Süddeutsche Zeitung

Basketball-Playoffs:Reine Nervensache

Der FC Bayern verliert das erste Spiel der Finalserie bei Alba Berlin, zieht seine Lehren und gleicht die Serie zum 1:1 aus. Nun können die Münchner am Wochenende in eigener Halle mit zwei Siegen den Titel holen.

Von Ralf Tögel

Als Andrea Trinchieri bei den Basketballern des FC Bayern sein Amt antrat, hat er ein Versprechen hinterlassen. Egal was passieren mag, egal wie die Ergebnisse ausfallen, eines werde es mit ihm als Trainer nie werden: langweilig. Er hat Wort gehalten. Was schon allein am Naturell des impulsiven Mailänders liegt: Keiner leidet, schimpft und zetert mehr an der Seitenlinie. Und nun hat sich die Saison in der Basketball-Bundesliga (BBL) auch noch zum Playoff-Finale zwischen Alba Berlin und den Bayern verdichtet. Der Titelverteidiger gegen den Pokalsieger, das Duell der beiden deutschen Euroleague-Teilnehmer, die schon den ersten Titel der Saison unter sich ausgemacht haben: Dabei haben die Münchner den Berlinern in eigener Halle die Meriten des Pokalsiegers abgenommen. Und sie haben nun am Wochenende die Gelegenheit, auch die Meisterschaft an selber Stelle vorzeitig zu entscheiden. Denn nach der 86:89-Niederlage im ersten Spiel der Best-of-five-Serie am Mittwochabend hat der FCB tags darauf mit einem 76:66-Erfolg zum 1:1 ausgeglichen. Wer als erster drei Partien gewinnt, ist Meister.

Aus corona-bedingtem Zeitdruck wird die Finalserie im neuen 2-2-1-Format gespielt: Die ersten beiden Spiele (Mittwoch und Donnerstag) wurden beim Hauptrunden-Zweiten Berlin ausgetragen, Samstag und Sonntag (jeweils 15 Uhr) hat der FC Bayern Heimrecht, Vierter nach der regulären Saison. Eine eventuell entscheidende fünfte Partie wäre kommenden Dienstag wieder in Berlin. Der FCB kann also den Titel mit zwei Siegen auf heimischem Parkett vorzeitig holen, zupass kommt den Münchnern, dass auch im Freistaat wieder Zuschauer erlaubt sind: 1300 Fans sind jeweils zugelassen, ein Vorteil angesichts eines "verrückten Spielplans", wie Münchens Anführer Vladimir Lucic findet: "Es ist toll, die Fans zurückzuhaben."

In Berlin machen 2000 Fans Stimmung, in München dürfen erstmals wieder 1300 Zuschauer in die Halle

Der Serbe war beim Sieg in Berlin, als 2000 Zuschauer in der Arena viel Stimmung machten, einmal mehr treibende Kraft der Münchner, zudem erzielte der 31-Jährige mit 26 Punkten neuen persönlichen BBL-Bestwert. Trinchieri indes verwies einmal mehr auf eine Teamleistung: Zwar stach neben Lucic noch D.J. Seeley mit 16 Punkten heraus, Grundlage des Erfolgs aber war die Abwehr, wie Trinchieri fand: "Wenn wir defensiv gut gegen Alba spielen, gewinnen wir, wenn nicht, verlieren wir."

Die Frage war, wo die Bayern in ihrem 88. Saisonspiel die Energie für eine solche Leistung hernahmen, im ersten Viertel dominierten sie Alba mit 20:7 Punkten - der Grundstein zu Sieg war gelegt. Auffallend war zudem, dass die Münchner in Spiel zwei ihre Nerven im Griff hatten: Im ersten Vergleich hatten sich Spieler wie Trainer allzu oft mit Schiedsrichterentscheidungen beschäftigt, besonders Center Jalen Reynolds und Wade Baldwin taten sich dabei hervor. Bis der Spielmacher im letzten Viertel mit zwei technischen Fouls vom Feld flog - und in Schlussphase fehlte. Im zweiten Spiel blieben die Münchner weitgehend ruhig, selbst als Alba Ende des dritten Viertels mit einem 12:0-Lauf die Führung zurückerobert hatte.

Alba-Coach Aito machte die Niederlage an der starken Wurfquote des Gegners in der Schlussphase fest, die hatte in Spiel eins noch für seine Auswahl gesprochen. Nur Trinchieri verlor einmal wegen einer Entscheidung gegen Lucic die Contenance - und kassierte ein technisches Foul. Danach war er wieder ruhig. Vielleicht war es ihm in diesem Moment zu langweilig geworden.

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