Basketball-FinaleBerlin schraubt München auseinander

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Autsch: Nach seinem Galaauftritt im ersten Spiel wussten die Berliner Münchens Topscorer Andreas Obst (Mitte) wirksam zu bremsen. Hier setzen Norris Agbakoko und Jack Kayil (v.l.) dem Weltmeister zu.
Autsch: Nach seinem Galaauftritt im ersten Spiel wussten die Berliner Münchens Topscorer Andreas Obst (Mitte) wirksam zu bremsen. Hier setzen Norris Agbakoko und Jack Kayil (v.l.) dem Weltmeister zu.
Jenni Maul/Eibner/Imago

Spiel eins ein großes Spektakel, Spiel zwei eine Überraschung: In den Finals der Basketball-Bundesliga erstaunt Alba Berlin mit enormer Treffsicherheit – die Bayern benötigen nun die Fähigkeiten von Andreas Obst.

Von Ralf Tögel

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„Eigentlich“, so sagte Justus Hollatz mit leiser Stimme, „ist nichts passiert.“ Das beschreibt natürlich den Blickwinkel der Münchner Basketball-Profis, die am Sonntagnachmittag gegen Alba Berlin den Ausgleich in der Best-of-five-Serie des Playoff-Finales um die deutsche Meisterschaft hinnehmen mussten. In eigener Halle wohlgemerkt. Der Spielmacher meinte damit, dass es die Münchner nach wie vor in der eigenen Hand haben, ihren Titel zu verteidigen. Was Hollatz nicht erwähnte, war die Tatsache, dass diese Aufgabe nun ungleich schwerer wird, denn auch die Berliner können aus eigener Kraft ihren zwölften Titel gewinnen – und zwar vor eigenem Publikum.

Der 86:79-Triumph vor knapp 11 000 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften SAP Garden bedeutete nach der 94:102-Niederlage im ersten Spiel der Finalserie den Ausgleich, wodurch Alba den Heimvorteil auf seine Seite gezogen hat – denn die beiden nächsten Spiele am Mittwoch und Freitag (jeweils um 20.30 Uhr in der Max-Schmeling-Halle) finden in Berlin statt. Folglich müssen die Münchner mindestens einmal in Prenzlauer Berg gewinnen, um ein fünftes Spiel, das dann wieder in eigener Halle stattfinden würde, zu erzwingen.

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Schon der Sieg zum Finalauftakt am Freitag war aus Sicht der Münchner eine kraftraubende Angelegenheit. Berlin ging mit viel Energie ins Spiel und legte im ersten Viertel immer vor, dank einer enorm hohen Trefferquote, speziell aus der Distanz. Routinier Martin Hermannsson ordnete das Spiel, Justin Bean traf sicher von der Dreierlinie. Und immer wieder fanden die Gäste den 2,17-Riesen Norris Agbakoko frei unter dem Münchner Korb, der so mit 21 Punkten zu ihrem besten Werfer avancierte. Allerdings wissen die Bayern den zum besten BBL-Spieler gekürten Profi in ihren Reihen: Andreas Obst wurde mit 33 Punkten zum Matchwinner und war neben Spielmacher Hollatz, der wie Obst fabelhaft aus der Distanz traf (14 Punkte) maßgeblich am Erfolg beteiligt.

Es war ein sehenswertes Offensivspektakel, beide Teams trafen ungewöhnlich hochprozentig, Albas starke Dreierquote von 43 Prozent wurde vom Meister sogar übertroffen: Jeder zweite der insgesamt 32 Distanzwürfe flutschte durch die Reuse, die 10 760 Zuschauer bekamen Run-and-gun-Basketball erster Güte zu sehen, selbst Bayern-Coach Svetislav Pesic, der erklärter Maßen die Defensive in den Fokus seiner Spielidee stellt, war begeistert: „Das war eines der besten Spiele, die ich in der Bundesliga gesehen habe, vielleicht überhaupt.“

„Sie haben Spieler, die wissen, wie man Meisterschaften gewinnt“, warnt Berlins Coach Pedro Calles

Zwei Tage später hielt sich der Spaß des Altmeisters in Grenzen, zumal die Berliner die von Trainer Pedro Calles angekündigten Anpassungen deutlich besser umsetzten. Vor allem verhinderte die deutlich bissigere Alba-Defensive eine erneute Obst-Show, wie Berlins Nationalspieler Malte Delow bestätigte: „Wenn man Andi zu viel Platz lässt und er ins Laufen kommt, kannst du nur hoffen, dass er nicht trifft.“ Mussten sie nicht, denn Delow und Kollegen ließen dem Münchner Ausnahmeschützen, der ohnehin sichtbar Probleme mit seinen Kräften hatte, nicht viel Luft zum Atmen. Ein Virus hatte den Weltmeister ein paar Tage außer Gefecht gesetzt, Obst fühlte sich schon im ersten Spiel „ehrlich gesagt nicht besonders fit“. In Partie zwei innerhalb von drei Tagen pumpte er schon nach wenigen Minuten und konnte die Partie schließlich nicht mehr herumreißen.

Das war der entscheidende Faktor: Obst (12 Punkte) und Hollatz (10) trafen nicht mehr aus der Distanz, die Kollegen Justinian Jessup und Isaiah Mike erwischten einen fiesen Tag, und zu allem Überfluss nahm Pesic in der entscheidenden Schlussphase auch noch seinen Besten vom Feld: Nenad Dimitrijevic, mit 20 Punkten Topscorer, war es zu verdanken, dass sich die Gastgeber überhaupt noch eine Siegchance erhielten. Während aufseiten des Meisters gerade mal neun von 23 Dreierversuchen ins Ziel fanden, toppten die Berliner ihre herausragende Quote vom Freitag aus der Distanz auf 48 Prozent. Im dritten Viertel traf Berlin sechs von acht Dreiern, vor allem Jungnationalspieler Jack Kayil und Moses Wood brachten ihr Team entscheidend nach vorn. So blieb Pesic hernach nichts weiter übrig, als dem Kollegen Calles zerknirscht „zu einem verdienten Sieg“ zu gratulieren.

Calles sieht sich indes längst nicht am Ziel: „Die Bayern haben viele Spieler in ihren Reihen, die wissen, wie man Meisterschaften gewinnt.“ Auch Malte Delow warnt vor dem düpierten Gegner: „Die Bayern bleiben auch nach diesem Spiel Favorit. Sie haben zwei Tage Zeit, um sich vorzubereiten und Dinge zu ändern. Sie werden ein anderes Gesicht zeigen.“ Gleichwohl hielt der Alba-Guard auch fest, dass die beiden Auftritte in der Fremde das ohnehin große Berliner Selbstvertrauen weiter aufgepumpt hätten. Passend dazu richtete Münchens Justus Hollatz eine Kampfansage gen Hauptstadt: „Wir wussten, dass wir auch mal ein Spiel verlieren werden. Wir werden uns wieder zusammenschrauben und ein, vielleicht auch beide Spiele in Berlin gewinnen.“

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