Basketball:Höhere Etats, größere Hallen: BBL setzt auf Wachstum

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Stefan Holz ist der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga. Foto: Nicolas Armer/dpa (Foto: dpa)

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Köln (dpa) - Beste Liga 2020 - so lautete das hehre Ziel, das sich die Basketball-Bundesliga vor vielen Jahren auf die Fahnen geschrieben hatte. Der damalige Liga-Boss Jan Pommer wiederholte das Motto immer wieder gebetsmühlenartig.

Doch als das Jahr 2020 gekommen war, war der Basketball-Primus Spanien immer noch das Nonplusultra in Europa. Sowohl was die internationalen Erfolge als auch die finanzielle Kraft der ACB anging. Ist die BBL also gescheitert? Nein, findet Stefan Holz, der 2015 die Nachfolge von Pommer antrat. "Die Vision 2020, die beste Liga Europas zu werden, hat schon ihren Zweck erfüllt", sagte der BBL-Geschäftsführer der Deutschen Presse-Agentur.

Denn auch wenn das sowieso recht schwammige Ziel mit der besten Liga Europas nicht erreicht wurde - einen gewaltigen Sprung hat Deutschlands Eliteliga in den vergangenen 10 bis 15 Jahren auf jeden Fall gemacht. Sowohl was die sportliche Qualität als auch die infrastrukturellen und wirtschaftlichen Parameter angeht.

BBL mit Zehn-Jahres-Strategie "Triple Double"

In Alba Berlin und Bayern München gehören zwei deutsche Teams seit Jahren zum festen Bestandteil der Euroleague. Insgesamt sind in dieser Saison aktuell noch neun Clubs international vertreten. Und auch was die Größe und Modernität der Hallen sowie die Etats angeht, hat die BBL große Sprünge gemacht - bei denen es aber nicht bleiben soll.

Weshalb die Liga nun ihre neue, wegen der Coronavirus-Pandemie um zwei Jahre verspätete Zehn-Jahres-Strategie unter dem Titel "Triple Double" vorstellte. In den Bereichen Club-Budgets, mediale Reichweite und sportlicher Erfolg will die BBL ihre Werte bis 2032 verdoppeln. "Es geht um Ambition und darum, die Clubs hinter einer gemeinsamen Idee zu versammeln", sagte Holz, der von einer "breiten Mehrheit" für die Beschlüsse sprach.

Demnach müssen die Etats der Vereine bis 2032 von aktuell mindestens drei auf dann mindestens sechs Millionen Euro gesteigert werden. Unter anderem erreicht werden soll das durch größere Hallen. Die Mindestgröße soll ab der Saison 2032/33 bei 4500 Zuschauern liegen, Clubs aus größeren Städten müssen sogar eine noch größere Arena vorweisen.

Für so manchen kleineren Verein in der Liga stellt das eine große Herausforderung dar. Vereine wie Göttingen oder Würzburg werden sich strecken müssen, um die Anforderungen an eine solche Halle erfüllen zu können. "Das war das dickste Brett zu bohren. Aber die Halle ist unbestritten ein Treiber für Erlöse", begründete Holz die Vorgehensweise.

Das wissen auch die Verantwortlichen in den Clubs, die die neuen Anforderungen der Liga nun auch als Druckmittel in Gesprächen mit ihren Städten bei geplanten Hallenprojekten nutzen können. "Auf lange Sicht sind wir ohne eine neue Halle eh nicht wettbewerbsfähig", sagte Würzburgs Geschäftsführer Steffen Liebler der "Main Post".

Zweitligisten vor Teilnahme am Pokal-Wettbewerb

Vergrößern könnte die immer weiter fortschreitende Professionalität der Bundesliga die Kluft zur Zweiten Liga Pro A. Sollen die stetig steigenden Anforderungen also dafür sorgen, die Liga mittelfristig auf 16 Clubs zu reduzieren, um den durch die vielen internationalen Wettbewerbe aufgeblähten Terminkalender zumindest ein wenig zu entzerren? "Dass wir den Aufstieg durch die Hintertür abschaffen wollen, ist absoluter Quatsch", wehrt sich Holz. "Die letzten vier Aufsteiger liegen alle jetzt schon im Bereich unsere Zukunftsplanungen", sagt der BBL-Chef mit Blick auf Heidelberg, Chemnitz, Rostock und Hamburg.

Sozusagen als Zeichen des guten Willens sollen ab der neuen Saison auch Zweitligisten am Pokal-Wettbewerb teilnehmen dürfen, der bislang noch ein exklusiver Zirkel der Erstligisten ist. Der Wettbewerb soll damit den aus dem Fußball bekannten Charakter mit Duellen zwischen David und Goliath erhalten. "Ich habe immer gesagt, dass wir mit dem Pokal noch nicht am Ende der Entwicklung sind", sagte Holz.

Höhere Attraktivität soll auch die Einführung eines sogenannten Play-In-Turniers vor den Playoffs bringen. Nur noch die ersten Sechs nach der Hauptrunde werden dann automatisch für die K.o.-Runde qualifiziert sein, die Teams auf den Rängen sieben bis zehn spielen die restlichen zwei Playoff-Teilnehmer aus. Von "ambitionierten" und "mutigen" Beschlüssen, spricht BBL-Präsident Alexander Reil. In zehn Jahren wird man sehen, ob sie etwas gebracht haben.

© dpa-infocom, dpa:221202-99-750301/3

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