Süddeutsche Zeitung

FC Bayern in der Basketball-Bundesliga:Bongas Dreier lässt die Halle wackeln

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Die Münchner Basketballer übernehmen nach einem Sieg gegen Chemnitz die Tabellenführung. Allerdings bedarf es für diese Botschaft an die Konkurrenz einer mitreißenden Aufholjagd.

Von Christoph Leischwitz

Der Pokalsieg, das hatte Weltmeister Andreas Obst am Sonntag im Bayerischen Fernsehen gesagt, "wäre ein erstes Statement" für diese Saison. Viele Gedanken sind schon beim Pokalturnier am kommenden Wochenende in München, doch streng genommen war auch schon am Dienstagabend ein Statement nötig, denn da bot sich den Basketballern des FC Bayern erstmals die Gelegenheit, die Tabellenführung in der Bundesliga zu erspielen. Obst hatte am Sonntag beim deutlichen 116:86-Erfolg beim Mitteldeutschen BC noch acht Dreier verwandelt.

Aber im direkten Duell mit Spitzenreiter Niners Chemnitz zeigte sich der 27-jährige Guard offensiv lange sehr verhalten, so wie viele seiner Mitspieler. Seinen ersten Distanzwurf verwandelte er erst zum Ende des dritten Viertels - das war punktemäßig, aber auch akustisch der Beginn einer Aufholjagd, denn Chemnitz führte einmal sogar mit 18 Punkten Vorsprung. Und da war es dann, das Statement, wenn auch anders als gedacht: Nach einer phasenweise schwachen Vorstellung gewann die Mannschaft von Pablo Laso 89:80. Und die Fans in der komplett ausverkaufen Halle riefen: "Spitzenreiter, Spitzenreiter!"

Eigentlich schienen die Bayern jetzt, wo die Saison gerade in ihre entscheidende Phase geht, endlich einmal ungefährdete Siege in Serie abrufen zu können, in der Liga waren es elf Erfolge am Stück. Und das nie knapp, sondern mit einem Schnitt von 16,6 Punkten Unterschied. Der achte Sieg dieser Serie: auswärts in Chemnitz.

Für Faschingsmuffel war der BMW Park am Dienstagabend ein guter Ort: keine roten Nasen, keine Büttenreden, trotzdem gute Stimmung - auch in der Halbzeit, als die Deutschrapperin Badmomzjay auftrat und es schaffte, dass die Bayern-Anhänger nach einem enttäuschenden zweiten Viertel akustisch nicht nachließen. Das ließ sich auch leicht nachweisen, weil die Techniker in der Halle einen Dezibelmesser mitgebracht hatten. Bei einem Kurzauftritt der Sängerin waren 82 Dezibel abzulesen. Als Isaac Bonga, am Ende Bayerns Bester (18 Punkte) 90 Sekunden vor Schluss einen Dreier zum 84:80 versenkte, waren es 116 Dezibel.

Wie im Hinspiel lässt die Chemnitzer Trefferquote gegen Ende stark nach

Die Bayern hatten zwar souverän begonnen, Vladimir Lucic verwertete nach wenigen Sekunden den ersten Offensiv-Rebound, Serge Ibaka legte mit einem Dunking nach. Doch die Chemnitzer ließen sich nicht abschütteln und spielten sich scheinbar mühelos immer wieder gute Wurfpositionen heraus. Dabei war es auch kein Problem, dass sie zunächst nur selten unter den Korb gelangten: Bis zur Halbzeit kam die Mannschaft von Rodrigo Pastore auf zehn verwandelte Dreier, bei einer Quote von knapp 60 Prozent. Es dauerte lange, ehe die Bayern ihren Rhythmus fanden, vor allem ließ Chemnitz aber, wie schon im Hinspiel, im Schlussviertel in puncto Treffsicherheit deutlich nach.

Ab sofort geht es erst einmal nur noch um die Pokal-Titelverteidigung. Der erste Gegner im Halbfinale des Top Four sind die Bamberg Baskets, die allerdings nicht so stark einzuschätzen sind wie die konstant spielenden Chemnitzer. Vergangene Woche hatten die Oberfranken Headcoach Oren Amiel nach einer historisch hohen Niederlage gegen den Rivalen Würzburg beurlaubt. Am Dienstagabend empfingen sie mit ihrem neuen Trainer Schlusslicht Heidelberg und gewannen 98:83. Das war ein Statement, aber vermutlich nicht ganz so bedeutsam wie jenes aus München.

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