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Basketball:Kritik am Gesundheitsamt

GER, MagentaSport BBL Pokal, Gruppenphase, Rasta Vechta vs BG Göttingen / 24.10.2020, RASTA-Dome, Vechta, GER, MagentaS

Wegbereiter: Luke Nelson führt Göttingen mit 17 Punkten und zehn Vorlagen zum 99:87-Pokalsieg gegen Vechta.

(Foto: imago images)

Die Quarantäne für zwei Teams stößt in der Bundesliga auf Unverständnis.

Von Joachim Mölter

"Das große Thema der Saison wird Flexibilität sein müssen", hat Stefan Holz vor anderthalb Wochen gesagt, kurz bevor die Basketball-Bundesliga (BBL) mit ihrer neuen Saison anfing. Da hat der BBL-Geschäftsführer Holz noch nicht geahnt, wie schnell diese Flexibilität gefordert sein würde. Wegen der Corona-Pandemie hat die BBL ihren Pokalwettbewerb in diesem Spieljahr dem Ligabetrieb vorschalten wollen: Noch vor der ersten Bundesliga-Runde sollte der Cupsieger ermittelt sein, so war der Plan. Doch der ist schon hinfällig.

Wegen sechs Corona-Fällen beim Pokalverteidiger Alba Berlin waren dessen drei Vorrundenspiele sowie die ursprünglich für Anfang November in München vorgesehene Finalrunde bereits auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Nun kamen an diesem Wochenende kurzfristig drei weitere Spielabsagen dazu, nachdem es bei Medi Bayreuth zwei positive Corona-Fälle und bei den Telekom Baskets Bonn einen Fall gegeben hatte. Die jeweils zuständigen Gesundheitsämter stellten daraufhin die kompletten Teams unter Quarantäne. Deswegen konnten in den vier Vorrundengruppen bislang nur zwei Endrundenteilnehmer ermittelt werden - die BG Göttingen und Ratiopharm Ulm.

Im Gegensatz zur Situation bei Alba Berlin, wo die Team-Quarantäne wegen der diffusen Infektionslage verständlich ist, stößt die Entscheidung der Gesundheitsämter in den anderen Fällen auf Kritik. "So werden unsere Hygienekonzepte, für die wir von Politik und Behörden viel Lob erhalten haben, ad absurdum geführt", sagte Holz am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Nach Einschätzung der Liga-Experten "wäre es absolut zu verantworten gewesen, nur die Infizierten zu isolieren und die Spiele stattfinden zu lassen". Zu den Fachleuten der BBL gehört auch der Gesundheitsökonom Florian Kainzinger, der bereits mit Erfolg das Finalturnier der BBL im Juni konzipiert und zuvor die Fußballer bei der Wiederaufnahme ihres Spielbetriebs im Frühjahr beraten hatte.

Es stehe jedenfalls "in keinem Verhältnis, wenn eine ganze Mannschaft mit 20 Leuten für zwei Wochen wegsperrt wird", findet Holz: "Wenn das die Regel wird, funktioniert es definitiv nicht mehr." Noch sei alles machbar, versichert der BBL-Geschäftsführer: "Wir sind ganz früh in der Saison, und die Saison ist lang. Aber es ist schwierig."

© SZ vom 26.10.2020

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