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Basketball-Trainer Dirk Bauermann:"Ich war in einer Schockstarre"

Die Münchner, mit Bauermann aus der zweiten Liga aufgestiegen, belegten in ihrer ersten BBL-Saison Rang fünf und schieden in Playoff-Runde eins aus. Eine Trennung im Sommer wäre hart, aber mit den Ambitionen eines Global Players zu erklären gewesen. Doch vor dem ersten Spiel? Mit dem ehrabschneidenden Nachhall, das Team eines bekanntermaßen harten Disziplinpredigers sei außer Rand und Band?

Bauermann kann sich an das kurze Gespräch mit Hoeneß erinnern. Aber was er an diesem Tag fühlte, ist ihm unbekannt: "Ich weiß das nicht mehr, ich war in einer Schockstarre." Das ist viel Aufrichtigkeit für jemanden, der es lange auch genoss, unnahbar zu wirken. Bauermann hat zudem viel erlebt, in Griechenland stellte er mal den Liebling des Präsidenten in Frage, worauf der eine Pistole aus dem Schreibtisch holte. So wurde er entlassen. Aber in Schockstarre versetzte ihn das nicht.

In München, das war bekannt, verfolgte Hoeneß Bauermanns Arbeit schon länger kritisch. Sein Team steht mit einem Etat von rund neun Millionen Euro zumindest in der Etat-Tabelle ganz oben, die vielen Auswärtspleiten in der ersten Saison irritierten ihn. Der Präsident, das hat Hoeneß erzählt, empfahl Bauermann, früher zu trainieren, um neun. Das nähme den Spielern den Elan, abends auszugehen.

FC Bayern München - Dirk Bauermann und Uli Hoeneß

Im Sommer noch zusammen zu sehen: Uli Hoeneß und Dirk Bauermann bei er Vorstellung des Bayern-Trikots. 

(Foto: dpa)

Bauermann spürte, wie sich da ein Verhältnis abkühlte. Er dachte sogar daran, von sich aus zu gehen. Aber er blieb und behielt seine Trainingszeit bei, zehn Uhr, ebenso die in seiner Karriere bewährte Art der Teamführung. Er war ja Trainer. Hoeneß ging weiter auf Distanz, "es hatte sich etwas aufgestaut", erklärte er im Oktober. In der Vorbereitung verlor das Team ein Heimturnier gegen starke Euroleague-Starter. Und dann liefen einige Spieler auf dem Oktoberfest abends ausgerechnet dem Präsidenten über den Weg. Das war zu viel für Hoeneß. Schluss.

Dirk Bauermann spricht nicht über solche Details. Aber auch so ist seine Geschichte wohl einerseits ein weiteres Lehrbeispiel für die ritualisierten Machtverhältnisse beim FC Bayern, den Hoeneß überwacht - andererseits irritiert sie mit einer Doppelmoral in einem Verein, der dem Fußballlehrer kaum vorschreiben würde, früher zu trainieren. Und Vorwürfe an Trainer oder Spieler bezüglich der einst diskutablen Freizeitgestaltung etwa von Franck Ribéry wurden bisher auch nicht bekannt.

Dirk Bauermann betont, er sei "nicht beleidigt". Er klagt nicht. Er klagt auch nicht an. Er ist Profi. Aber die Möglichkeit, mit einem potenten Klub irgendwann sogar mal in Europa eine Rolle zu spielen, "die ist jetzt weg - und das ist es, was schmerzt". Er hätte nach dem durchwachsenen Premierenjahr gerne gezeigt, dass er auch in München etwas bewegen kann. Er weiß zwar, dass er Angriffsflächen bietet, "dass ich mich mit meiner Arbeitsweise auf dünnem Eis bewege, denn ich bin nicht der große Teamplayer, der alles delegiert". Doch diese Art, ebenso sein defensiver, strukturierter Basketball, an dem man sich in der Tat reiben kann, "das ist doch meine Handschrift, die gehört dazu". Er sagt: "Sonst bin ich austauschbar."

Aber da war eben noch dieses Buch: "Mission Erfolg". Es erschien im Frühjahr. Mit freundlichem Vorwort von Hoeneß. Inmitten der Niederlagenserie auswärts. Ein Trainer, der Hoeneß unbelehrbar erschien, der ebenfalls eine Meinung hat und der ein Ich-Buch verfasste, das erinnerte den Präsidenten an das Ego Louis van Gaal, des einstigen Fußballlehrers aus Holland. "Das Buch war sicher ein Fehler, das löste etwas aus", vermutet Dirk Bauermann. "Da war Naivität dabei."

Bauermann wird Chefcoach bleiben. Aus China gab es bereits ein Angebot (das er ablehnte), ein europäisches Nationalteam zeigt Interesse. Er wartet jetzt aber mal ab und bildet sich fort. Eine gute Woche geht es bald in die USA, nach Chicago, der Co-Trainer der Bulls ist ein früherer Mentor. Auch in der Türkei will er Kollegen im Europacup über die Schulter schauen. Nur seinen Bayern, die bislang auch unter seinem früheren Co-Trainer Yannis Christopoulos eher das Bild eines besseren, aber farblosen Mittelklasseteams abgeben, kann er nicht zusehen. Hält er nicht aus.

Brose Bamberg gegen FC Bayern lautet am Sonntag das brisante BBL-Duell. Sein einstiger Klub, den er an die Spitze brachte, gegen jenen, der ihn noch bezahlt. Es wäre sein Spiel gewesen. Hoeneß will kommen, doch Bauermann wird währenddessen wohl auf dem Hometrainer sitzen und Football schauen. Oder doch mal mit der Katze des Nachbarn spielen, die ihn ständig besucht. Dabei mag er keine Katzen.

© SZ vom 17.11.2012
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