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Basketballer Heiko Schaffartzik:Wie ein künftiger Trainer

BBL easyCredit Basketball Bundesliga Saison 2019/2020 13. Spieltag am Donnerstag, 26. Dezember 2019 im Telekom Dome in

An guten Tagen immer noch unnachahmlich: Heiko Schaffartzik (Mitte).

(Foto: Patrick Franck/imago)
  • Der frühere Nationalspieler Heiko Schaffartzik nahm sich eine Auszeit und gewöhnte sich schon an die Zeit nach der Karriere.
  • Nun lenkt er das Spiel beim Bundesliga-Aufsteiger Hamburg Towers.

Was das Leben nach dem Basketball angeht, davon weiß Heiko Schaffartzik, 35, schon ein bisschen mehr als andere Kollegen, die auf das Ende ihrer Karriere zusteuern. Er hat es schon einmal getestet mit einer einjährigen Auszeit. Der 115-malige Nationalspieler hat gefühlt wie das ist, ganz ohne die Strukturen des Profidaseins zu Rande zu kommen. Er musste seinen Tag selber gestalten ohne Training und Physio-Termine, sich um Versicherungen kümmern. Und das Geld kam auch nicht mehr automatisch auf sein Konto.

Herausgekommen ist in dieser Zeit zweierlei: Er möchte gern einmal Basketballtrainer werden, weil er diesen Sport so gut versteht wie kaum etwas anderes. Andererseits ist da der Hang zu etwas Kreativem: Schreiben, Schauspielerei, Musik. Was macht man aus diesen Vorlieben?

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Heiko Schaffartzik hat diese Entscheidung vorerst verschoben, indem er im September noch einmal beim Bundesliga-Aufsteiger Hamburg Towers angeheuert hat. Er hat sich einfangen lassen von der "Aufbruchstimmung" im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg, einer Elbinsel. Hamburg ist die elfte Stadt in der Laufbahn des gebürtigen Berliners. Nun hat er eine kleine, von den Towers gestellte Wohnung bezogen. Aus dem Fenster guckt er auf Wasser, aber auch auf Industrieanlagen, was nicht besonders inspirierend ist. Aber er hat es noch einmal geschafft, "übertrieben fit" zu werden, wie er sagt.

Zu Beginn fremdelte er im neuen Team, er musste seine Rolle erst finden

Ob das den Towers etwas nützt, ist noch nicht entschieden. Derzeit belegt das vom früheren Nationalspieler Marvin Willoughby 2014 mitbegründete Projekt den drittletzten Platz; einige Spiele zu Beginn gegen Meister Bayern München (55:111) oder in Ulm (69:102) gingen dermaßen in die Hose, dass man an der Tauglichkeit des Teams für die höchste Klasse zweifeln konnte. Davor hatte Willoughby verkündet, der Aufsteiger wolle um die Playoff-Teilnahme mitspielen.

Schnell merkte Schaffartzik, der zuletzt 2015 für die Bayern in der Bundesliga spielte und auch sein Aufbauprogramm nach seinem Sabbatical dort absolvierte (er wohnte in der Wohnung des früheren Bayern-Trainers Svetislav Pesic), dass er sich zunächst auf die neuen Teamkollegen einstellen musste, die natürlich nicht die Qualität der Bayern-Profis haben. Beim Pick and roll, das sah er schon bei den ersten Trainingseinheiten, stand der Center nicht da, wo er sich eigentlich hinbewegen musste - was bei einem neu formierten Team aber durchaus normal ist.

Als Willoughby vor vier Wochen in einem Abendblatt-Interview eine kritische Zwischenbilanz zog, sagte er: "Uns fehlt bisher eine klare Hierarchie. Unsere potenziellen Führungsspieler haben in dieser Beziehung unseren Erwartungen noch nicht entsprochen." Das war wohl auch auf Schaffartzik bezogen, der seine Rolle noch finden musste. Viele seiner Statistiken - Punkte, Assists, Freiwürfe - waren nicht schlechter als zu besten Zeiten. Nur die große Stärke des Spielmachers, der Drei-Punkte-Wurf, schien ihm abhanden gekommen zu sein. Vielleicht, weil er das Gefühl hatte, alles machen zu müssen.

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