Basketball in der NBA:Geschubse und Gewühl in der Abwehr

In Houston haben sich die Verantwortlichen ein mehr als ordentliches Team gebastelt. Vergangene Saison fehlte nicht viel zum Finaleinzug, jetzt mutste man zwar Flügelspieler Trevor Ariza ziehen lassen, dafür könnte aber ein anderer bekannter Name kommen: Carmelo Anthony. Sollten sich die Gerüchte um seine Verpflichtung in den nächsten Tagen bestätigen, hätten die Rockets erneut einen Kader für einen weiten Playoff-Run beisammen. "Ich bin richtig froh, bei einer so guten Mannschaft zu sein", sagt Hartenstein, "klar ist da auch Geduld gefragt, aber ich kriege bestimmt meine Chancen." Als Center oder großer Flügelspieler kann er darauf hoffen, dass neben dem alternden Brasilianer Nenê und dem Schweizer Energiebündel Clint Capela unter den Körben Arbeit für ihn abfällt.

Aber nicht nur da, denn Hartenstein ist ein Spieler modernster Prägung - ein sogenannter "Stretch Four", der mit seiner Vielseitigkeit auf dem Parkett Räume schafft. "Ich kann außen und innen spielen", erzählt Hartenstein, "das ist gewiss ein Vorteil. Wichtig ist, sich schnell zu einzugewöhnen." Auch wenn er erst 20 und ein Einsteiger ist: Allein zum Handtuchschwenken von der Bank tritt er nicht in Texas an. "Gegen die Superstars in der Defensive dagegen zu halten, wird sicher nicht einfach, aber ich fühle mich bereit." Vielleicht ist das Gewühle und Geschubse in der Abwehr auch gar nicht so entscheidend, denn die Rockets zelebrieren unter ihrem Coach Mike D'Antoni lieber ihr Dunk -und Dreierspektakel.

Hartenstein ist mit seinen langem Armen und seinem Spielverständnis dafür bestens ausgebildet, auch ein paar Muskeln hat er sich inzwischen antrainiert. Er durchlief das Jugendprogramm beim TSV Quakenbrück, spielte unter seinem Vater als Coach in der Jugend-Bundesliga und später, als 16-Jähriger, auch in der BBL. Über ein Ausbildungsjahr beim litauischen Topklub Zalgiris Kaunas führte sein Weg schließlich in die USA. Am Ende ist sein Aufstieg natürlich ein Produkt, das sich aus Talent und Schweiß in der Trainingshalle ergibt. Hartenstein findet: "Man muss viel opfern, ich konnte zum Beispiel früher nie viel mit Freunden machen, sondern habe immer trainiert."

Doch die neue deutsche Welle in der NBA liegt eben auch an einer verbesserten Jugendförderung in Deutschland - und an geschickten Karriereplanungen, die Nachwuchsspielern das beste aus der Welt des Basketballs angedeihen lassen. Auch Maxi Kleber (Würzburg, Spanien, München), Moritz Wagner (Alba Berlin) oder neuerdings Isaac Bonga (Fraport Skyliners) starteten einst bei deutschen Vereinen, ehe sie Amerika lockte. Und vielleicht bevölkern bald noch mehr Deutsche die Glitzerparkette der NBA. Die U20 des DBB gewann soeben Bronze bei der Europameisterschaft - selbst ohne ihre eigentlich noch spielberechtigen USA-Legionäre.

© SZ.de
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