Basketball-Meisterschaft Kampf der Könige

Die Basketballer des FC Bayern München gehen in einem energiegeladenen Playoff-Finale gegen den Dauerrivalen Alba Berlin 1:0 in Führung.

Von RAlf Tögel

Es war auf den Tag genau ein Jahr vergangen, seit die Münchner in eigener Halle den entscheidenden fünften Sieg zur Meisterschaft in der Basketball-Bundesliga feierten. Am Sonntag startete der deutsche Meister mit einem 74:70-Erfolg in die Neuauflage der Finalserie gegen Alba Berlin. In einer von zwei giftigen Abwehrreihen dominierten Partie behielten die Gastgeber letztlich etwas glücklich, aber nicht unverdient, die Oberhand und verhinderte so den Fehlstart des Vorjahres.

Bayern-Trainer Dejan Radonjic wirkte erleichtert. Die Frage, was es zu verbessern gebe, werde er im Kreise der Mannschaft erörtern, sagte er. "Wichtig ist in den Playoffs nur eines: ein Sieg." Sein Berliner Kollege Aito Garcia Reneses hingegen erklärte öffentlich, wo er die Ursachen für den Misserfolg im ersten Duell sah: "Wir waren mal gut in der Defense, dann in der Offense. Nie beides gleichzeitig, das müssen wir über 40 Minuten besser machen."

Nemanja Dangubic kann fliegen! Hier dunkt er zur ersten Münchner Führung im ersten Playoff-Finalduell – und setzt gegen den Berliner Rokas Giedraitis ein deutliches Zeichen.

(Foto: kolbert-press/Matthias Stickel/imago images)

Radonjic hatte erwartungsgemäß die Sicherheitsvariante gewählt, für Braydon Hobbs und das anarchische Element im Spiel der Bayern blieb damit kein Platz. Der amerikanische Guard ist bekannt für seine sehenswerten aber risikoreichen Aktionen, sein Vorgesetzter aber misstraut seinen Defensivqualitäten. Die Bayern haben die Qual der Wahl, weil die Regularien der Liga nur sechs Ausländer pro Partie erlauben, muss einer auf die Tribüne. Radonjic gab also Nemanja Dangubic den Vorzug, der Serbe ist trotz seiner 2,04 Meter Größe ein flinker und aggressiver Abwehrspieler, einen guten Distanzwurf hat der 26-Jährige darüber hinaus. Gegen eine Klassemannschaft wie die des Hauptstadtklubs war das die richtige Entscheidung, wie sich schnell herausstellen sollte. Der Finalgegner hat mit knapp 89 Punkten im Schnitt die beste Offensive, und die Gäste stellten ihre Fähigkeiten umgehend unter Beweis.

Es war viel die Rede von der ungewöhnlich langen Pause: Weil beide Halbfinalisten mit einem makellosen 3:0 in der Best-of-five-Serie ins Finale gestürmt waren, blieb eine lange Woche Zeit bis Sonntag. Eine derartige rhythmusstörende Pause gebe es nirgendwo sonst auf der Welt, moserte Nihad Djedovic im Vorfeld, er hatte wohl so eine Vorahnung, wie schwer sich seine Mannschaft mit dem Start in die Serie tun würde. Das Spiel des Titelverteidigers geriet in der Anfangsphase völlig daneben, leichte Fehler und schlechte Würfe machten es den Berlinern im kanariengelben Dress leicht, schnell davonzuziehen. Ehe sich die Münchner versahen, lagen sie 0:11 zurück, was auch am famosen Berliner Spielgestalter Peyton Siva lag, der seine Teamkollegen immer wieder in Szene setzte und 14 Punkte erzielte. Allen voran fand er Center Landry Nnoko, der 2,08 Meter lange Kameruner war nicht nur wegen seiner zwölf Punkte ein wahrlich großer Berliner Faktor unter den Körben.

Djedovic übernahm immer wieder Verantwortung und traf. Er war mit 18 Punkten Topscorer

Aber nach dem ersten Schrecken kämpften sich die Gastgeber ins Spiel, was vor allem an Djedovic lag. Der Routinier scheint keine Nerven zu kennen, er übernahm immer wieder Verantwortung und traf; Djedovic war mit 18 Punkten bester Schütze. Rechtzeitig zur ersten kurzen Pause traf Petteri Koponen dann den ersten Dreier für den FCB zum 18:22-Anschluss, der Meister war wieder im Spiel. Dass Berlin neben München das Team mit der größten Qualität im Kader ist, wussten die Gäste trefflich zu beweisen: Alba verteidigte bissig und hielt den knappen Vorsprung bis kurz vor der Pause, ehe Dangubic einen krachenden Dunk für den Titelverteidiger zum 36:35 versenkte - es war die erste Münchner Führung der Partie. Weil aber Derrick Walton Jr. (7) bei seinen Freiwürfen die Ruhe bewahrte, ging Alba mit einem 37:36-Minipolster in die Kabine.

Fortan war es der erwartet energiegeladene Vergleich der beiden besten deutschen Teams: Es wurde um jeden Ball gekämpft, es wurde gedunkt, die Protagonisten beharkten sich nach allen Regeln der Kunst. Ein hochklassiger Vergleich war es deshalb nicht, indes ging es kaum spannender - die Führung wechselte hin und her. Erarbeitete sich Berlin in Person von Siva einen Vorsprung, beantworteten die Bayern dies mit einem Dreier von Koponen (11) oder einem Korbleger des nimmermüde rackernden Kapitäns Danilo Barthel (14). Kein Team konnte sich absetzen, auch weil sich die Gäste von der grandiosen Kulisse im mit 6500 Zuschauern ausverkauften Dome nicht beeindrucken ließen.

So kam es, wie es wohl in einem Kräftemessen zwischen München und Berlin kommen muss: Die Entscheidung fiel in den letzten Sekunden - mit einem krachenden Dunk von Bayerns NBA-Import Derrick Williams (8) und zwei Freiwürfen von Barthel.