Basketball Erfolgreicher Kaltstart

Da schau hin: Einen Meistertitel hat Dejan Radonjic mit den Bayern bereits gewonnen, ein weiterer soll im Juni hinzukommen.

(Foto: Monika Skolimowska/dpa)

Rechtzeitig vor dem Playoff-Start verlängert der FC Bayern den Vertrag mit Trainer Dejan Radonjic.

Von Ralf Tögel

Es war der Gründonnerstag des vergangenen Jahres, als das Trainerleben von Dejan Radonjic eine entscheidende Wende erfuhr. Eigentlich hatte er vor, in der amerikanischen Superliga NBA zu hospitieren, ein Vertragsangebot seines Arbeitgebers Roter Stern Belgrad hatte er abgelehnt. Doch dann kam ein Anruf von Marko Pesic - und alles war anders. An jenem Donnerstag Ende März hatten die Basketballer des FC Bayern Münchner ihren Coach Aleksandar Djordjevic entlassen, als Tabellenführer und frisch gebackener Pokalsieger, was man durchaus als überraschend bezeichnen konnte. Geschäftsführer Marko Pesic und Sportdirektor Daniele Baiesi sahen zu diesem Zeitpunkt das übergeordnete Saisonziel Meisterschaft in Gefahr, Djordjevic musste seinen Stuhl räumen - und Radonjic nahm Platz.

Die Verantwortlichen mussten seinerzeit viel Kritik einstecken, denn der Trainerwechsel wurde zur vermeintlichen Unzeit vollzogen: direkt vor Beginn der Playoffs. Radonjic kam zwar mit der Empfehlung von drei serbischen Titeln in Folge mit Belgrad, zwei Pokalsiegen und drei Titeln in der osteuropäischen Adria-Liga, dank derer er ein Euroleague-Team befehligte. Doch das plötzliche Engagement beim deutschen Promi-Klub war auch der Sprung in ein Stahlbad aus Erwartungen, Ansprüchen und öffentlichem Interesse, es war ein Kaltstart unter dem Brennglas. Bisweilen wirkte der Montenegriner wie ein interessierter Beobachter, der nicht so recht wusste, wo er da eigentlich hingeraten war, hinzu kamen anfängliche Probleme mit der englischen Sprache, Radonjic musste sich in der Hitze der Meisterschaftsendrunde akklimatisieren. Nicht die kuschligste Situation, um einen Verein und eine Mannschaft kennenzulernen, doch der Montenegriner hat diese Bewährungsprobe mit Bravour gemeistert. Ein paar Wochen nach seiner ersten Trainingseinheit gewann er mit dem FC Bayern München seinen ersten deutschen Meistertitel. In der laufenden Saison hat sein Team in der Euroleague 14 Siege eingefahren und die Runde der besten Acht nur knapp verpasst, so gut hat bislang noch nie eine deutsche Mannschaft im höchsten europäischen Wettbewerb abgeschnitten.

Folgererichtig hat die sportliche Leitung rechtzeitig vor dem Playoff-Start an diesem Samstag gegen Braunschweig im Audi Dome (20.30 Uhr) den Vertrag mit dem 49-jährigen Montenegriner um eine weitere Spielzeit verlängert. Radonjic gilt als konsequenter Arbeiter, legt Wert auf intensives Training, definiert das Spiel seiner Mannschaft über eine starke Defensive und weiß diese stets gut vorzubereiten. Nun soll er den "Klub weiter auf hohem Level stabilisieren", wie Sportdirektor Baiesi sagt. Radonjic freut sich über das Vertrauen seines Arbeitgebers, mit derlei Gefühlsduselei will er sich nicht lange aufhalten, es gelte schließlich, den Titel zu verteidigen. Auf sein weiteres Trainerleben hätte dies sicher Einfluss.