Basketballer der USADas Ziel: Revanche gegen die aufmüpfigen Germans

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Solider Kader: Die USA treten in Paris unter anderem mit LeBron James (links) und Steph Curry an.
Solider Kader: Die USA treten in Paris unter anderem mit LeBron James (links) und Steph Curry an. Kin Cheung/dpa

LeBron James, Stephen Curry, Kevin Durant: Die US-Basketballer treten bei den Olympischen Spielen mit ihren Allerbesten an. Das liegt auch an der Niederlage gegen die Deutschen – in London kommt es beim letzten Formtest zum großen Wiedersehen.

Von Jonas Beckenkamp

Schon die Begriffe haben es in sich. Wo anderswo von einem schnöden „Test“ oder „Freundschaftsspiel“ die Rede ist, heißt die Sache bei den Basketballern der USA gleich mal „Showcase“. Ein Ereignis soll es werden, wenn die Amerikaner an diesem Montag in London auf Deutschland treffen, nichts weniger. Schließlich gibt sich der Weltmeister die Ehre, das Nonplusultra dieses Sports, die treffsichersten und flinksten Basketballer der Gegenwart, eine Art Dream-Team aus NBA-Größen wie LeBron James, Kevin Durant ... Moment! Weltmeister sind doch die anderen, diese ... Dings, äh: Deutschen?!

Auch ein knappes Jahr nach dem Gewinn des WM-Titels umgibt den deutschen Triumph von Manila im September 2023 noch etwas Surreales. Man kann da schon durcheinanderkommen. Denn die Besten der Welt, das gilt seit jeher als ausgemachte Sache im Basketball, stammen naturgemäß aus den USA. Eine notwendige Gedächtnishilfe also, dass nun kurz vor den Olympischen Spielen in Paris noch einmal der Blick auf die Kräfteverhältnisse schwenkt: Weltmeister Deutschland gegen den angestachelten Herausforderer aus den Staaten, ausverkaufter Millennium Dome in North Greenwich – und auch wenn es nur ein Test ist, treibt die Amerikaner die Lust auf Revanche um.

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Selbst mit LeBron James und Stephen Curry führen die USA die Deutschen nicht mehr einfach so vor, es braucht einen Kraftakt von James, um den 92:88-Sieg im Testspiel zu retten. Die NBA-Elite ist voll des Lobes für den Weltmeister – speziell für Andreas Obst.

SZ PlusVon Jonas Beckenkamp

Der deutsche Weg zu WM-Gold führte bekanntlich über einen kaum für möglich gehaltenen Halbfinalsieg gegen Team USA, als dieses beim 111:113 die Wurfkünste bis dahin für sie weitgehend unbekannter Menschen zur Kenntnis nehmen musste. Andreas Obst und Johannes Voigtmann zum Beispiel, Spieler ohne NBA-Vertrag, die einen Bruchteil dessen verdienen, was in der besten Liga des Planeten auf den Konten landet. Für eine Vorbereitungspartie ist die Fallhöhe also beträchtlich, die Mannschaft von US-Nationaltrainer Steve Kerr will beweisen, dass 2023 nur ein Betriebsunfall war.

Und tatsächlich ist einiges anders als damals. Während Bundestrainer Gordon Herbert gleich zehn seiner Weltmeister von Manila ins Aufgebot für die Spiele berief (nur die Ersatzspieler Justus Hollatz und David Krämer sind nicht dabei), treten die Amerikaner mit einer reichlich veränderten Auswahl ihre Gold-Mission für Paris an. Wie ernst es ihnen ist, lässt sich an den Namen erkennen: Neben Durant und James vereint Kerrs Reisegruppe nahezu die gesamte aktuelle NBA-Elite: Wurfzauberer Stephen Curry, 36, der in seinen Jahren als Nationalspieler noch nie ein Länderspiel verloren hat und kürzlich im Test gegen Serbien mit 24 Punkten glänzte. Jayson Tatum, 26, bester Mann des Champions Boston Celtics. Joel Embiid, 30, vielfach ausgezeichneter Center mit dem Körper einer Korkeiche. Dazu der längst mit Michael Jordan verglichene Anthony Edwards, 22, immerhin einer mit Deutschland-Erfahrung – er war bei der Halbfinalschmach in Manila dabei und klagte damals: „Wir haben es selbst vermasselt.“

2008 traf Deutschland bei den Spielen in Peking auf die USA, damals flog LeBron James noch vor den Augen von Dirk Nowitzki (li.) heran.
2008 traf Deutschland bei den Spielen in Peking auf die USA, damals flog LeBron James noch vor den Augen von Dirk Nowitzki (li.) heran. Imago

Der Kader der Amerikaner zeigt ihre Gereiztheit. Es gilt einiges geradezurücken aus ihrer Sicht, am besten schon mit einem Statement gegen diese aufmüpfigen Germans. „Wir sind uns bewusst, dass dieses Team eine enorme Herausforderung für uns ist – und dass sie bei den Olympischen Spielen einer der Favoriten auf die Goldmedaille sind“, erklärte US-Coach Kerr fast schon devot.

Er weiß aber auch, dass Olympia für die Profis aus der NBA, wie für die amerikanische Öffentlichkeit übrigens, noch einmal einen anderen Stellenwert hat als ein „World Cup“ im fernen Asien, wo man nicht mit der allerersten Garnitur angetreten war. Jetzt sind fast alle über die Grenzen bekannten Spieler dabei und selbst wenn sie sich – wie James, Durant und Curry – schon im fortgeschrittenen Alter befinden, ist dieses Team eine Wucht: Zuletzt besiegte es die stark eingeschätzten Australier und den WM-Zweiten Serbien, ein paar Zirkusnummern inklusive. Es gab am Wochenende in London aber auch einen hart umkämpften Erfolg gegen Südsudan (!), bei dem die USA lange haushoch zurücklagen. Bei Olympia warten in der Vorrunde erneut Südsudan und die Serben sowie Puerto Rico, während Deutschland auf Japan, Brasilien und Frankreich trifft.

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Die deutsche Olympiavorbereitung verlief bislang größtenteils reibungslos

„Schön für den Basketball“ sei das Treffen in London, findet Bundestrainer Herbert, „das wird ein tolles Spektakel“. In der Tat kann er entspannt auf die Partie schauen, denn er weiß, dass auch seine Spieler mit Selbstbewusstsein vollgetankt sind. Die Olympiavorbereitung verlief großteils reibungslos, am vergangenen Freitag gelang ein 104:83 gegen Japan in Berlin, weil Franz Wagner mit 27 Punkten glänzte und seine Hand aus der Distanz wieder den Korb fand. Alle seien fit und vor allem mental auf der Höhe, stellte Herbert fest. Der größte Gegner sei nämlich drohende Selbstzufriedenheit.

Aber die scheint sich bisher nicht eingestellt zu haben. Im Nationalteam sei es „vom Vibe her sehr angenehm“, sagt Franz Wagner, die „Vorfreude“ auf das Duell mit den USA riesig. Dass es auch aus deutscher Sicht eine ernste Angelegenheit wird, unterstreicht der NBA-Mann aus Orlando explizit. Er habe zwar als Kind ein LeBron-James-Trikot gehabt, aber: „Wir sind ja keine Fans, wir wollen schon gut spielen.“ Show hin oder her.

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