Basketball-Euroleague Schnell mal Zwischengas

Die Profis des FC Bayern müssen sich beim Titelverteidiger Real Madrid 78:91 geschlagen geben. Durch die Niederlage rutschen die Münchner fürs Erste aus den Playoff-Plätzen.

Von Joachim Mölter, Madrid/München

Die Basketballer des FC Bayern München sind am Freitagabend aus den Playoff-Rängen der Euroleague gefallen: Vor 10 256 Zuschauern verloren sie bei Titelverteidiger Real Madrid 78:91 (39:42) und rutschten dadurch mit nun 11:12 Siegen auf den neunten Platz zurück. Nur die ersten Acht erreichen die K.-o.-Runde im April. Allerdings sind die Aussichten der Münchner trotzdem nicht schlecht: Auf Platz acht rangiert derzeit der baskische Klub Vitoria-Gasteiz mit der gleichen Anzahl von Erfolgen, nur aufgrund des gewonnenen direkten Vergleichs.

Die Spanier haben allerdings das schwierigere Restprogramm: An den letzten drei Spieltagen bekommen sie es noch mit Real Madrid, ZSKA Moskau und Anadolu Efes Istanbul zu tun, den Teams auf den Tabellenplätzen zwei, drei und vier. Insofern war die Niederlage der Münchner beim Vorjahresgewinner nicht ganz so schlimm, damit haben sie rechnen müssen. Real qualifizierte sich mit dem Sieg und einer Bilanz von nun 18:5 Erfolgen bereits für die Runde der letzten Acht.

Das erste Viertel konnten die Münchner am Freitagabend noch weitgehend ausgeglichen gestalten, ihnen war zwischendurch sogar ein 9:1-Lauf gelungen, mit dem sie die Führung übernahmen, 15:12 (7.). Doch in der letzten Minute des ersten Durchgangs gab Real mal kurz Zwischengas: Nach einem Korb von Jaycee Carroll zum 19:17 vergab Braydon Hobbs einen Distanzwurf; die Madrilenen kamen noch einmal in Ballbesitz, vier Sekunden vor dem Pausenzeichen, das reichte ihnen. Aus dem Laufen heraus verwandelte der Argentinier Gabriel Deck einen Dreier zum 22:17.

Und nach der Viertelpause blieb Real mit dem Fuß auf dem Gaspedal: ein Dreier von Jeffrey Taylor, ein Zweier von Carroll samt folgendem Freiwurf, ein Dreier von Spielmacher Sergio Llull - und nach zwölf Minuten stand es 31:17. FC-Bayern-Coach Dejan Radonjic sah sich genötigt, eine Auszeit zu nehmen, um seine Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen.

Die ackerte sich auch wieder heran, Punkt für Punkt, Korb für Korb. Sie profitierte dabei davon, dass die Real-Profis in dieser Phase etwas leichtfertig mit dem Ball umgingen und ihn mehrmals in die Hände der FC-Bayern-Profis spielten. "Das hat sie wieder ins Spiel gebracht", gab Carroll zu; Trainer Pablo Laso monierte: "Wir haben eine Menge Punkte nach Kontern bekommen." Als die Münchner auf 38:34 (18.) verkürzten, trat Laso mittels einer Auszeit auf die Bremse.

Die Münchner kamen danach zwar noch viermal bis auf einen Zähler heran, zuletzt beim 45:46 durch Nihad Djedovic (24.). Doch dann legten die Madrilenen wieder einen Zwischenspurt ein in Form eines 16:2-Laufs bis zum 62:47 (28.). Und danach spielten die Euroleague-Champions ihre ganze Routine aus und ließen ihre Gäste nie mehr näher als auf zehn Punkte herankommen. Danilo Barthel, mit 14 Zählern Münchens erfolgreichster Werfer an diesem Abend, verwandelte Mitte des letzten Viertels zwar zwei Dreier nacheinander, erst zum 78:68, dann zum 81:71. Aber Madrids Regisseur Sergio Llull gab jeweils umgehend die passende Antwort.

Der 31-Jährige war mit insgesamt 15 Punkten auch der beste Werfer auf dem Parkett. Carroll, Deck und Anthony Randolph steuerten jeweils 13 Zähler bei; der 2,20-Meter-Mann Walter Tavares sammelte neun Rebounds ein. Beim FC Bayern punkteten außer Barthel noch Petteri Koponen, Vladimir Lucic und Nihad Djedovic zweistellig (jeweils zehn). Derrick Williams, bislang bester Korbschütze der Bayern in dieser Euroleague-Saison, hielt Real aber gut in Schach. Der Amerikaner kam auf neun Punkte, ein Drittel weniger als sonst.