Basketball:Versöhnlicher Eindruck am Ende

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MHP Riesen Ludwigsburg - Brose Bamberg

Bleibt er? Spielmacher Bennet Hundt wusste vor allem in der Playoff-Serie zu überzeugen, sein auslaufender Vertrag soll verlängert werden.

(Foto: Thomas Kienzle/dpa)

Der einstige Serienmeister Brose Bamberg bilanziert nach dem Playoff-Aus gegen Ludwigsburg eine n"durchschnittliche Saison". Trotzdem soll nicht schon wieder alles umgekrempelt werden.

Von Ralf Tögel, Bamberg

Der Reset-Knopf ist tabu. "Den fassen wir nicht mehr an, da ist eine Schutzklappe drüber", sagt Philipp Galewski, der Geschäftsführer der Bundesliga-Basketballer von Brose Bamberg. Das ist natürlich eine Anspielung auf die turbulenten Vorjahre, in denen Trainer und Funktionäre beim oberfränkischen Traditionsklub kamen und gingen und kamen und gingen. Nun ist die Saison nach der 73:95-Niederlage im fünften und entscheidenden Viertelfinal-Spiel der Best-of-five-Serie gegen den Hauptrunden-Ersten Ludwigsburg zu Ende, und Galewski verspricht für die Zukunft Kontinuität.

In jüngerer Vergangenheit war die Ausrichtung beim neunmaligen deutschen Meister ja mehrmals geändert worden, erst wurde der Angriff auf die europäische Spitze ausgerufen, dann sollte eine kostengünstigere Mannschaft mit jungen und hungrigen Spielern das Publikum verzücken. Doch alle Bemühungen, an die spektakuläre Ära unter Trainer Andrea Trinchieri anzuknüpfen mit drei Meistertiteln (2015 bis 2017) und einem Pokalsieg, blieben erfolglos. Irgendwann kam der Geschäftsführer Arne Dirks, der einen Paradigmenwechsel mit dem belgischen Duo Leo de Rycke (Sportdirektor) und Roel Moors (Trainer) einleiten sollte: mit leidenschaftlichen, jungen Akteuren die satten europäischen Spitzenspieler der Vorjahre vergessen zu machen. Doch auch diese Führungsriege wurde nach nur einem Jahr komplett ausgetauscht, seit dieser Saison geben Galewski und der niederländische Trainer Johan Roijakkers den Kurs vor.

Der Etat war der vierthöchste der Liga, er soll ähnlich hoch bleiben

Mit dem vierthöchsten Etat der Liga war der vierte Platz als Saisonziel ausgegeben worden, das wurde mit Rang acht nach der Hauptrunde klar verpasst. "Damit können wir nicht zufrieden sein", sagt Galewski, "aber wir waren nicht so weit weg." Der Geschäftsführer erinnert an starke Auftritte in der Champions League, blendet aber auch die teils schwachen Leistungen in der Bundesliga nicht aus. Immerhin wurde dieser Eindruck in den Heimspielen der Playoff-Serie kaschiert. Nach einem 0:2-Rückstand fügten die Oberfranken dem Primus eine ehrabschneidende 96:60-Klatsche zu, ehe mit dem 87:84-Erfolg in Spiel vier der Showdown in Ludwigsburg erzwungen wurde.

Dort allerdings war Bamberg ohne Chance, das deutliche 73:95 lässt schon Rückschlüsse auf den neuen Kader zu. "Unsere deutschen Spieler haben durch die Bank überzeugt", findet Galewski, und weil Dominic Lockhart, Christian Sengfelder, Kenneth Ogbe und Mateo Seric gültige Verträge haben, stehe das Gerüst. Die deutschen Spieler seien es auch, die der Mannschaft das Gesicht geben, die bei den Fans den höchsten Wiedererkennungswert hätten. Das gelte auch für Bennet Hundt. Dessen Vertrag läuft zwar aus, doch der Spielmacher hatte gerade in den Playoff-Spielen überzeugt und soll gehalten werden.

"Ich könnte mir vorstellen, dass wir uns auf den ausländischen Positionen neu aufstellen", sagt Trainer Roijakkers

Für die Importspieler stellt sich die Situation anders dar, wie Galewski erklärt. Einen Spieler wie Center David Kravish etwa, den besten Rebounder der Liga, müsse man sich erst mal leisten können. Oder wollen, wie den Worten des Trainers zu entnehmen ist: "Ich könnte mir vorstellen, dass wir uns auf den ausländischen Positionen neu aufstellen. Aber das müssen die Analysen zeigen." Roijakkers spricht davon, dass Akteure wie Kravish, Michele Vitali, immerhin Kapitän der italienischen Nationalmannschaft, der lange verletzte Spielmacher Tyler Larson sowie Chase Fieler und Alex Ruoff neben Stärken "auch Schwächen" gehabt hätten - das klingt nicht nach großer Überzeugung. Eine Ausnahme bildet Devon Hall: Der Amerikaner, der einst für die Oklahoma City Thunder in der NBA spielte, hatte sich kurz vor der K.-o.-Runde das Handgelenk gebrochen, weshalb Roijakkers ausgerechnet im Saisonfinale der beste Spieler abhanden kam. "Wenn es geht, wollen wir ihn halten", sagt Galewski, was sich freilich schwierig gestalten könnte, denn Hall hat das Interesse von Euroleague-Klubs geweckt.

All dies gelte es nun mit dem Aufsichtsrat zu besprechen. Dessen starker Mann ist der Unternehmer Michael Stoschek, der so manchen Richtungswechsel initiiert hat. Galewski habe in der Nacht nach dem Playoff-Aus mit Stoschek telefoniert und erfahren, dass dessen Stimmungslage trotz einer "durchschnittlichen Saison" der seinen ähnele. Ein 0:3 in der Serie gegen Ludwigsburg hätte wohl deutlichere Konsequenzen nach sich gezogen, so aber blieb "ein versöhnlicher Eindruck". Der Etat, der im Laufe der Jahre von mehr als 20 auf mittlerweile vom Klub angegebene acht Millionen Euro geschrumpft ist, könne trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie "in einer ähnlichen Höhe gehalten werden", so Galewski. Auch Roijakkers könne davon ausgehen, dass er den neuen Kader bauen dürfe, was ja im Vergleich zu den vergangenen Jahren ebenfalls für Kontinuität stehe.

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