Basketball Frauen Zuschauermagnet

Die Berlinerin Satou Sabally gehört zu den größten Talenten im College Basketball. Mit ihrem variantenreichen Spiel begeistert sie Trainer und Publikum - und könnte schon bald die vierte Deutsche in der WNBA werden.

Von Raphael Weiss, Eugene/ München

Poesie in Bewegung, so beschreibt Oregon-Ducks-Trainer Kelly Graves das Spiel von Satou Sabally. Spektakuläre Blocks, schöne Assists, elegante Dribblings und sichere Dreier. Sabally ist auf dem Court eine absolute Allrounderin. "Sie bringt uns hunderte neue Zuschauer, weil es einfach so schön ist, ihr zuzuschauen", sagte Graves dem US-amerikanischen Sender Pac-12 Networks. Die 20-jährige Berlinerin spielt ihre zweite Saison in der amerikanischen College-Liga National Collegiate Athletic Association (NCAA). In dieser Zeit hat sie sich zu einer der besten Spielerinnen bei den Oregon Ducks entwickelt, einem Team, das als Mitfavorit auf den Titel im als "March Madness" bekannten NCAA-Tournament gilt. In der Nacht von Freitag auf Samstag begann für Sabally und die Ducks der wahnsinnige März. Schönspielen ist in dem harten Turnier, bei dem jede Niederlage das Aus bedeutet, nur eine Nebensache. Das auch der Kampf durchaus im Repertoire von Sabally steckt, bewies sie in dem Spiel, das eines der besten ihrer Karriere werden sollte.

Diese Karriere begann vor elf Jahren. Als Sabally neun war, entdeckte sie ein Scout vom Deutschen Basketballbund auf einem Berliner Spielplatz. Er lud sie zu einem Sichtungsturnier ein und seitdem walzt sie sich ihren Weg durch den Basketball, immer weiter nach oben: Mit 15 Stammspielerin in der Zweiten Bundesliga beim TuS Lichterfelde, mit 17 Umzug nach Freiburg, um bei den USC Eisvögeln in der Ersten Liga zu spielen, zwei Jahre später dann der Schritt in die USA. Saballys Ziel ist klar: die Women's National Basketball Association (WNBA), die beste Frauen-Basketballliga der Welt. Die Wahl eines Colleges war nicht einfach, denn die Berlinerin wurde von vielen umworben. Damals wurde sie von der renommierten Seite Prospect Nation als größtes internationales Talent eingestuft.

Sabally brauchte nur eine kurze Eingewohnungszeit in Oregon

Ihre Wahl fiel auf die University of Oregon im Nordwesten der USA, wo sie seit 2017 Politikwissenschaften studiert - und vor allen Dingen in einer der besten College-Mannschaften des Landes Basketball spielt. Sabally brauchte nur eine kurze Eingewöhnungszeit. Gleich in ihrem ersten Ligaspiel erzielte sie elf Punkte, holte vier Steals und gab drei Vorlagen. In ihrem elften Spiel stand sie in der Startformation und ist seitdem nicht mehr daraus wegzudenken. Am Ende ihrer Debüt-Saison wurde sie vier Mal zum Freshman der Woche gewählt, dem College Pendent zum Rookie of the Week aus der NBA. Sie hatte von allen Debütanten die meisten Punkte erzielt und mit ihrer Mannschaft das Pac-12 Turnier gewonnen, den Saisonabschluss der Pacific Coast Conference.

Es ist ein steiler Aufstieg, den Sabally in Oregon nimmt und der möglicherweise seinen Höhepunkt in dem Titel im March Madness findet. Im vergangen Jahr scheiterten die Ducks im Viertelfinale am späteren Sieger aus Notre Dame. Die diesjährigen Ambitionen unterstrich die Mannschaft am Freitag gegen Portland eindrucksvoll. Die Gäste konnten nur wenige Minuten das Tempo der Favoriten mitgehen. Sieben Minuten um genau zu sein, dann begann Oregon, angeführt von Sabally, einen 13:3-Lauf, von dem sich Portland nicht mehr erholte. Zur Halbzeit hatte die Berlinerin schon 14 Punkte und sieben Rebounds geholt. Der Abstand zwischen den beiden Mannschaften betrug zu diesem Zeitpunkt 20 Punkte.

Wird Sabally die vierte Deutsche in der WNBA?

In der zweiten Halbzeit wurde der Unterschied zwischen den beiden Teams noch deutlicher. Während Oregon Korb um Korb holte, brauchte Portland ganze sechs Minuten, um zum ersten Mal im zweiten Durchgang zu punkten. Am Ende stand es 78:40. Ein Ergebnis, das Mut für den weiteren Verlauf des Turniers macht. Sabally war an diesem Abend die beste Spielerin. Mit 21 Punkten und 16 Rebounds stellte sie eine neue Karriere-Bestleistung auf. Am Sonntag (Ortszeit) können die Ducks einen weiteren Schritt in Richtung Titel machen. Im Spiel gegen die Indiana Hoosiers ist Oregon wieder klarer Favorit. Es ist Saballys vorletzte Chance auf den Titel. Denn nach der nächsten Saison wird sie ihr Studium beenden und aller Voraussicht nach den Schritt in den professionellen Basketball gehen.

Die Chancen stehen gut, dass Sabally die vierte deutsche Basketballerin wird, die den Sprung in die WNBA schafft. Aktuell ist dort mit der Rheinland-Pfälzerin Marie Gülich, 24, nur eine Deutsche vertreten. Und wer weiß, vielleicht steht die fünfte deutsche WNBA-Spielerin auch schon bereit. Eine Teamkameradin Saballys verpasst den March Madness wegen einer Knie-Operation. Ihr Name: Nyara Sabally - Satous kleine Schwester.