Süddeutsche Zeitung

Basketball-Playoffs:Dragons gewinnen beim FC Bayern

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Dank eines überragenden Point Guards siegt Quakenbrück in München 92:84 und gleicht im Viertelfinale der Playoff-Serie aus. Vor allem in der ersten Hälfte präsentiert sich die Mannschaft von Trainer Dirk Bauermann desolat - Präsident Uli Hoeneß erkennt sie nicht wieder.

Toegel

Auf diesen Beweis seines Fachverstandes hätte Dirk Bauermann gern verzichtet. Der Trainer der Basketballer des FC Bayern München hatte eindringlich vor dem zweiten Viertelfinalspiel gewarnt - als einer von wenigen. Und er sollte Recht behalten, die Artland Dragons Quakenbrück haben die Playoff-Serie mit einem 92:84-Sieg zu ihren Gunsten gekippt. Quakenbrück ist erst das zweite Team, dem es gelungen ist, in der Münchner Halle zu gewinnen.

Der Sieg allerdings geriet aus Sicht der Gäste sogar noch völlig unnötig in Gefahr. Artland agierte 35 Minuten lang ähnlich souverän wie die Bayern zwei Tage zuvor in Quakenbrück. Die Schlussphase gestaltete sich jedoch unschön: 4,49 Minuten waren noch zu spielen, als Steffen Hamann plötzlich auf dem Boden lag. Der überragende Dragons-Spielmacher David Holston hatte nach einem Rempler in Richtung Hamann geschlagen und diesen mit der Hand im Gesicht getroffen. Hamann stürzte spektakulär zu Boden, es gab ein Handgemenge.

Nach einer kurzen Beratung der Schiedsrichter wurden die beiden besten Quakenbrücker Holston (21 Punkte) und Nathan Peavy (10) wegen disqualifizierender Fouls vom Feld gestellt, Anthony King (13) und der Münchner Jared Homan kassierten je ein unsportliches Foul. Zu diesem Zeitpunkt war die Führung der Gäste mit 80:63 aber bereits so komfortabel, dass es für die Bayern in einer mitreißenden Schlussphase nur noch zu einer Resultatsverbesserung reichte.

Es war eine Premiere für die Bayern, das erste Playoff-Spiel in eigener Halle. Und das war gleichzeitig die einzige Erklärung für eine derart mäßige Leistung. In der Pause sah sich Bauermann zu einer ungewöhnlichen Aktion genötigt: Bevor er in die Kabine ging, schnappte er sich das Mikrofon des Hallensprechers und appellierte eindringlich ans Publikum, man möge die Spieler doch weiter unterstützen. Denn die Bayern hatten Unterstützung dringend nötig.

Holston hatte schon unmittelbar nach der Heimniederlage angekündigt: "Wir werden da sein." Die Artland Dragons hielten Wort. Holston hielt Wort. Der 170 Zentimeter große Point Guard war der überragende Mann auf dem Parkett. Die Dragons waren sofort im Spiel, die Folge war eine schnelle 12:5-Führung. Begünstigt durch unerklärlich unkonzentrierte Bayern.

Hoeneß erkennt Mannschaft nicht wieder

Präsident Uli Hoeneß, der in Artland das erste Auswärtsspiel der Saison verfolgt hatte, habe die Mannschaft nicht wiedererkannt: "Kein Biss, keine Aggressivität, viele Ballverluste." Bauermann stimmte dem zu, war aber im Gegensatz zum Präsidenten nicht überrascht. "Ich habe diese Reaktion erwartet. Aber wir haben es auch zugelassen."

Vor allem in der ersten Halbzeit: Egal was Coach Bauermann versuchte, egal wen er aufs Parkett schickte, es war vergeblich. Die Bayern wirkten unkonzentriert, machten haarsträubende Fehler, hatten eine bedenklich schwache Wurfquote. Artland war aggressiver, verteidigte exzellent, traf sicher und führte nach dem ersten Viertel mit 22:13 Punkten. Holston führte gekonnt Regie, setzte seine Nebenleute ein und war zudem gefährlichster Schütze. Nach 15 gespielten Minuten nahm der Rückstand erstmals bedenkliche Ausmaße an: 34:17.

Noch bedenklicher war, dass die Gäste immer die bessere Antwort hatten. Auch als im dritten Viertel das Momentum noch einmal auf Münchner Seite war: Nach einem Dreier von Benzing (10) und zwei Ballverlusten der Artländer verkürzten die Bayern auf 42:59. Näher kamen die Münchner, deren beste Werfer Homan (17), Je'Kel Foster (16) und Chevon Troutman (15) waren, nicht heran - bis fünf Minuten vor der Schlusssirene und der Dummheit des Quakenbrücker Spielmachers.

Nun muss Artlands Trainer Stefan Koch den Bericht der Schiedsrichter abwarten, danach entscheidet eine Liga-Kommission, ob und wie lange Holston und Peavy gesperrt werden. Dementsprechend belegt war der Gäste-Coach, trotz des Sieges: "Wir haben ein schweres Auswärtsspiel gewonnen gegen eine Mannschaft mit vielen Ressourcen. Ich spüre ein gewisses Maß an Zufriedenheit."

Bauermann versuchte, die zweite Halbzeit in den Fokus zu rücken, die mit 54:43 Punkten an sein Team ging: "Wir haben nach der Pause hohe Moral und hohe Qualität gezeigt, das gibt mir Zuversicht für das Spiel am Samstag in Artland." Den Druck schob er gleich mit nach Niedersachsen: "Sie müssen gewinnen. Das ist in so einer Situation nicht einfach, das haben wir heute gezeigt."

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SZ vom 09.05.2012/ros
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