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Basketball-Trainer Dirk Bauermann:Kampf mit der Stille

Dirk Bauermann, der erfolgreichste deutsche Basketball-Trainer, wurde kurz vor der Saison beim FC Bayern entlassen. Die Beziehung zum mächtigen Klublenker Uli Hoeneß erkaltete, weil Bauermann auf seinen Weg beharrte. Seit der Trennung ist der Coach abgetaucht - aber er will wieder arbeiten.

Alba Berlin - FC Bayern Muenchen

Dirk Bauermann will auch nach seiner Zeit beim FC Bayern wieder als Trainer arbeiten - erste Angebote gibt es bereits.

(Foto: dapd)

Schön hier. Schön ruhig und verschlafen, diese kleine Ortschaft oberhalb des Starnberger Sees. Dirk Bauermann hat sich damals bewusst gegen die Stadt entschieden, er steht genug unter Strom. Vielmehr: Er stand. Am Ende eines Weges ist sein angemietetes Heim versteckt, im stillen Höhenrain. Er öffnet die Tür, und man sieht ihm gleich an, dass er das nicht unbedingt gewohnt ist.

So viel Zeit. Diese Ruhe.

Bauermann, 54, der mit Abstand erfolgreichste deutsche Basketballcoach, trägt immer schon Dreitagebart, neben seiner schwarzen Kleidung und dem Furor an der Seitenlinie ist das seit zweieinhalb Jahrzehnten sein Markenzeichen. Er wirkt jünger als fast 55, aber dass er momentan vor allem einen Kampf mit der Stille führt, das räumt er zur Begrüßung ein: "Ich muss meinen Tag schon strukturieren."

Trainer im Spitzensport strukturieren eigentlich das Leben anderer, das der Sportler. Die haben zwischen Spielen und Einheiten recht viel Zeit, ein Umstand übrigens, der Bauermann beim FC Bayern vielleicht den Job kostete, aber dazu später. Trainer haben selten frei, erst recht, wenn es sich um Workaholics handelt wie Bauermann, der in seinem ersten Jahr in München zwei Jobs erledigte, den als Lokomotive beim neuen Spielzeug von Klubpatron Uli Hoeneß, den FC-Bayern-Basketballern, und den des Bundestrainers.

Und jetzt? Von 230 runter auf Tempo 30. Weit draußen in Höhenrain.

Sechs Tage vor dem BBL-Start entließ Hoeneß jenen Trainer, dem allein er es vor gut zwei Jahren zugetraut hatte, das ambitionierte Projekt zu leiten. Es war die wohl spektakulärste Entlassung des Sportjahres nach dem Aus des Zuchtmeisters Felix Magath bei Wolfsburgs Konzernkickern: Mehr Aufmerksamkeit erhielt der deutsche Basketball zuletzt nur, als Dirk Nowitzki 2011 seine Mavericks endlich zum NBA-Titel warf. Denn Hoeneß überzog Bauermann öffentlich mit Tiraden: Das Team sei "nicht fit", habe zu viele Freiheiten; Bauermann leide unter "Realitätsverlust".

Dirk Bauermann ist, nachdem er Anfang Oktober knapp seine Enttäuschung formulierte, von der Bildfläche verschwunden. Er sagte einen TV-Auftritt ab, sicher auch, um sich zu schützen. "Ich habe mich bewusst gegen eine Replik entschieden, weil ich fand, dass meine Erfolge Antwort genug sind", sagt er nun mit etwas Abstand und setzt sich im Wohnzimmer neben sein Fitnessgerät, seinem bevorzugten Zeitvertreib in diesen Tagen. Plumpe Konter braucht er nicht, zumal Bauermanns Vertrag in München bis 2014 gilt. Und irgendwann wird man sich ja doch mal über die vermutlich annähernd siebenstellige Summe zu einigen haben, die ihm noch zusteht. Vereinsschädigendes Verhalten, sagt Bauermann, "liegt mir fern".

Dirk Bauermann holte mit Leverkusen und Bamberg neun Meisterschaften, mit dem Nationalteam EM-Silber 2005. Der Rheinländer war bisher neben Nowitzki das zweite Gesicht des deutschen Basketballs. Er gilt denjenigen, die ihn nicht kennen, "als unnahbar, mit einer Aura der Arroganz", das kennt Bauermann. Er polarisiert. Umso erstaunlicher waren die kräftigen solidarischen Stimmen aus der Liga. Berlins Manager Marco Baldi kritisierte Hoeneß' Umgang mit ihm, Bambergs Chef Wolfgang Heyder, der alte Gefährte, sowieso. Auch Heiner Brand, der mit Bauermann befreundete, langjährige Trainer der deutschen Handballer, meldete sich.