Basketball:Geflohener Grübler

Josh HUESTIS ( 34, FCBB). Basketball, FC Bayern (FCB) - ZSKA Moskau (ZMO), Euroleague, Saison 2019/2020, Round 18, am 1

Auch in München viel Verletzungspech: Josh Huestis (rechts) kam für die Bayern selten zum Einsatz.

(Foto: Oryk Haist / imago)

Die Basketballer des FC Bayern werden keinen Ersatz für den Forward Josh Huestis verpflichten. Das Engagement des früheren NBA-Profis für Oklahoma City stand von Beginn an unter keinem guten Stern.

Von Ralf Tögel

Man muss schon etwas bemühen, um ein Spiel aus dem Gedächtnis hervorzukramen, in dem Josh Huestis einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Das Heimspiel der Basketballer des FC Bayern München gegen Titelverteidiger ZSKA Moskau zum Beispiel, als sich die verkorkste Euroleague-Saison zwischenzeitlich zum Besseren zu drehen schien - ein Strohfeuer, wie man mittlerweile weiß. Oliver Kostic hatte in seinem ersten Spiel als Cheftrainer den US-Amerikaner in die Startformation beordert, was unter dem entlassenem Vorgänger Dejan Radonjic nie der Fall war. Der 28-Jährige dankte es dem neuen Chef mit einer Topleistung, 17 Punkte bedeuteten Saisonbestwert des vielseitigen Flügelspielers. Doch dieser sehenswerte Auftritt von Huestis, der seine Stärken in der Defensive sieht, war nicht von Bestand. Nun hat er die Bayern auf eigenen Wunsch verlassen, man habe sich in beiderseitigem Einvernehmen auf eine Vertragsauflösung geeinigt, wie man dann so sagt.

Dass die Münchner von der Entscheidung des 28-Jährigen überrascht wurden, findet auch in den dürren Zeilen zu seinem Abschied Ausdruck. Das Engagement des Flügelspielers stand von Beginn an unter keinem guten Stern, denn Huestis verletzte sich bei der Vorbereitungsreise der Bayern nach Übersee in Miami, seine Rückkehr verzögerte sich immer wieder, ehe er in besagtem Spiel gegen Moskau erst Anfang Dezember sein Comeback feierte. Huestis war ja mit der Empfehlung von 76 NBA-Spielen für die Oklahoma City Thunder an die Isar gewechselt, doch auch zu seinen Zeiten in den USA wurde er immer wieder von Verletzungen gebremst.

Im Draft 2014 war er in der ersten Runde an Nummer 29 von den Thunder gezogen worden, in der Saison 2017/2018 zählte er erstmals zur festen Rotation mit durchschnittlich gut 14 Minuten Einsatzzeit in der besten Liga der Welt. Vor seinem Wechsel nach München aber lief er in der G-League für das Farmteam von San Antonio auf, weil er wegen einer Fußverletzung monatelang außer Gefecht war und die Vorbereitung im NBA-Kader verpasste. Beim deutschen Meister wollte er sich vor allem auf der Euroleague-Bühne beweisen und zu alter Stärke zurückfinden, doch erneut machte ihm sein Körper einen Strich durch die Rechnung. Die Knieverletzung von Miami erwies sich doch als gravierend.

Der 2,01 Meter große Modellathlet gilt als introvertierter Profi, als einer, der viel nachdenkt, und so gar nicht dem Klischee des oberflächlichen amerikanischen Basketball-Profis entspricht. Der Absolvent der renommierten Stanford University in Kalifornien ist ein eloquenter Gesprächspartner, der nachdenkt und wohl formulierte Sätze von sich gibt. Zuletzt bekam Huestis aber wenig Einsatzzeit, in Barcelona schmorte er das ganze Spiel auf der Bank, in Bayreuth stand er nicht einmal im Kader. Zu viel für einen Grübler mit NBA-Ambitionen, Huestis bat um die Auflösung seines Vertrages und hat sich am Dienstagabend von der Mannschaft verabschiedet. Sportdirektor Daniele Baiesi hatte Huestis als "modernen Combo-Forward, der uns viel Energie und Vielseitigkeit geben wird" angekündigt, wohin es den Profi aus Webster in Texas nu zieht, ist nicht bekannt. Die Münchner jedenfalls werden die freie Stelle nicht neu besetzen, wie der Klub mitteilt, zumal der Kader für die im Mai beginnenden Playoffs um die deutsche Meisterschaft immer noch einen Ausländer zu viel ausweist: In der Basketball-Bundesliga (BBL) dürfen im Gegensatz zur Euroleague nur sechs mitwirken. Und die Euroleague-Saison ist für den deutschen Meister praktisch gelaufen, die K.o.-Runde seit geraumer Zeit außer Reichweite.

Was im ungünstigsten Fall ja auch für die BBL blühen kann, denn im Laufe des Donnerstags wird die Liga entscheiden, wie der Spielbetrieb angesichts der Corona-Krise weiterlaufen wird. Es steht unter anderem ein vorzeitiges Ende des Spielbetriebs im Raum.

© SZ vom 12.03.2020
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