Basketball Vertrag galt noch bis 2014

Ausschlagend für Bauermanns spektakulären Abschied sind nach SZ-Informationen wiederholte Undiszipliniertheiten im Team und die Trainingsarbeit; zuletzt war anlässlich einer verlorenen Testspiels bei Alba Berlin ein Zwischenfall bekannt geworden. Dabei soll es sich um einen unerlaubten nächtlichen Ausflug von Spielern gehandelt haben, dem Vernehmen waren die Center Chevon Troutman, Jared Homan sowie ihr Landsmann, der neue US-Spielmacher Tyrese Rice, beteiligt.

Homan war im Winter bereits bei einem ähnlichen Vorfall in einer Münchner Diskothek auffällig geworden, als ihn nach einer Rangelei sogar die Polizei festhielt und vernahm. Dennoch wurde sein Vertrag nach der Saison verlängert. Neben dieser mangelhaften Disziplin zog Bauermann in den eigenen Reihen vermehrt auch Kritik an seiner Person auf sich, da er angeblich zu dominant und beratungsresistent aufgetreten sein soll. Schon im vergangenen Mai äußerte jemand aus der Führungsetage der Abteilung vielsagend, Bauermann drohe sich als "Satellit" zu entfernen.

Der erfolgreichste deutsche Basketball-Trainer (insgesamt elf Meistertitel mit Bayer Leverkusen und Bamberg; EM-Silber 2005 mit der DBB-Auswahl) polarisierte zum Teil auch mit seiner harten Personalführung, so kamen Nationalspieler wie Jan Jagla und Philipp Schwethelm (inzwischen an Ulm ausgeliehen) im Saisonverlauf immer weniger zum Einsatz. In der Vorbereitung auf die neue Saison verloren die Bayern nun zudem fünf von acht Partien, beim jüngsten Testturnier im heimischen Dome unterlag man gegen die Euroleague-Starter Kaunas (58:74) und ZSKA Moskau (66:87) klar - und offenbarte dabei jeweils konditionelle Schwächen. Überdies musste sich Dirk Bauermann in der Vergangenheit gegen Vorwürfe wehren, sein Stil des kontrollierten System-Basketballs sei nicht mehr zeitgemäß.

Auf der anderen Seite wäre der Aufstieg der Marke FC-Bayern-Basketball in München samt bemerkenswerter Zuschauerzahlen ohne sein Engagement nicht so erfolgreich verlaufen. Der international renommierte Trainer Bauermann war ja schließlich 2010 in die Niederung der zweiten Liga zu den Bayern gewechselt, damals übte er in Doppelfunktion noch das Bundestraineramt aus. Diese untersagte ihm die Liga, worauf sich Bauermann nach der verpassten Olympia-Qualifikation für London 2012 auf die reizvolle Aufgabe beim neuen Zugpferd der BBL konzentrierte.

Mit einem prominent verstärkten Team hatte er in der Pro A die Pflicht erfüllt, der Aufstieg in die erste Liga gelang den Bayern souverän. Der Vertrag des Rheinländers galt noch bis 2014, über die Modalitäten einer fraglos kostspieligen Trennung dürfte nichts bekannt werden. Dirk Bauermann, den die von Hoeneß überbrachte Entlassung nachmittags unvermittelt traf und ungläubig hinterließ, war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme erreichbar.