Letztlich geht es ums Geld. Und um Emotionen. Das sind auch die beiden bestimmenden Parameter im Sport, sobald dieser die Amateurebene verlässt und somit jeglicher Romantik verlustig geht. Jüngstes Beispiel: die beiden Basketballvereine FC Bayern München und Baskets Bamberg in ihrem Ringen um den begehrtesten deutschen Trainer – und der sehr bekannte und noch mehr enttäuschte ehemalige Bamberger Aufsichtsratsvorsitzende und Mäzen. Wie so oft bleiben in solchen unschönen Geschichten hernach nur Verlierer – und offene Fragen.
Was ist passiert?
Dass der deutsche Basketballmeister FC Bayern München für die kommende Saison einen neuen Trainer sucht, ist seit Langem bekannt, Altmeister Svetislav Pesic hat angekündigt, sich endgültig in den Ruhestand zu verabschieden. Auch, dass Anton Gavel an seine Stelle rücken soll, ist in eingeweihten Kreisen seit geraumer Zeit mehr als ein Gerücht, kleiner Haken: Gavel hat noch eine Saison Vertrag in Bamberg. Im Normalfall unterbreitet der werbende Klub ein Angebot, der abgebende Verein macht die Braut noch ein wenig hübscher und man trifft sich irgendwo in der Mitte. Aber was ist schon normal im Spitzensport?
Offenbar verspürt der FC Bayern wenig Lust, tief in die Tasche zu greifen, vielmehr ergibt sich die Möglichkeit, wie die Münchner recht günstig an den begehrten Trainer kommen könnten. Gavel hat sein Arbeitspapier nur digital unterzeichnet, was nach seiner Ansicht ohne nachgereichte Schriftform nicht gültig ist und den befristeten Vertrag zu einem unbefristeten werden lässt. Und selbiger kann mit vierwöchiger Frist ordentlich gekündigt werden. Was Gavel getan hat. Doch darüber gibt es wenig verwunderlich unterschiedliche Ansichten der beiden Parteien.
Digital gezeichnete Verträge sind nicht nur im Basketball Usus, oft weilen Spieler im Urlaub oder in Übersee, in den seltensten Fällen setzen die Klubs Boten mit Arbeitspapieren in einen Flieger.
Aber wie ist dieses Dilemma zu lösen?
Wird man sich finanziell über eine Entschädigung nicht einig, wie in diesem Fall, bleibt der Gang vors Gericht. Mit schwer zu antizipierendem Ausgang. Jüngstes Beispiel ist der Fall des Handballprofis Manuel Zehnder, der sich beim HC Erlangen aus seinem digital unterschriebenen Kontrakt herausklagen wollte – weil die Erlanger seine Kündigung nicht akzeptierten. Zehnder verlor in zwei Instanzen. Ehe er ein weiteres Verfahren anstrengte, einigten sich die Parteien außergerichtlich, der HCE bekam eine Ablöse. Es ist anzunehmen, dass dies – in welcher Form auch immer – das wahrscheinliche Szenario auch in dieser Causa sein wird. Dass ein Trainer, der sich aus einem Vertrag herausklagen will, seine Arbeit wieder aufnimmt und eine neue Mannschaft aufbaut, als wäre nichts gewesen, ist schwer denkbar.
Welche Rolle spielt Michael Stoschek?
Im Verein mittlerweile eine untergeordnete, denn der langjährige Alleingesellschafter und Hauptgeldgeber der Bamberger Basketball GmbH, dessen Engagement die großen Erfolge der Bamberger erst ermöglichte, hat vor drei Jahren seine Anteile verkauft. Der 78-Jährige unterstützt seinen Herzensklub aber nach wie vor finanziell aus privaten Mitteln, wie er nun mitteilte. Das tat Stoschek in einem Interview, das er explizit dem Hamburger Abendblatt und Sport Bild anbot. Vor allem, um seiner Enttäuschung Ausdruck zu verleihen, was das Gebaren von Gavel und dem FC Bayern angeht. Und um anzukündigen, dass er seine Unterstützung für den Bamberger Basketball komplett einstellen werde. Was mitnichten bedeutet, dass der Basketballstandort Bamberg in Gefahr gerät. Zwar haben die Baskets den kleinsten Etat der Liga, dennoch werden sie diesen moderat erhöhen, weil die Planungen zwar mit Gavel, aber unabhängig von Stoscheks Zuwendungen erfolgt sind.
Wer sind die Verlierer?
Alle. Zuvorderst natürlich Gavel, der zwar schon als Spieler von Bamberg nach München gewechselt war (mit ähnlichem Getöse), nun aber besonders nach dem Auftritt von Stoschek als Buhmann dasteht. Sein Wechsel ist aber, ähnlich wie der von Geschäftsführer Thorsten Leibenath aus Ulm, der ebenfalls einen wütenden Gesellschafter hinterließ, der logische nächste Schritt einer erfolgreichen Karriere. Die Enttäuschung in Bamberg ist nachvollziehbar, denn Fanliebling Gavel hat den Klub mit dem Pokalsieg und dem Meisterschafthalbfinale nach Jahren des Darbens reanimiert. Der FC Bayern ist die Rolle des superreichen Bösewichts gewohnt, bekommt einen auch in München sehr geschätzten Toptrainer und kann abwarten, bis sich der Rauch verzogen hat.
Was bleibt?
Die Erkenntnis, dass im Profisport für Sentimentalität kein Platz ist, letztlich ist es nichts anderes als ein Geschäft. Anton Gavel wird kommende Saison ein unschönes Gastspiel in Oberfranken erleben, die Baskets werden mit einem neuen Trainer – dem Vernehmen nach kommt der ehemalige Braunschweiger Erfolgscoach Jesus Ramirez – eine neue Mannschaft aufbauen. Und die Bayern werden mit Gavel und Weltmeister Johannes Thiemann, der ebenfalls kommen wird, den nächsten Anlauf nehmen, um in der Euroleague die Playoffs zu erreichen.

