Basketball:Impuls aus Niedersachsen

Lesezeit: 3 min

Deshaun Thomas (FC Bayern Muenchen) (am Ball), Harper Kamp (BG Goettingen) (L) , Basketball, Bundesliga, BBL, BG Goetti

Zu stark: Münchens Topscorer Deshaun Thomas (re.) setzt sich athletisch gegen Harper Kamp und James Dickey (v. li.) durch.

(Foto: Roland Sippel /Eibner/Imago)

Die Basketballer des FC Bayern München tun sich bei der BG Göttingen lange schwer, ziehen aber dank ihrer individuellen Klasse am Ende des dritten Viertels davon und gewinnen souverän 80:66.

Von Ralf Tögel

Ganz offenbar benötigten die Basketballer des FC Bayern einen Impuls bei ihrem Gastspiel in Niedersachsen, den schließlich Harper Kamp lieferte. Münchens Gavin Schilling kollidierte zwei Minute vor Ende des dritten Viertels mit dem bulligen Göttinger Flügelspieler, der von dem kleinen Check nach hinten taumelte und sich bei den Schiedsrichtern beschwerte. Diese sanktionierten die Aktion des Münchner Centers mit einem unsportlichen Foul, Harper verwandelte seine beiden Freiwürfe zum 47:50-Anschluss. Doch danach hatten die Bayern ob der vermeintlich ungerechten Strafe schlagartig die nötige Aggressivität aufgebaut, um die bis dahin offene Partie mit einem 15:0-Lauf zu entscheiden. Letztlich gewannen die Münchner ungefährdet mit 80:66 Punkten und absolvierten den Transfer von glitzernder Euroleague in das graue Tagesgeschäft der Basketball-Bundesliga (BBL) souverän.

Ganz so problemlos, wie es Nihad Djedovic hernach beschrieb, war es aber nicht. Der Bayern-Kapitän sah eine Dominanz "von der ersten bis zur letzten Sekunde", dabei waren die Gastgeber Mitte des dritten Viertels nach einem anfänglichen 5:0 nochmals mit 38:37 in Führung gegangen, ehe eben Harper den Gegner zu sehr reizte. Djedovic allerdings wusste wohl, wie er und seine Teamkollegen jederzeit zulegen können, was sie dann auch eindrucksvoll bewiesen. Und das ohne den Chef, denn Trainer Andrea Trinchieri hatte vom Arzt den dringenden Rat bekommen, zu Hause das Bett zu hüten, anstatt sich in der Göttinger Arena herumzutreiben. Die beiden hart erkämpften Siege in der Euroleague gegen Fenerbahce Istanbul und Panathinaikos Athen hatten den ohnehin stark erkälteten Münchner Coach an den Rand seiner Kräfte gebracht, so dass er an seinen Assistenten Slaven Rimac übergab und in der Heimat seine Bronchitis kurierte.

Die Bundesligisten haben zwei Wochen Länderspielpause - nicht aber die Bayern, die spielen zweimal in der Eurolegue

Es ist ja stets die große Kunst für die Bayern, vom viel beachteten höchsten internationalen Wettbewerb auf das Tagesgeschäft umzuswitchen, in Würzburg und zuletzt beim Pokal-Aus in Chemnitz war das nicht gelungen. Kapitän Djedovic warb um Verständnis: "Wir spielen mit der Doppelbelastung der Euroleague bei einem Team, das sich sieben Tage auf uns vorbereiten kann, das ist schwer." Entsprechend zäh gestaltete sich die Angelegenheit auch - bis zum Göttinger Impuls. Zwar waren die Bayern nach dem 0:5 zu Spielbeginn auf 13:5 weggezogen, schafften es aber nie, die Göttinger abzuschütteln. Die wiederum vergaben viele freie Würfe, überhaupt war der Vergleich von überschaubarem Niveau. Aber dieser FCB-Kader, in dem Vladimir Lucic und Othello Hunter eine Pause bekamen, ist immer in der Lage, einen Gegner wie Göttingen mit einem Zwischenspurt in die Schranken zu weisen. Was die Münchner auch eindrucksvoll bewiesen, gegen die Athletik von Deshaun Thomas, der mit 18 Punkten Topscorer war, und Augustine Rubit (10), oder die Treffsicherheit von Djedovic (15) und Andreas Obst (11) war die BG letztlich machtlos. Die Münchner sind mit dem Sieg an die Tabellenspitze gesprungen und freuen sich nun auf die Länderspielpause.

Und sie haben den Kollegen von Brose Bamberg mit ihrem Erfolg einen Gefallen getan: Denn den Göttingern wurde es so verwehrt, die Oberfranken vom sechsten Platz zu verdrängen. Mit nun 10:8 Punkten bleibt Brose als Siebter auf Tuchfühlung zur Tabellenspitze, die von den Bayern (12:4 Punkte) eingenommen wird. Bamberg hatte sein Spiel gegen die nun zweitplatzierten Bonner deutlich mit 80:100 Punkten verloren. Auch eine starke Leistung von Christian Sengfelder mit 24 Punkten war vergebens, entschieden wurde das Heimspiel laut Trainer Johan Roijakkers bereits in der ersten Halbzeit: "Wir haben im ersten Viertel gut mitgehalten. Das zweite war dafür desaströs und wir haben dort das Spiel verloren. Die zweite Halbzeit war dann nur noch fürs Ergebnis." Verzichten musste Bamberg zudem auf Kenneth Ogbe, der vor dem Spiel positiv auf Corona getestet wurde. Nationalspieler Ogbe, der wie das komplette Team vollständig geimpft ist, hatte über leichte Beschwerden geklagt und war sofort isoliert worden. Die daraufhin durchgeführten Tests von Mannschaft und Betreuerstab fielen allesamt negativ aus.

Nach der zweiwöchigen Länderspielpause steht für die Bamberger das Franken-Derby gegen Medi Bayreuth auf dem Programm, das wiederum am Samstag einen deutlichen 100:68-Heimsieg gegen den Mitteldeutschen BC feierte und seinerseits als Tabellenzwölfter (8:6 Punkte) den Anschluss an die Playoff-Plätze hergestellt hat. Für die Münchner im Übrigen wird die Pause ungleich kürzer ausfallen, weil die Euroleague auf die Nationalmannschaft keine Rücksicht nimmt. Am Donnerstag, wenn Deutschland WM-Qualifikation gegen Estland spielt, muss der FC Bayern zum schweren Auswärtsspiel bei ZSKA Moskau reisen, eine Woche später gastiert Villeurbanne. Und nach nur einem Tag Pause geht es in der BBL beim MBC weiter.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB