Anton Gavel hat schon so einiges in seinem Leben als professioneller Basketballspieler gesehen. Den Pokal zum Beispiel hat er in der Basketball-Bundesliga (BBL) viermal gewonnen, einmal mit dem FC Bayern München (2018, zudem deutscher Meister), dreimal mit Bamberg. Das war zu den großen Zeiten der Oberfranken, als sie das Geschehen in dieser rasanten Sportart hierzulande nach Belieben dominierten und in den Jahren 2010 bis 2012 auch das Double holten. Lange vorbei ist die glorreiche Phase in Freak City, wie die Fans ihren Bundesliga-Standort getauft haben. Deshalb haben sie ihren Heroen zurückgeholt, auf die Trainerbank, mit der Empfehlung des deutschen Meistertitels mit Ulm vor zwei Jahren.
Es dürfte aber noch einige Zeit ins Land ziehen, ehe die Bamberger, die nach mehreren Sponsoren- und Namenswechseln nun als BMA 365 Bamberg Baskets firmieren, ihre zehnte Meisterschaft in der Vereinshistorie werden feiern können. Immerhin scheint den Oberfranken der Pokalwettbewerb zu liegen, schon in der vergangenen Saison, als anstatt der Playoffs der Klassenverbleib zum beherrschenden Thema wurde, standen die Baskets im Finale. Das ging allerdings gegen den Mitteldeutschen BC in Weißenfels verloren, und genau dieses Team aus Sachsen-Anhalt war nun Gegner im Achtelfinale. Den Gästen gelang die Revanche, nach dem überdeutlichen 105:78-Triumph stehen die Bamberger im Viertelfinale und der Titelverteidiger, der im Vorjahr noch im Halbfinale den Topfavoriten Bayern München überraschend aus dem Rennen geworfen hatte, ist raus.
Kein Grund für den erfahrenen Gavel, in Euphorie auszubrechen, auch wenn der MBC ungeschlagen mit vier Siegen an der Tabellenspitze steht. Vielmehr bremst er gemäß seinem Naturell die Erwartungen: „Auch wenn es sich komisch anhört, es war nur ein Spiel.“ Ein wenig mehr Begeisterung hätte sich Gavel verordnen dürfen, denn seine Mannschaft hat nach der desaströsen Vorsaison zumindest den Zugang zur neuen Spielzeit sehr passabel gestaltet.
Würzburg leistet sich 21 Ballverluste – und verliert sein Pokal-Achtelfinale bei den bisher sieglosen Oldenburgern
Denn bisher sind die Bamberger ausschließlich auswärts angetreten, ein Programm, das nicht nur nach Gavels Ansicht wohl einzigartig in der Liga ist. „Wir wussten das aber, dass wir unser erstes Heimspiel am 26. Oktober haben, auch wenn es so etwas in Deutschland wohl noch nie gegeben hat.“ Sein Team ist mit Auswärtssiegen in Hamburg und Braunschweig gestartet, die Niederlage bei Aufsteiger Trier nach Overtime hat Gavel geärgert, wie er sagt. Und eine Niederlage beim Meister in München werden noch einige Konkurrenten erleiden, auch da hielten die Bamberger phasenweise gut mit.
Dennoch: „Die komplette Zufriedenheit wird bei mir so schnell nicht herrschen“, sagt der 40-Jährige, der kommenden Freitag Geburtstag feiert, „es ist Saisonanfang, zu früh, um zu wissen, wo wir stehen.“ Immerhin habe er „kleine Schritte nach vorn“ gesehen. Er würde sich wünschen, dass die Entwicklung schneller voranschreitet, aber „wir können nichts überspringen“. Bezahlt macht sich, dass in Ibrahim Watson ein Schlüsselspieler gehalten wurde, der auch beim Sieg in Weißenfels mit 19 Punkten und sieben Rebounds maßgeblich am Erfolg beteiligt war. Die Zugänge Zach Ensminger (9 Punkte, 7 Rebounds), DeMarcus Demonia (12 Punkte) und vor allem Cobe Williams (Topscorer, 22) fügen sich bereits recht passabel ein.
Gavel wäre nicht Gavel, würde er einen Spieler herausheben. Vielmehr erachtet er die Defensivarbeit der zweiten Halbzeit als wichtig für den Sieg, als sein Team nach einer 46:50-Halbzeitführung auf 83:62 vor dem finalen Viertel davonzog. Nun freue er sich auf das Heimdebüt gegen Chemnitz am kommenden Sonntag – und auf den nächsten kleinen Schritt nach vorn.
Weniger erfolgreich verlief das Pokal-Achtelfinale für den fränkischen Rivalen Würzburg, der so grandios mit vier Siegen in vier Spielen in die Saison gestartet ist und dabei unter anderem Alba Berlin schlug. Im Pokal allerdings bleibt es bei einer miesen Serie: Würzburg ist zum vierten Mal hintereinander im Achtelfinale aus dem Pokal geflogen. Dieses Mal auch noch bei den bisher sieglosen Oldenburgern, die eine schwache Partie 61:60 gewannen. 21 Ballverluste waren schlichtweg zu viele, um ein Spiel erfolgreich zu gestalten. Auch gegen einen limitierten Gegner – die Oldenburger stehen nicht zufällig auf dem vorletzten Rang in der Tabelle.
Viel Zeit für Analysen bleibt Würzburgs Trainer Sasa Filipovski nicht, am Sonntag flogen die Unterfranken nach Istanbul, dort steht am Dienstag gegen Galatasaray das Duell der beiden ungeschlagenen Teams der Gruppe D in der Champions League an. Vielleicht liegt das den Würzburgern mehr.

