FC-Bayern-Basketballer:Erdrückt in Barcelona

Lesezeit: 3 min

FC-Bayern-Basketballer: Unverwüstlich - und für den Trainer unersetzlich: Othello Hunter (re.) soll nach dem Willen von Andrea Trinchieri noch eine Saison bei den Bayern bleiben.

Unverwüstlich - und für den Trainer unersetzlich: Othello Hunter (re.) soll nach dem Willen von Andrea Trinchieri noch eine Saison bei den Bayern bleiben.

(Foto: Javier Borrego/Getty)

Der FC Bayern verliert das entscheidende fünfte Viertelfinalspiel und verpasst das Final Four. Trotzdem verbuchen die Münchner die Euroleague-Saison als Erfolg - ihr Ziel ist nun der deutsche Titel.

Von Ralf Tögel

Othello Hunter humpelte vom Feld, mit hängenden Schultern, gesenktem Kopf und leerem Blick. Der Fuß schmerzte, an der Schläfe klebte ein Pflaster, eine Erinnerung an Spiel drei in München, als er sich einen Cut mit vier Stichen nähen ließ und weiterspielte. Wieder hatte der 36-jährige Routinier alles gegeben, sich nach jedem Ball geworfen, spektakulär gedunkt, sogar Dreier versenkt, was nicht zu den originären Aufgaben eines Centers zählt. Umsonst.

Die Basketballer des FC Bayern verloren das entscheidende fünfte Spiel im Euroleague-Viertelfinale beim FC Barcelona mit 72:81 Punkten und sind aus dem Wettbewerb ausgeschieden. Mit erhobenem Haupt allerdings, denn den Katalanen, dem Titelfavoriten, wurde von einer leidenschaftlich kämpfenden und von Trainer Andrea Trinchieri erneut hervorragend eingestellten Mannschaft alles abverlangt.

Die Enttäuschung war dennoch enorm, nicht nur bei Hunter. Der Veteran ist der einzige im Münchner Kader, der diesen Titel schon mal gewonnen hat, 2019 mit ZSKA Moskau. In dieser Spielzeit nun schien spätestens beim 59:52-Sieg im vierten Spiel, als die Münchner auf heimischem Parkett zum 2:2 in der Best-of-five-Serie ausglichen hatten, das Erreichen des Final-Four-Turniers möglich zu sein.

Wieder bereiten die Bayern dem Favoriten Barcelona große Probleme, nach der Pause aber setzt sich dessen Qualität durch

Der Druck lag in Durchgang fünf also bei Barcelona, einer Mannschaft, die mit enormen finanziellen Mitteln für den Gewinn der europäischen Krone zusammengestellt worden ist. Mit Spielern wie Nick Calathes, dem bestem Passgeber der Euroleague-Geschichte. Mit dem athletischen Guard Dante Exum, im Dezember aus der NBA mit Blick auf solche Vergleiche nachverpflichtet, sowie Spielmacher Nicolas Laprovittola, einem der sichersten Distanzschützen in Europa. Und natürlich mit Nikola Mirotic, dem bestbezahlten und wohl auch besten Profi in Europa. Für Akteure von diesem Zuschnitt sind K.-o.-Runden im internationalen Geschäft Alltag, sie sind gewohnt, genau in diesen Situationen zu liefern. Und Barcelona lieferte. Laprovittola war mit 26 Punkten treffsicherster Werfer, Calathes nahm in der zweiten Halbzeit das Spiel in die Hand, Mirotic sammelte 20 Punkte und leitete in der zweiten Halbzeit den Umschwung ein.

Gleichwohl leisteten die Gäste hartnäckig Widerstand. Die große Qualität des Münchner Trainers besteht ja darin, das Maximum aus seinen Spielern herauszulocken. Das sieht manchmal grob aus, etwa wenn Trinchieri einen Akteur am Spielfeldrand zur Räson brüllt. Aus dem Spielerkreis ist indes zu hören, dass die fordernde und professionelle Arbeit des Italieners geschätzt wird, zumal sie erfolgreich ist. Und Trinchieri weiß seine Auswahl auf den Gegner einzustellen, dessen Schwächen zu analysieren und die eigenen Stärken zur Geltung zu bringen. Vor allem die giftige Abwehr macht den FC Bayern zu einem gefürchteten Kontrahenten, Spieler wie Nick Weiler-Babb, Leon Radosevic oder eben Hunter zählen zu den Besten in dieser Disziplin.

Fast hätte es gereicht. Vom erwartet engagierten Start der Katalanen zeigte sich der FC Bayern unbeeindruckt, antwortete auf den schnellen 4:9-Rückstand mit einem 9:0-Lauf, bestimmte fortan die Partie und ging mit einer 37:31-Führung in die Kabine. Wieder hatte der Außenseiter der übermächtig erscheinenden individuellen Qualität des Gegners die Leidenschaft und den Einsatzwillen des Kollektivs entgegengesetzt, das durch die Mischung aus Routiniers und aufstrebenden Profis überzeugt.

Erfahrene Spieler wie Hunter, Augustine Rubit, 32, Deshaun Thomas, 30, oder Vladimir Lucic, 32, werden ergänzt durch Hochtalentierte wie Weiler-Babb, Ognjen Jaramaz, beide 26, Andreas Obst, 25, und Zan Mark Sisko, 24. Beste Werfer waren Weiler-Babb (10 Punkte), der Serbe Jaramaz (17), den die Bayern bis 2024 gebunden haben, sowie der unverwüstliche Hunter. 18 Punkte steuerte dieser bei - nach dieser Leistung kündigte Trainer Trinchieri sogleich an, den 36-Jährigen für eine weitere Saison von seinem Karriereende abhalten zu wollen.

"Das Beste für diesen Verein kommt noch", sagt Trainer Trinchieri

Nach der Pause jedoch wurden die Bayern von der Qualität des Favoriten erdrückt. Angepeitscht von 7444 Zuschauern im Palau Blaugrana drehte Barcelona das Spiel mit einem 29:15 im dritten Viertel. Egal wie groß der Rückstand war, die Bayern kämpften unverdrossen weiter. "Diese Jungs geben nie auf", konstatierte Geschäftsführer Marko Pesic nach dem Spiel voller Stolz, er will die Euroleague-Saison trotz des Ausscheidens als großen Erfolg verbuchen.

Trinchieri sieht das ähnlich, sein Auftrag für diese und die vergangene Spielzeit sei gewesen, international die Playoffs zu erreichen. Das Ziel wurde übererfüllt, beide Male waren die Münchner drauf und dran, ins Endturnier einzuziehen - was noch nie einer deutschen Mannschaft gelungen ist. "Für diesen Verein kommt das Beste noch", sagte der Coach, dessen Vorgabe nun den deutschen Meistertitel vorsieht. International haben die Bayern erneut viel für das Renommee des deutschen Basketballs getan, nun gilt es, auf nationaler Ebene nachzulegen. Nach dem Pokal-Aus bleibt die Meisterschaft - wegen der jüngsten Anstrengungen und einer wegen Corona und vieler Verletzter unrunden Saison kein Selbstläufer. Mitte Mai beginnen die Playoffs.

Es dürfte erneut auf ein Duell mit Titelverteidiger Alba Berlin hinauslaufen. Alba hat zwar nicht die individuelle Qualität der Münchner, aber ein funktionierendes Kollektiv. In diesem Fall liegt der Druck beim FC Bayern.

Zur SZ-Startseite
Maxi Kleber gegen die Phoenix Suns.

Basketball in den NBA-Playoffs
:Maxi Kleber kracht aufs Parkett

Fünf Dreier und ein schmerzhafter Dunk: Im ersten Viertelfinale gegen Phoenix tritt der deutsche Basketballer Maxi Kleber erneut furios auf - doch der Gegner ist in einer entscheidenden Disziplin noch besser.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB