Alex Mumbru ist ein Basketballtrainer der angenehmen Sorte. Nicht selten hat man es in diesem Berufsfeld mit Cholerikern zu tun, die brüllend am Spielfeldrand stehen und denen man nach Niederlagen besser keine unangenehmen Fragen stellt, um nicht ansatzlos angeblafft zu werden. Mumbru dagegen sitzt lächelnd in der Pressekonferenz und versucht, den ersten Misserfolg seiner Mannschaft zu erklären. Das ist gar nicht so einfach, denn gerade haben 11 500 begeisterte Menschen im ausverkauften Münchner SAP Garden verdeutlicht, wie groß die Erwartungen an die deutsche Nationalmannschaft sind. Die 81:91-Niederlage gegen Serbien im Endspiel des als Supercup titulierten Vorbereitungsturniers wird diese vielleicht etwas dämpfen, der Druck auf den neuen Bundestrainer ist dennoch groß.
Seit einem Jahr ist der 46-jährige Katalane sportlich verantwortlich für den Weltmeister, dessen Ansprüche sich aus dem Gewinn der EM-Bronzemedaille 2022, dem WM-Titel ein Jahr später und Platz vier bei Olympia in Frankreich speisen. Zumal die Mannschaft weitgehend unverändert ist: Zwar fehlt in Moritz Wagner ein Schlüsselspieler, dafür kann Mumbru nachrückende Talente wie Tristan da Silva, 24, einbauen. Da Silva geht wie die Wagner-Brüder bei den Orlando Magic in der NBA zu Werke und hat eine passable erste Saison hinter sich. Er bewies vor allem im Endspiel gegen die Serben mit 14 Punkten, viel Spielwitz und Tempo seine Möglichkeiten. Oder Justus Hollatz, Spielmacher des deutschen Meisters Bayern München, der vor allem beim 73:71-Sieg gegen die Türken im Halbfinale dieses Turniers überzeugte. Nach schwachem Start und phasenweise deutlichem Rückstand kam der 24-Jährige von der Bank und brachte den Umschwung.
Im Kern wird sich Mumbru allerdings auf die Weltmeister verlassen, von denen zehn im 15-köpfigen Aufgebot stehen. Dieses Team wird Mumbru nach eigenem Bekunden wahrscheinlich noch vor den beiden Testspielen gegen Spanien (21. August in Madrid, 23. August in Köln) auf zwölf Akteure reduzieren wird, ehe der deutsche Tross zum ersten EM-Spiel gegen Montenegro (27. August) ins finnische Tampere abhebt.
Offensichtlich gibt es im Spiel gegen Serbien Diskussionsbedarf zwischen Trainer und Anführer
Es bleibt wenig Zeit, um ein neues System zu implementieren und den Rhythmus zu finden. Mumbru hat angekündigt, dass er nicht den Fehler begehen und in einem stimmigen Kollektiv alles auf links drehen werde. Er will aber im Gegensatz zu seinem so erfolgreichen Vorgänger Gordon Herbert, dessen Mantra kontrollierte Offensive und harte Defensivarbeit war, schneller spielen lassen und dem Team mehr Freiheiten geben. Mumbru war selbst ein großer Spieler, Welt- und Europameister mit Spanien, so einer will nicht nur verwalten, er will eigene Ideen einbringen, gestalten. Wie das funktioniert, wird sich im Misserfolg weisen. Herberts größte Qualität war es, eine Einheit zu formen, klare Hierarchien unter Anführer Dennis Schröder zu installieren. Offensichtlich gab es im Spiel gegen Serbien bereits einigen Diskussionsbedarf zwischen Anführer und Trainer.

Denn dieser Gegner legte in einem Spiel der beiden EM-Favoriten, das trotz Vorbereitungsstatus phasenweise begeisterte, die Defizite im deutschen Team recht anschaulich offen. Was natürlich zuvorderst an den NBA-Kräften Bogdan Bogdanovic, Nikola Jovic und natürlich Nikola Jokic lag. Vor allem unter den Körben fehlte es dem Weltmeister an Physis, dort dominierte Jokic; der Center der Denver Nuggets war nicht ohne Grund dreimal wertvollster Spieler der NBA. Zwar schleppte der 2,11-Meter-Hüne mit dem Wandschrank-Kreuz ein paar Pfunde Urlaubsfreuden mit aufs Spielfeld, dennoch setzte er mit seiner Präsenz und Übersicht die entscheidenden Akzente. Hier könnte es sich als Achillesferse erweisen, dass NBA-Champion Isaiah Hartenstein wegen der enormen Belastungen in der langen US-Saison seine Teilnahme absagte – was nicht bei allen Beteiligten gut ankam.
Es wäre aber nicht korrekt, dem deutschen Team nach zwei Siegen gegen Slowenien und gegen die Türkei, beides Medaillenanwärter bei der EM, nun nach der Niederlage gegen den Favoriten ein schlechtes Zeugnis auszustellen. Zumal die deutsche Auswahl bewiesen hat, dass sie auch gegen diesen Gegner bestehen kann. „Serbien hat ganz klar besser gespielt“, befand Schröder, erinnerte daran, dass man „einen neuen Trainer, ein neues Konzept, ein neues System und viele Verletzte“ habe und „noch zusammenkommen“ müsse, sagte aber auch: „Wir sind okay, werden das analysieren und besser zurückkommen.“
Die Vorbereitung hätte in der Tat kaum rumpeliger ausfallen können, ständig musste Mumbru auf Personal verzichten. Gegen die Serben fehlten die beiden Center Daniel Theis und Leon Kratzer sowie der verletzte Dreierspezialist David Krämer. Immerhin war Maodo Lo, der „ein paar Verletzungen aus der vergangenen Saison mitgebracht“ hat, wie er sagte, erstmals dabei und hinterließ einen guten Eindruck. Auch Johannes Voigtmann konnte nach einem Infekt wieder mitwirken, ist aber sichtbar nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Theis immerhin bestätigte, dass sein Aussetzen eine Vorsichtsmaßnahme war: „Das war der Plan. Ich habe zuletzt zwei Monate ausgesetzt, aber es ist alles in Ordnung.“ Dass das deutsche Team noch „physisch und athletisch“ zusetzen müsse, hatte er erkannt, gerade hierfür ist sein Mitwirken unerlässlich.

Mumbru erklärte, dass er den Spielern die nötige Zeit zur Erholung und Genesung zugestehen werde, und die eineinhalb Wochen mit viel Training und den beiden Spielen gegen Spanien für Feinabstimmung nutzen wolle. Viel wird von Schröder und Franz Wagner, der einmal mehr bester deutscher Korbschütze war, abhängen. Auf die Frage, warum Mumbru – entgegen Vorgänger Herberts Mantra, dass immer einer der beiden auf dem Feld stehen müsse – beiden gleichzeitig Pausen gönnte, erklärte der Bundestrainer, dass er „zehn weitere Spieler habe, an die ich glaube“.
Ob das Teil der Vorbereitung ist, um jedem Akteur angemessen Einsatzzeiten zu geben, um den finalen Kader zu fixieren? Oder ob das auf eine neue Strategie hinweist? Mumbru lächelt freundlich.

