorderst der neue Sportdirektor gewährleisten soll: de Rycke, der zum 1. Juli seine Stelle antritt, dürfte längst mit der Kaderzusammenstellung befasst sein. Brose traut dem Belgier zu, den Umbruch zu gestalten, seine Arbeit in Antwerpen habe beeindruckt, obwohl er bei den Giants nur Teilzeitkraft war, nebenher arbeitete der 54-Jährige für die Stadtverwaltung.

Der Kader wird sich jedenfalls stark ändern, Elias Harris und Bryce Taylor, der mittlerweile einen deutschen Pass hat, sollen in Bamberg bleiben. Die Verträge von Maurice Stuckey, Louis Olinde und Cliff Alexander laufen zwar noch eine Saison, das galt aber auch für Rubit und Heckmann. Ende der Woche soll es erste Details geben, dann will sich Geschäftsführer Dirks wieder zu Wort melden.