Basketballspieler Dennis Schröder:Hat sich Dennis Schröder verschätzt?

Lakers-Profi Schröder steht auf Corona-Liste der NBA

Zweifellos ein begnadeter Spielmacher, wie Dennis Schröder durchaus auch bei den Los Angeles Lakers bewies - doch wohin sein Weg in der NBA führt, ist weiterhin völlig offen.

(Foto: Carlos Osorio/dpa)

Noch immer hat der Deutsche keinen neuen Vertrag unterschrieben, die NBA-Teams bieten ihm zu wenig Geld. Dabei hatte er vor Monaten ein lukratives Angebot auf dem Tisch.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es gibt nun dieses kurze Video von Dennis Schröder auf Instagram. Es wäre eine Untertreibung zu behaupten, dass es für Aufregung sorgt, so wie es eine Untertreibung wäre zu sagen, dass Schröder ein brauchbarer Basketballspieler ist. Denn er ist ein grandioser Basketballspieler, so wie er auch ein grandioser Skateboarder ist, und genau das ist in diesem Video zu sehen: Schröder im Skatepark, er präsentiert Kickflip, Backside Grind, Manual, noch einen Backside Grind und einen Kickflip über die Rail.

Locker sieht das aus, aber, und das haben die Olympischen Spiele in Tokio gerade gezeigt: Skateboarding ist ein gefährlicher Sport, und hat Schröder nicht deshalb auf die Teilnahme beim olympischen Basketballturnier verzichtet, weil die Verletzungsgefahr und damit die Versicherungssumme zu hoch gewesen wären? Warum in aller Welt veröffentlicht er so ein Video, wo er noch immer ohne Verein ist?

Es ist erstaunlich, was da gerade mit Schröder passiert in der nordamerikanischen Profiliga NBA. Die Free Agency läuft, und man muss sich das Handeln um Akteure ohne Vertrag vorstellen wie eine Mischung aus Domino, Abschlussball und Reise nach Jerusalem: Vereine wollen innerhalb der Regeln des Tarifvertrages, den nur Mathematikgenies verstehen, möglichst gute Spieler verpflichten. Die wollen - je nach Alter und persönlichen Zielen - Geld verdienen, Titel gewinnen, die eigene Marke schärfen. Es darf vom 2. August an verhandelt, offiziell aber erst vier Tage später ein Vertrag unterzeichnet werden. Wenn der erste Dominostein fällt, dann geht es los, und irgendwann werden die zu vergebenden Plätze in den Kadern immer weniger. Schröder jedoch steht sozusagen in der Ecke und wartet.

Was ist passiert?

Zu Beginn des Jahres war Schröder für die Free Agency als einer der begehrtesten Spieler fest eingeplant. Er war Stamm-Spielmacher bei Titelkandidat Los Angeles Lakers, er legte LeBron James und Anthony Davis die Bälle für Dunkings auf. Lakers-Manager Rob Pelinka wollte verhindern, dass es zu Flirts mit anderen Interessenten kommt. Er bot 84 Millionen Dollar für vier Spielzeiten, 21 Millionen pro Saison also. Das ist viel Geld, und all jenen, die lästern, dass Schröder das Angebot hätte annehmen sollen, sei gesagt: Ja, das hätte er tun sollen, allerdings wäre bei einem Titel für die Lakers (ein realistisches Ziel, wären James und Anthony nicht lange verletzt gewesen) auch ein dreistelliger Millionenbetrag drin gewesen. Es war also Pokern, und zum Zeitpunkt des Verzichts hatte er grandiose Karten in der Hand. Im Nachhinein ist man freilich immer schlauer.

Lakers-Legende Magic Johnson kritisiert Dennis Schröder hart

Danach nämlich ging so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann am Ende einer Saison: Schröder verpasste ein paar Spiele, weil er aufgrund der Covid-Regeln der NBA in Quarantäne musste. Es gab erst Aufregung darüber, ob er geimpft ist - und dann darüber, ob er den Impfstatus von Kollege James womöglich falsch veröffentlicht hatte. Seine Spielweise in den Playoffs, in denen die Lakers in der ersten Runde scheiterten: lustlos. Zwischenzeitlich löschte er gar von seinem Instagram-Profil den Eintrag, dass er Lakers-Spielmacher ist. Schröder ist ein ausgebuffter Social-Media-Nutzer, er war sich bewusst, dass so etwas für Irritationen sorgt - wie nun das Skating-Video. Nach der Saison urteilte Lakers-Legende Magic Johnson: "Ich glaube nicht, dass er diese Mentalität und diesen Siegeswillen hat, den es braucht, um ein Laker zu sein."

Es standen trotzdem immer noch 100 Millionen Dollar im Raum, und das führte zum Verzicht auf Olympia; es hieß, dass die Versicherungspolice bei 400 000 Euro gelegen habe. Das ist viel Geld, und Schröder glaubte wohl nicht, dass er sich in Tokio hätte empfehlen können, wie es Moritz Wagner, 24, getan hat. Wagner hat auch wegen der guten Leistungen im Sommer einen Zweijahres-Vertrag bei den Orlando Magic bekommen. Das Team aus Florida hat überdies Wagners jüngeren Bruder Franz, 19, bei der Talentbörse an achter Stelle gewählt.

Ein Verein, der sich neu aufstellt, gibt keine 100 Millionen Dollar für einen 27-Jährigen aus

Es war gewiss nicht die Aufgabe von Schröder, zur Police beizutragen, und so konnte er in Tokio kein anderes Bild von sich zeichnen. Es bleibt der Eindruck der lustlosen Playoffs und das vernichtende Urteil von Johnson. Und viele Interessenten aus dem Frühjahr haben mittlerweile anders geplant; die Chicago Bulls holten die Spielmacher Lonzo Ball (New Orleans Pelicans) und Alex Caruso (Lakers), die Lakers verpflichteten Russell Westbrook und verzichteten auf ein neues Angebot für Schröder. Der steckt nun in der Falle, wegen der Struktur der NBA, in der es nur noch zwei Sorten von Klubs gibt: die Titelkandidaten und jene, die sich mittelfristig neu aufstellen. Erstere haben ihre Kader weitgehend gefüllt und kaum Spielraum bei der Gehaltsobergrenze - ein Team, das sich neu aufstellt, gibt keine 100 Millionen Dollar für einen 27-Jährigen aus, der womöglich keine Lust auf Neuaufbau hat. Es ist eben ein knallhartes Geschäft, und die NBA-Unternehmen zeigen Schröder deutlich, dass sie ihm das, was er gerne haben will, keinesfalls zahlen wollen.

Es gab zwar Verhandlungen mit den Boston Celtics, doch da wurden die Eigenheiten des Tarifvertrags ersichtlich. Es gibt zwei Möglichkeiten: Die Lakers geben Schröder einen Vertrag und gehen sogleich ein Tauschgeschäft ("Sign and Trade") mit den Celtics ein. Die würden Josh Richardson nach Los Angeles schicken - damit das klappt, müsste Schröder den Regeln zufolge in etwa verdienen, was der Vertrag von Richardson wert ist: 11,6 Millionen Dollar. Die Lakers scheinen aber kein Interesse daran zu haben, weil es für sie bedeuten würde, dass sie wegen der Luxussteuer beim Überschreiten der Gehaltsobergrenze zusätzliche 46 Millionen Dollar zahlen müssten - 11,6 Millionen Gehalt plus 2,975 Dollar für jeden Dollar über dem Salary Cap, in diesem Fall 34,51 Millionen. Und das nur, um Richardson zu kriegen.

Bliebe die "Non-Taxpayer Mid-Level Exeption" (MLE), bei der die Celtics allerdings nur 9,5 Millionen Dollar für die kommende Saison bieten könnten. Oder die Golden State Warriors, die allerdings über ihre MLE nur 5,7 Millionen offerieren dürfen. Das wäre viel weniger Geld, und vielleicht ist Schröder ja auch deshalb im Skatepark zu sehen: Die Police für eine künftige Versicherung dürfte angesichts der derzeit im Raum stehenden Gehälter lediglich ein Bruchteil von je fürs Olympia-Turnier sein.

© SZ/klef/bkl/and/jkn
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