Basketball:Eis in den Venen

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Basketball: Rechtzeitig in Galaform: Kapitän Nihad Djedovic (Mitte, in weiß) führte die Bayern-Basketballer in Chemnitz zum dritten Sieg im dritten Playoff-Spiel gegen die Niners.

Rechtzeitig in Galaform: Kapitän Nihad Djedovic (Mitte, in weiß) führte die Bayern-Basketballer in Chemnitz zum dritten Sieg im dritten Playoff-Spiel gegen die Niners.

(Foto: Alexander Trienitz/Imago)

Der FC Bayern München gewinnt in Chemnitz und steht nach dem dritten Sieg im Playoff-Halbfinale. Das 87:80 nach Verlängerung kostet aber viel Kraft. Nun wartet der Vorrunden-Zweite Bonn - mit Heimvorteil.

Von Ralf Tögel

Aufgeben? Keine Option für Nihad Djedovic. Noch nie. Rückblende: Beim letzten Titelgewinn 2019 wurde Djedovic zum wertvollsten Spieler der Finalserie gewählt - kurz darauf verlängerte der Basketball-Profi seinen Vertrag beim FC Bayern bis 2023. Es lief nach Wunsch für den Deutsch-Bosnier, der einen Rekord nach dem anderen beim FCB einsammelte: die meisten Einsätze, die meisten Punkte, die längste Dienstzeit. Doch dann kam der Bruch in seiner Biografie: Im folgenden Jahr verpasste Djedovic die Finalserie in der Blase Audi Dome verletzt, Anfang 2021 musste er sich einer Knie-OP unterziehen.

Es folgten die großen Spiele in der Euroleague, die spannende Viertelfinalserie gegen Mailand, der größte internationale Erfolg des Vereins - Djedovic verfolgte all das im Krankenstand. Für die Meisterschafts-Playoffs kam er gerade so aus der Reha zurück auf das Spielfeld. Zu früh vielleicht, wie er nach dem 1:4 in der Meisterserie gegen Dauerrivale Berlin eingestehen musste. Er, Kapitän und Rekordspieler, wollte seinem Team unbedingt helfen. Der Plan für 2021/22 war klar: Kräfte sammeln in der kurzen Sommerpause und dann mit Volldampf in den Titelkampf. Doch es kam wieder anders.

Schon in der Vorbereitung plagte sich der 32-Jährige mit muskulären Problemen, dann meldete sich wieder das Knie. Insgesamt zwei Monate fehlte Djedovic in dieser Spielzeit, als er sich auf dem Weg der Besserung befand, erwischte ihn auch noch Corona.

"In dieser Phase der Saison zwei freie Tage zu haben, ist sehr viel, man muss regenerieren", freut sich Kapitän Djedovic

Als die Uhr am Freitagabend gen Mitternacht tickte, stand Djedovic in der überhitzten Chemnitzer Messehalle und sagte ganz ruhig: "Vor dieser Kulisse zu spielen und zu gewinnen, ist überragend. Das war eine tolle Basketball-Atmosphäre." Er ist zurück, und wie! Denn am 87:80-Erfolg nach Verlängerung gegen die gastgebenden Niners hatte der Kapitän des FC Bayern entscheidenden Anteil. Lange schien der Favorit, der die ersten beiden Partien souverän gewonnen (77:53 und 93:76) und mit einer sicheren 2:0-Führung in der Best-of-five-Serie nach Sachsen gereist war, auch im dritten Vergleich das bessere Team zu sein.

Doch nach einer 41:31-Führung zur Halbzeit kämpften sich die heimstarken Chemnitzer, angetrieben von 4732 frenetischen Zuschauern, zurück ins Spiel. Die Bayern zeigten sich beeindruckt, noch nie hatte die Mannschaft von Coach Andrea Trinchieri seit dem Aufstieg der Sachsen vor zwei Jahren an deren Heimstatt siegen können, in der aktuellen Saison setzte es gar drei Niederlagen gegen die Niners, darunter das Pokal-Aus im Viertelfinale an selber Stelle. 16:32 gaben die Gäste den dritten Durchgang ab, das vierte Viertel wurde zu einer Nervenprobe. Die Führung wechselte hin und her, Lucic vergab den letzten Wurf: Verlängerung.

Die fünf Minuten Overtime sind schnell erzählt: Djedovic blockt Jonas Richter, Djedovic holt zwei Rebounds, Djedovic trifft per Dreier zur vorentscheidenden 80:76-Führung und stellt erneut aus der Distanz 20 Sekunden vor dem Ende mit seinem Korb zum 85:78 den Sieg sicher. "Wir hatten etwas mehr Eis in unseren Venen", beschrieb Djedovic die von den Bayern cool geführte Schlussphase, was einen besonderen Grund hatte, wie er grinsend anmerkte: "Wir wussten, dass wir uns zwei freie Tage verdienen können, darum haben wir am Ende alles gegeben, was wir im Tank hatten. In dieser Phase der Saison zwei freie Tage zu haben, ist sehr viel, man muss regenerieren."

Das enge und intensive Spiel war ein weiterer Beleg für die enormen Anforderungen dieser langen und von Corona erschwerten Saison. Die Bayern waren bekanntlich am längsten in doppelter Funktion unterwegs bis zum fünften Viertelfinalspiel gegen Barcelona in der Euroleague - vor zweieinhalb Wochen. Zwischenzeitlich galt es noch ein paar Bundesliga-Partien nachzuholen, der Zeitplan blieb brutal, daher lechzen die Spieler nach Erholung. Zumal die Zahl der verletzten und angeschlagenen Akteure stetig hoch bleibt, gegen Chemnitz musste Trinchieri schon früh improvisieren, erst knickte Jason George um, dann musste Spielmacher Zan Mark Sisko (Rückenverletzung) passen.

Nun bleibt immerhin eine Woche Zeit, die Wunden zu lecken und Kräfte zu sammeln. Am kommenden Samstag (20.30 Uhr) geht es gegen die Telekom Baskets Bonn, den Hauptrunden-Zweiten, der gegen den Dritten Heimrecht genießt. Das zweite Halbfinale ist am Montag (20.30 Uhr) an selber Stelle, Spiel drei steigt darauffolgenden Samstag (18 Uhr) im Audi Dome.

Vor dem angestrebten Titel bleibt noch etwas zu tun, wie Djedovic erinnerte: "Das heute war ein wirklich hartes Spiel. Und jetzt geht es für uns weiter."

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