Basketball Tübingen: Slam Dunk in den eigenen Korb

Garlon Green kennt jetzt das Gefühl, wenn es im Basketball einmal nicht so gut läuft.

(Foto: imago/Ulmer)
  • Bundesliga-Basketballer Garlon Green stopft den Ball gegen Braunschweig in letzter Sekunde - leider am falschen Ende.
  • Bei seinem Verein, den Walter Tigers Tübingen, ist man ratlos, wie das passieren konnte.
Von Jonas Beckenkamp

Vielleicht ist es ein kleiner Trost für die Walter Tigers Tübingen, dass sowas selbst in den besten Familien vorkommt. Ähnliche Missgeschicke sind im Fußball ja selbst den ganz Großen der Branche passiert. Franz Beckenbauer zum Beispiel garnierte seine schillernde Karriere mit vier Eigentoren. Das Äquivalent zum Eigentor im Fußball ist im Basketball der Eigenkorb - und da dürften die Tübinger jetzt bis in alle Ewigkeiten eine besonders kuriose Erinnerung für sich verbuchen.

Die Frage ist nur: War diese unfassbare Aktion von Garlon Green überhaupt ein Missgeschick? Oder war es Absicht? Oder beides? Die Faktenlage ist zumindest eindeutig: Beim Bundesliga-Spiel der Tübinger Basketballer in Braunschweig bescherte Green der BBL am Sonntag den wohl schrägsten Slam Dunk ihrer Geschichte. Einen spektakulär verwandelten Stopfer, der nur einen Makel hatte: Er fand am falschen Ende statt - im eigenen Korb. Beim Stand von 79:81 aus Sicht der Tigers waren nur noch wenige Sekunden zu spielen, als es Freiwürfe für die Braunschweiger gab.

Eine kleine Siegchance hätten die Gäste also noch gehabt, im Basketball zählen Last-Minute-Fernwürfe von der Mittellinie ja durchaus zur Folkore. Als der zweite Versuch des Braunschweiger Freiwerfers vom Ring kullerte, wäre die logische Aktion eigentlich ein Rebound der Tübinger und ein anschließender Verzweiflungsversuch aus der eigenen Hälfte Richtung Braunschweiger Korb gewesen. Doch Garlon Green hatte eine andere Agenda: Er flog in bester Harlem-Globetrotters-Manier aus dem Hintergrund heran und drückte den Ball in die Reuse. In die eigene, wohlgemerkt.

Da Eigenkörbe im Basketball ganz simpel zwei Punkte für den Gegner ergeben (gutgeschrieben bekommt sie der Kapitän des Gegners), endete die Partie 83:79 für die Braunschweiger. Für Garlon Green endete der Abend zudem mit Hohn und Spott im Internet, wo einige Kommentatoren ihn bereits für die "Pleiten-und-Pannen"-Rubrik Shaqtin' a fool der NBA vorschlagen. Dort präsentiert der frühere Centerkoloss Shaquille O'Neal unter großem Gelächter Woche für Woche die schönsten Basketball-Irrnisse.

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Erst einmal hat die Basketball-Bundesliga Garlon Green am Montag für den Dunking-Wettbewerb beim Allstar-Spiel nominiert. Sein Bruder Gerald hat bereits 2007 den Slam Dunk Contest in der NBA gewonnen - es liegt also in der Familie.

Wer bei den Tübingern nachhorcht, wie es zu Greens Fauxpas kommen konnte, kriegt vom Pressesprecher Tobias Fischer die Antwort, dass "das alles unglücklich gelaufen" sei. "Garlon wollte den Ball vom Ring klauben. Aber statt ihn zu fangen, macht er ihn halt rein. Das sieht natürlich kurios aus", sagt er. Auch dass Green nicht wusste, in welche Richtung gerade gespielt wird, kann er nicht ausschließen. Er meint aber: "Alles reine Spekulation, wie das passieren konnte. Wir wissen es nicht. Er wollte sicherlich nicht mit Absicht in den eigenen Korb dunken."

Im Verein weisen sie darauf hin, dass Green ein junger Spieler sei, der zuletzt in Japan und Australien aktiv war. Im taktischen Bereich müsse der Amerikaner noch viel lernen, heißt es. Dunken scheint er zu können (im Netz gibt es Highlightvideos von ihm), aber beim Verständnis des Regelwerks offenbaren sich wohl Defizite. Trotzdem sparen sich die Tübinger vorerst einen Rüffel für den 24-Jährigen. "Er ist ein Leistungsträger, er wird uns auch wieder Spiele gewinnen" sagt Pressemann Fischer, "deshalb werden wir ihn jetzt nicht verstoßen." Tatsächlich war Green am Sonntag bester Punktesammler der Mannschaft: Seine 16 Zähler hatten das Team lange im Spiel gehalten - ein Spiel, das sie nach langer Führung eigentlich nie hätten verlieren dürfen. "Da kommt dann in so einem Moment auch Frust dazu, weil wir es so hergeschenkt haben", erklärt Fischer.

Wie es richtig geht, nach einem vergebenen Freiwurf noch per "Putback" abzuschließen, führte früher übrigens zur Genüge der Meister höchstpersönlich vor: Auch Michael Jordan stopfte gerne Fehlwürfe direkt in den Korb - allerdings in den gegnerischen, nachdem seine Mitspieler daneben gezielt hatten.