Basketball:Rückkehr als Freiwurfkönig

10.10.2021, BBL, FC Bayern Basketball vs Braunschweig, Audi Dome, Basketball, im Bild: Nihat Djedovic (FCB Basketball)

Hey Kollege, schön, dich mal wieder auf dem Feld zu sehen: Nick Weiler-Babb traut seinen Augen offenbar kaum, doch sein lange verletzter Kapitän Nihad Djedovic stand gegen Braunschweig neben ihm auf dem Feld.

(Foto: Philippe Ruiz/Imago)

Der lange verletzte Kapitän Nihad Djedovid absolviert beim 96:80-Ligasieg der Bayern-Basketballer gegen Braunschweig erstmals seit Juni wieder ein Pflichtspiel - und erzielt all seine elf Punkte von der Freiwurflinie.

Von Sebastian Winter

Da war er also wirklich, dieser Mann mit dem Kinn- und Oberlippenbart, er wärmte sich auf, machte dabei einen erfolgreichen Korbleger, hatte einen weniger erfolgreichen Dreipunkteversuch, klopfte seinem Mitspieler Augustine Rubit aufmunternd auf den Rücken. Nihad Djedovic, der Kapitän, stand also am Sonntag tatsächlich im Kader der FC-Bayern-Basketballer im Ligaspiel gegen die Basketball Löwen Braunschweig, und das war für die Fans und auch für Trainer Andrea Trinchieri die wohl beste Nachricht des Tages. Neben dem Endergebnis, das die favorisierten Münchner nach ihrem 96:80 (57:42)-Erfolg als klare Sieger identifizierte. Und Trinchieri sagte später ganz trocken: "Er hat seinen Job gemacht."

Der 31-jährige Djedovic hatte im Juni das Playoff-Finale gegen Alba Berlin bestritten und war zuletzt lange Zeit wegen muskulärer Probleme in der Wade ausgefallen. Im Frühjahr hatte er sich außerdem einer Knieoperation unterziehen müssen. 3:13 Minuten vor dem Ende des ersten Viertels kam Djedovic gegen Braunschweig erstmals aufs Feld, unter dem tosenden Beifall der 2754 Zuschauer, die wegen der neuen 3G-plus-Regel größtenteils maskenlos im Audi Dome saßen. Sie hatten die Rückkehr des Kapitäns herbeigesehnt, in seinen acht Jahren in München ist er längst zu einer Identifikationsfigur geworden. Gut eine Minute nach seiner Einwechslung bekam der Bosnier zwei Freiwürfe zugesprochen - und verwandelte sie. Fünf Punkte gelangen Djedovic im ersten Viertel, allesamt durch Freiwürfe. Danach setzte er sich erstmal wieder auf die Bank.

Geschlossene Mannschaftsleistung: Neben Djedovic punkten fünf weitere Bayern-Basketballer zweistellig

In Djedovic, Co-Kapitän Vladimir Lucic, Leon Radosevic, Paul Zipser, Andreas Obst und Gavin Schilling hatte den Bayern beim Saisonstart wegen Verletzungen und Corona-Infektionen ja ein hochkarätiges Sextett gefehlt, auch deshalb hatte sich Trinchieris Miene in letzter Zeit zusehends verdüstert. In der Bundesliga patzten die Münchner zum Auftakt gegen Ulm, in der Euroleague musste seine dezimierte Mannschaft trotz durchaus ansehnlicher Leistungen zwei Auftakt-Niederlagen gegen Maccabi Tel Aviv (68:69) und, vergangenen Donnerstag, gegen den FC Barcelona (72:80) hinnehmen. Immerhin hatte Lucic vor dem Duell gegen das spanische Spitzenensemble noch seine Trophäe für die Wahl in die Starting Five der Euroleague bekommen - als erster Bundesligaspieler überhaupt. Und Gavin Schilling kehrte für ein paar Minuten Einsatzzeit aufs Feld zurück. Dass nun gegen Braunschweig neben Schilling auch Djedovic wieder im Kader stand, hellte Trinchieris Miene zumindest etwas auf.

Braunschweig erwies sich dabei als zwischenzeitlich zäher, aber insgesamt doch recht dankbarer Gegner. Nach 100 Sekunden stand es bereits 12:3 für die Bayern, die auch dank Djedovics Freiwürfen auf 30:17 davonzogen. Im zweiten Viertel gelang es Braunschweig dann aber, die vielen unnötigen Ballverluste in der Offensive zu verringern - zugleich rauschte die Münchner Wurfquote in den Keller. Die Niedersachsen, bei denen der ehemalige FCB-Shooting-Guard Robin Amaize 13 Punkte erzielte, kamen bis auf drei Punkte heran, die Bayern schienen aus dem Konzept zu sein.

Ihr Spiel stabilisiert sich jedoch wieder, auch weil sie an diesem Nachmittag von ihrer geschlossenen Mannschaftsleistung profitierten: Neben Djedovic, der sich mit elf Punkten - erzielt ausschließlich von der Freiwurflinie - den inoffiziellen Titel als Freiwurfkönig verdiente, hatten Topscorer Deshaun Thomas (18), Ognjen Jaramaz (16), Corey Walden (14), Darrun Hilliard (12) und Schilling (10) zweistellige Werte. Trinchieris Mannschaft baute die Führung auf 57:42 aus, nach dem dritten Viertel stand es 78:62, Braunschweig konnte auch danach nicht mehr kontern. Und Djedovic sah sich die letzten Minuten entspannt auf der Bank an. Später sagte er, bezüglich seiner elf Punkte ausschließlich von der Freiwurflinie: "Das ist, glaube ich, das erste Mal in meiner Karriere." Kein schlechter Wert für ein Comeback nach monatelanger Pause.

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