Süddeutsche Zeitung

Basketball:Mit blauem Auge und neuer Energie

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Nach dem Abstieg drohte dem TSV Wasserburg als ehemaligem Serienmeister des deutschen Frauenbasketballs ein Sturz ins Bodenlose. Nun hat er die Voraussetzungen für einen Neustart in der zweiten Liga geschaffen.

Von Andreas Liebmann

Am Ende stand allgemeine Erleichterung, und das hat selbst den Vorsitzenden "ein bisschen überrascht", wie Bastian Wernthaler zugab. Die Basketballabteilung seines TSV Wasserburg hat sich am Montagabend im Rahmen einer Mitgliederversammlung offiziell zu einem Neustart in der zweiten Bundesliga Süd durchgerungen. Nach dem Abstieg des deutschen Serienmeisters im Frauenbasketball hatte es zuletzt durchaus zur Debatte gestanden, sich tiefer in den Amateurbereich zurückzuziehen, angesichts bröckelnder Strukturen, ohne Hauptsponsor und Abteilungsleitung. Nun aber ist klar: Das vakante Amt hat Johanna Retzlaff übernommen, und für den Fortbestand eines Zweitligisten gebe es "ein solides finanzielles Konzept", wie der Verein in einer Pressemitteilung festhielt, "mit seriöser Planung unter Einbeziehung externer Fachleute".

Wernthalers positive Verwunderung gründete in seiner Befürchtung, dass bei Mitgliederversammlungen ganz allgemein gerne am Wert von Profiteams in Abwägung mit den Belangen von Jugend- und Breitensport gezweifelt werde. In diesem Fall habe er aber das deutliche Gefühl bekommen, dass alle Anwesenden von der Bedeutung des Bundesligateams für den Basketballstandort überzeugt gewesen seien. Und so kann sich der TSV Wasserburg nun an die Zweitligaplanung machen.

"Ich habe ein gutes Gefühl für unsere Zusammenarbeit", sagt die neue Abteilungsleiterin Johanna Retzlaff

Zwei Schlüsselpersonalien stehen fest: Rebecca Thoresen, die das Team Mitte der Vorsaison als Coach übernahm und den Abstieg fast noch verhindert hätte, soll weitermachen. Und in Johanna Retzlaff, 41, steht erstmals seit Längerem wieder eine Basketball-Expertin der Abteilung vor. Beide sind ehemalige Spielerinnen. Thoresen kam als Profi und lebt in Wasserburg, Retzlaff kommt hier aus der Jugend, stieg mit Wasserburg in die zweite Liga auf, ehe sie für 20 Jahre nach München und Leipzig zog. Inzwischen zurück, habe sie den Abstieg mitbekommen und sei schockiert gewesen, sagt Retzlaff, da wollte sie helfen. Wie Thoresen arbeitet auch sie als Lehrerin, außerdem als Karrierecoach. "Ich habe ein gutes Gefühl für unsere Zusammenarbeit."

Mit der Weiterbeschäftigung Thoresens verbindet der Verein die Hoffnung, dass nun auch ein Großteil der deutschen Spielerinnen bleibt. "Niemand legt sich fest, solange die Trainerfrage offen ist", weiß Wernthaler. Außerdem gebe es mit ein paar Talenten und routinierten Spielerinnen aus der Umgebung bereits weit fortgeschrittene Gespräche.

Ein Gerüst aus ausländischen Profis wie bisher ist dagegen nicht geplant - und auch nicht möglich. Aus der vergangenen Saison sind Schulden geblieben. Deren genaue Höhe sei noch nicht klar, aber sie seien auch für einen großen Verein wie den TSV Wasserburg "deutlich spürbar", wie Wernthaler sagt. Einen Teil werde der Hauptverein übernehmen müssen, auch deshalb solle das künftige Budget der Basketballabteilung so gestaltet sein, "dass wieder etwas reingewirtschaftet wird und wir hoffentlich mit einem blauen Auge davonkommen". Insgesamt sei das alles "unerfreulich", räumt er ein, andererseits sei diese Mannschaft 20 Jahre lang das Aushängeschild des Vereins gewesen.

Leicht hat sich der TSV Wasserburg die Richtungsentscheidung nicht gemacht, das lässt sich auch daran ablesen, dass die Versammlung erst einen Tag vor Ablauf jener Frist stattfand, zu der ein Rückzug aus Liga zwei noch möglich gewesen wäre. Nun aber herrscht Zuversicht. Die Signale der deutschen Spielerinnen um Regisseurin Levke Brodersen seien sehr positiv, sagt Retzlaff, auch ein ausländischer Profi sei im Budget enthalten. Ein oberer Mittelfeldplatz solle möglich sein - wobei es sicher dauern werde, die geplante "bunte Mischung" zu einer Einheit zu formen.

"Wir sind spät dran, aber ich freue mich wirklich drauf", sagt Thoresen, die schon der Abstiegsmannschaft zuletzt viel Energie zurückgegeben hatte. Diese, hofft sie, werde mit dem neuen Management noch mehr werden.

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