Süddeutsche Zeitung

Basketball:Ruppigkeitstest bestanden

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Die deutsche Mannschaft gewinnt ihre WM-Generalprobe gegen die hoch eingeschätzten Australier 74:64.

Von Joachim Mölter, Jiangmen/München

Drei Aufgaben hatte Basketball-Bundestrainer Henrik Rödl seiner Mannschaft gestellt vor der Generalprobe für die am Samstag beginnende WM in China: "Wir müssen gesund bleiben, wir müssen gut weiterarbeiten, und wir müssen den Test nutzen, um den letzten Feinschliff zu bekommen." Die Mannschaft bewältigte alle Aufgaben mit Bravour, sie bezwang am Mittwoch vor 5000 Zuschauern in Jiangmen Australien 74:64 (45:29), ohne dass sich dabei ein Spieler verletzt hatte.

Das ist durchaus eine Leistung, denn die sogenannten "Boomers" sind bekannt dafür, hart zur Sache zu gehen, bisweilen sogar ruppig. Deswegen hatte Rödl vor der Partie auch erklärt, die Australier seien "genau der richtige Test, den wir jetzt noch brauchen": Vor allem in der Abwehr seien sie "vom Spielstil her unserem Auftaktgegner Frankreich sehr ähnlich". Center Johannes Voigtmann (Moskau) fand: "Wir können da sicher einige Sachen mitnehmen. Wir haben gesehen, wie tough das Niveau bei der WM physisch sein wird und haben den Test ganz gut bestanden." Angesichts der vielen Vorschusslorbeeren, welche die deutsche Mannschaft zuletzt bekommen hatte und die sie als Medaillenkandidat ausweisen, warnte er freilich auch: "Wir dürfen jetzt nicht denken, dass wir schon irgendwas gewonnen haben." Die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) startet am Sonntag in Shenzhen in das bis zum 15. September dauernde Turnier; die weiteren Vorrundengegner sind die Dominikanische Republik und Jordanien. Der zwei Gruppenersten kommen in die Zwischenrunde nach Nanjing, dort könnte das DBB-Team dann erneut auf Australien treffen. "Für uns ist das endlich mal ein richtig krasser Gegner, um zu sehen, wo wir stehen", hatte sich der Münchner Flügelspieler Danilo Barthel vor dem Duell gefreut. Die bisherigen Testgegner - Schweden (78:46), Ungarn (83:62), Tschechien (87:68), Polen (92:64), Tunesien (89:70) sowie Japan (83:86) - gelten ja nicht als Weltklasse, die Australier indes schon. Am vorigen Sonntag bestätigten sie diese Einschätzung, als sie zum ersten Mal ein mit NBA-Profis bestücktes US-Team besiegten, 98:94. Dass die erstmals seit 13 Jahren wieder unterlegenen Amerikaner nicht gerade die erste Wahl aus der NBA sind, schmälert diesen Erfolg ebenso wenig wie der Umstand, dass die Australier einen Heimvorteil vor mehr als 52 000 Zuschauern in einem Football- und Rugby-Stadion von Melbourne hatten. "Von der Qualität her ist das eine Mannschaft, die wir so noch nicht gesehen haben", fand jedenfalls Rödl.

Australien hat immerhin fünf Profis im Kader, die ihr Geld in der NBA verdienen, der stärksten Liga der Welt. Das ist noch einer mehr, als Rödl zur Verfügung hat. Aus seinem NBA-Quartett schickte er zunächst drei Akteure aufs Parkett: Dennis Schröder (Oklahoma City), Maxi Kleber (Dallas) und Daniel Theis (Boston). Die Startformation ergänzten der NBA-erfahrene Paul Zipser, der zu Bayern München zurückgekehrt ist, sowie Ismet Akpinar (Besiktas Istanbul), der bei der WM dem Spielmacher Schröder die Abwehrarbeit gegen den gegnerischen Point Guard abnehmen soll.

Die DBB-Auswahl kam prima ins Spiel und führte dank zehn Punkten von Voigtmann zur Pause 45:29. Der Vorsprung wuchs auf 22 Zähler an (51:29/23.), schnurrte auf acht zusammen (66:58/35.), wurde aber über die Zeit gebracht. Schröder mit 15 Punkten und Kleber mit elf waren die erfolgreichsten Werfer. "Die Australier können wahrscheinlich besser spielen und besser treffen", bilanzierte Rödl, "aber ich finde, dass wir in vielen Phasen gut ausgesehen und den Druck ausgehalten haben." Sein Team hatte die letzten Minuten sogar ohne die Spielgestalter Schröder und Akpinar überstanden, die jeweils nach dem fünften Foul vom Feld mussten. Da Schröders etatmäßiger Ersatz Maodo Lo (München) wegen einer Blessur geschont wurde, kam Isaac Bonga (Washington) noch zum Einsatz; der 19-Jährige ist der vierte NBA-Profi im Team, aber neben Andreas Obst (Ulm) und Johannes Thiemann (Berlin) ein Streichkandidat. Bundestrainer Rödl ist ja mit 13 Spielern zur WM aufgebrochen, darf dort aber nur zwölf einsetzen und muss folglich noch einen verabschieden.

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SZ vom 29.08.2019
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