Süddeutsche Zeitung

Basketball:Zu viele Alpha-Griechen

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Die ersatzgeschwächten Bayern ärgern sich, gegen den Euroleague-Tabellenzweiten Piräus nichts Zählbares erreicht zu haben. Sie bleiben Vorletzter, die Ansprüche an sich selbst sind dennoch schon wieder gestiegen.

Von Christoph Leischwitz

Andrea Trinchieri und der Gästecoach Georgios Bartzokas hatten sich nach der Schlusssirene noch einiges zu sagen, und sie gingen ganz offensichtlich auch nicht mit komplett einhelliger Meinung auseinander. Der Trainer der FC Bayern-Basketballer sprach nach der 71:82-Niederlage auch noch von ein paar "Solala-Entscheidungen" der Schiedsrichter in der Schlussphase dieser Euroleague-Partie. Und auf die Frage, ob man denn zumindest von einer guten Mannschaftsleistung sprechen könne, antwortete der 54-Jährige sinngemäß, dass man da einiges Gutes rauslesen könnte, aber so richtig interessierte ihn vor allem: "Wir hatten eine Chance zu gewinnen." Kurz: Trinchieri ärgerte sich, nichts Zählbares mitgenommen zu haben - obwohl man sich als Tabellenvorletzter darüber gar nicht so ärgern müsste, gegen den Tabellenzweiten.

Die Ansprüche an sich selbst sind schon wieder gestiegen, nachdem die Mannschaft einen Fehlstart mit fünf Niederlagen in Serie im internationalen Wettbewerb mit zwei Siegen beantwortet hatte. Außerdem hatte Trinchieri nun endlich seine komplette Mannschaft zusammen und in Niels Giffey vergangene Woche ja auch noch einen erfahrenen Spieler hinzugewonnen.

Endlich kann der Trainer aus dem Vollen schöpfen, doch da schlägt die Grippe zu

Doch Mitte der Woche der nächste Rückschlag: Gleich mehrere Spieler meldeten sich wegen Influenza ab, darunter Corey Walden und Elias Harris; Paul Zipser fehlte wegen einer Prellung. Es ist nicht bekannt, ob es sich beim eingefangenen Virus um die Gattung Alpha, Beta, Gamma oder Delta handelt, jedenfalls hatte die Mannschaft durch die Ausfälle zu wenig Tiefe, um gegen die griechischen Alpha-Männer bestehen zu können. Es reichte lediglich gegen die Beta-Auswahl. Denn die Startaufstellung der Gäste um den in bestechender Form agierenden Bulgaren Sasha Vezenkov und den 2,18-Meter-Center Moustapha Fall beherrschte das Spiel. Wenn hingegen die zweite Garde auf dem Feld stand, dominierten die Bayern. Aber eben nicht genug, um das Defizit wettzumachen.

"Das erste Viertel hat uns das Spiel gekostet", sagte Trinchieri in seiner Analyse, denn da hatten die Bayern gegen die souveräne Startformation von Olympiakos (und ihre frenetischen Anhänger im Audi Dome) Nerven gezeigt: Othello Hunter ließ die Wurfuhr ablaufen, Isaac Bonga setzte einen einfachen Korbleger daneben, Cassius Winston brach in der Bewegung einen Wurf ab, der Ball fiel dem Gegner vor die Füße. Dass der Rumpfkader von zehn Spielern dann überhaupt nochmal bis auf vier Punkte herankam, war umso beachtlicher. Zumal Kapitän Vladimir Lucic und Ognjen Jaramaz unter der Woche für die serbische Nationalmannschaft abgestellt worden waren (die ein wichtiges WM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei knapp gewann), Lucic stand gegen Piräus immerhin fast 24 Minuten auf dem Parkett.

"Deswegen schaue ich nicht auf die negativen Dinge, sondern auf die guten Sachen", sagte Trinchieri dann etwas versöhnlich. Jaramaz, trotz lediglich zehn Spielminuten der beste Werfer mit zwölf Punkten, merkte über die fehlenden Mitspieler noch an: "Hoffentlich sind sie bald zurück, damit es mit unserer positiven Entwicklung wieder weitergehen kann." Es handelt sich seiner Meinung nach also lediglich um eine kurze, gesundheitsbedingte Unterbrechung dieser Entwicklung. Ein großer Kritikpunkt des Trainers war allerdings auch, dass seine Mannschaft zu viel gefoult hatte - Piräus holte von der Freiwurflinie neun Punkte mehr als die Bayern.

Für die Bayern steht in den kommenden Tagen eine Reihe von Auswärtsspielen an, nach dem Gastspiel beim Mitteldeutschen BC (Samstag, 18 Uhr) geht es am Mittwoch nach Lyon, zum ersten Spiel seit Langem gegen einen Euroleague-Tabellennachbarn. Die Saison ist noch lang, die Bayern müssen hoffen, dass die Grippesaison deutlich kürzer ausfällt.

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